Mischfonds und Dachfonds: Teure Mischung

Dachfonds sind ein Verkaufshit. Sie versprechen Vermögensverwaltung auch für Leute mit wenig Geld. Aber sie halten nicht, was sie versprechen. Die Renditen sind nicht höher und die Risiken nicht geringer als die einzelner Fonds.

Dachfonds investieren nicht in Aktien oder Anleihen, sondern in Fonds. Die Idee ist gut: Anstelle der Anleger stellen Fondsmanager ein Fondsdepot zusammen. Niemand muss mehr darüber nachdenken, wie er sein Geld auf Aktien- und Rentenfonds verteilen und wie er die richtigen Fonds dafür finden soll. Alles macht der Fachmann.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Auch Fachleute sind nämlich faul. Sie legen zum Beispiel einmal ein bestimmtes Verhältnis fest, in dem Aktienfonds und Rentenfonds gemischt werden sollen und überlassen das Portfolio dann mehr oder weniger seinem Schicksal – egal, was am Markt passiert. Dachfonds sind außerdem teuer: Die Verwaltung kostet bis zu 2,5 Prozent pro Jahr.

Die Zutaten der Manager

Dachfonds gibt es in zwei Varianten. Die einen legen in Fonds der eigenen Gesellschaft an, die anderen suchen sich aus allen am Markt angebotenen Fonds die besten heraus.

Investiert ein Dachfonds in Fonds der eigenen Gesellschaft, erwischt er dabei fast zwangsläufig auch weniger gute. Der Anleger hat allerdings den Vorteil, dass er die Managementgebühren nur für den Dachfonds und nicht auch noch für die Einzelfonds bezahlen muss. Je nachdem, welche Rendite der Dachfonds erzielt, hat der Anleger jedoch nur wenig von den niedrigen Gebühren: Der Alsa-Portfolio-Chance von Adig beispielsweise hat in den vergangenen drei Jahren im Schnitt je 10,4 Prozent verloren.

Kauft der Manager Fonds anderer Gesellschaften, muss der Anleger doppelt bezahlen, hat andererseits aber möglicherweise bessere Fonds unterm Dach. Oder auch nicht, wie das Beispiel des DWS tecis Dynamic beweist: Dieser Dachfonds investiert in Fonds der Gesellschaften dit, Gartmore, Griffin, Threadneedle und andere und hat in den vergangenen drei Jahren im Schnitt 13,2 Prozent pro Jahr verloren.

Steuervorteil

Der einzige wirkliche Vorteil, den Dachfonds gegenüber einem Depot aus Einzelfonds bieten, ist ein steuerlicher: Der Anleger muss die Spekulationsfrist beachten, für den Manager ist sie irrelevant. Er kann Fonds auch dann ohne steuerliche Verluste verkaufen, wenn er sie weniger als ein Jahr gehalten hat.

Dachfonds gibt es in fünf Ausprägungen. Sie investieren entweder nur in Aktien- oder nur in Rentenfonds, in diesem Fall hat Finanztest sie in die jeweils passende Fondsgruppe integriert. Oder sie mischen dynamisch, das heißt wenig Renten- mit vielen Aktienfonds, oder konservativ, das heißt viel Renten- mit wenig Aktienfonds. Einige reagieren flexibel auf Marktgeschehnisse.

Zum Stichtag 31. August 2002 sind exakt 399 Dachfonds auf dem Markt gewesen und es werden immer mehr – trotz der schlechten Kritiken, die von vielen Seiten kommen.

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