Mischfonds Meldung

Mit Vollgas. Bernd Förtsch ist Berater des Vermögensaufbau-Fonds HAIG I. Damit der Fonds langfristig seinem Namen gerecht wird, muss Förtsch mit seiner eigenwilligen Aktienauswahl erfolgreich bleiben. Mit seinem Mischfonds fährt er ein hohes Risiko.

Mischfonds sollen Wertsteigerung ohne allzu starke Kursschwankungen bieten. Doch der Warburg-Defensiv, der Veri-Tresor und der Vermögensaufbau-Fonds HAIG I geben auf dem Aktienmarkt viel mehr Gas, als ihre Namen erwarten lassen.

Bernd Förtsch ist in Anlegerkreisen eine kleine Berühmtheit. Zu Glanzzeiten des Neuen Marktes feierten ihn viele Medien als Börsenstar und auch nach dem Platzen der Internetblase blieb er – nicht nur als Herausgeber der Zeitschrift „Der Aktionär“ – im Geschäft.

Förtsch steht als Berater der Fondsgesellschaft Hauck & Aufhäuser hinter dem Vermögensaufbau-Fonds HAIG I. Die Gesellschaft bezeichnet den Fonds als „flexiblen Mischfonds“. Sein vertrauenheischender Name lässt auch an die Altersvorsorge denken. Er darf je nach Börsenlage bis zu 40 Prozent festverzinsliche Wertpapiere halten. Seit geraumer Zeit ist er aber fast vollständig in Aktien investiert.

Das kam der Wertentwicklung zugute: In den vergangenen vier Jahren legte der im Mai 2002 aufgelegte Fonds um 151,4 Prozent zu. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 25,9 Prozent.

In unseren Fondstabellen taucht der Fonds nicht auf, weil er keine fünf Jahre alt ist. Doch wir haben ihn uns näher angesehen: Der Mischfonds setzt zurzeit nicht nur fast vollständig auf Aktien, sondern folgt einer recht spekulativen Strategie.

Bekannte Aktien wie Allianz, Porsche oder die französische Vivendi sind eher Ausnahmen. Er investiert daneben in Dutzende kleinere Unternehmen, viele aus der Technologie- und Biotechbranche.

Im Halbjahresbericht zum 30. Juni 2006 tauchen etliche ehemalige Neue-Markt-Werte auf – von AAP Implantate über CyBio, Morphosys, QSC bis zu Tomorrow Focus und United Internet.

Das Vermögen des Fonds ist auf viele Positionen verteilt. Allerdings wagen wir zu bezweifeln, dass Anleger beim Begriff „Vermögensaufbau“ an Aktien des Wettanbieters Betandwin, des Fußballklubs Borussia Dortmund oder des schwedischen Nanotech-„Geheimtipps“ Obducat denken. In guten Börsenzeiten sind mit solchen Aktien durchaus satte Kursgewinne möglich, aber was passiert, wenn der Markt mal längere Zeit schlecht läuft?

Zielmarke: 15 Prozent Rendite

Das Fondsmanagement soll es richten. Im Internet heißt es zur Strategie unter www.vermoegensaufbau-fonds.de: „Fondsberater Bernd Förtsch arbeitet auf einen langfristigen Vermögensaufbau hin und peilt eine durchschnittliche Rendite von 15 Prozent pro Jahr an. Dabei sollen starke Kursschwankungen weitgehendst vermieden werden.“

Finanztest hält das Renditeziel auf lange Sicht für unrealistisch. Den traumhaft hohen Wert dann auch noch ohne größere Schwankungen zu erreichen, würde schon an Zauberei grenzen.

Das verdeutlicht ein Blick auf die Entwicklung des internationalen Aktienmarktes, der in den vergangenen 20 Jahren „nur“ 8,1 Prozent pro Jahr geschafft hat. In dieser Zeit gab es heftige Ausschläge nach oben, wie in der historischen Rallye bis zur Jahrtausendwende, und nach unten, wie in der direkt anschließenden Börsenkrise bis zum Frühjahr 2003.

Zweifelhafte Referenz

Anleger müssen also wohl oder übel den Investmentkünsten von Herrn Förtsch vertrauen. Vorher sollten sie sich aber einmal die Historie eines anderen Fonds ansehen, für den Förtsch als Berater auftritt.

Der DAC-Fonds UI war zu Zeiten des Börsenbooms ein wahrer Überflieger, der fabelhafte Renditen erzielte. Dann stürzte er mit dem Neuen Markt ab. Heute gehört der Fonds unter den Aktienfonds Welt mit Schwerpunkt Nebenwerte zu den schlechtesten, die Finanztest in seinem Dauertest regelmäßig bewertet.

Mit einer Finanztest-Bewertung von 24,8 Punkten steht er ganz am Ende seiner Fondsgruppe. In den vergangenen fünf Jahren brachte er Anlegern im Schnitt einen jährlichen Verlust von 11,3 Prozent.

Zum Vergleich: Der beste globale Nebenwerte-Fonds aus unserem Test, der Axa Rosenberg Global Small Cap B, erzielte in derselben Zeit ein durchschnittliches jährliches Plus von 11 Prozent.

Für Anleger schwer durchschaubar

Mischfonds sind von der Idee her eine gute Ergänzung der Altersvorsorge und eignen sich auch für langfristig angelegte Sparpläne. Doch leider ist die Fondsgruppe für Anleger schwer zu durchschauen.

Entscheidend für das Risiko ist das Mischverhältnis von Aktien und Renten: Je höher der Aktienanteil, desto aussichts-, aber auch risikoreicher ist ein Fonds.

Die Fondsbezeichnung soll Anlegern helfen, Mischfonds zumindest grob einzuordnen. Auf Seite 32 listen wir die gängigen Vokabeln der Branche auf und sagen, was Fondsanbieter damit meinen.

Bei manchen Fonds führen Anbieter die Anleger aber mit ihrer Einordnung oder mit dem Fondsnamen auf eine falsche Fährte. So war der Vermögensaufbau-Fonds bisher nur auf dem Papier ein flexibler Mischfonds, denn in diese Kategorie passt eine über mehrere Jahre fast 100-prozentige Aktienquote nicht hinein.

Und wer den Warburg-Defensiv beim Wort nimmt, kann eine unangenehme Überraschung erleben. Der Fonds steht nicht – wie der Name vermuten lässt – bei den defensiven Mischfonds, die nach der Finanztest-Einstufung maximal die Risikoklasse 5 haben. Vielmehr läuft er mit der Risikoklasse 9 unter den offensiven Mischfonds. Der Fonds ist ähnlich schwankungsanfällig wie ein Aktienfonds Welt.

Leider ist er auch noch von unterdurchschnittlicher Qualität. Mit einer durchschnittlichen Wertentwicklung von minus 0,3 Prozent pro Jahr machte er Anlegern in den vergangenen fünf Jahren überhaupt keine Freude.

Wer seine Fondsanteile zum jeweils ungünstigsten Zeitpunkt gekauft und wieder verkauft hat, konnte rund 40 Prozent verlieren. Unter „defensiv“ stellen sich Anleger eigentlich etwas anderes vor.

Auch bei dem Begriff „Tresor“ liegen andere Assoziationen nahe, als sie der gleichnamige Fonds der Gesellschaft Veritas einlöst. Als Mischfonds mit offensiver Ausrichtung schaffte der Veri-Tresor im zurückliegenden Fünfjahreszeitraum durchschnittlich 1,0 Prozent pro Jahr und gehört mit diesem Ergebnis zu den unterdurchschnittlichen Fonds seiner Gruppe. Der maximale Verlust von 35,7 Prozent zeigt, dass der Fonds wenig mit einem Banksafe gemeinsam hat.

Bei den meisten Fonds, die wir uns näher angeschaut haben, stimmen Schein und Sein aber gut überein. Wo konservativ, defensiv oder Stabilität draufsteht, ist erhöhte Sicherheit drin.

Für jeden die passende Mischung

Finanztest teilt die Mischfonds in fünf Gruppen ein, die sich in ihren Chancen und Risiken erheblich unterscheiden. Einen Auszug aus drei dieser Gruppen zeigt die Tabelle „Diese Mischfonds werben mit Sicherheit“. Die Eingruppierung ist nicht starr. Gelegentlich wandern Fonds in eine andere Gruppe, wenn sich das Ausmaß ihrer Wertschwankungen verändert hat.

Bei Mischfonds mit defensiver Ausrichtung dienen Aktien nur als Beimischung für einen kleinen Renditekick, bei Mischfonds mit offensiver Ausrichtung gibt es dagegen nur einen Schuss Festverzinsliche, um die Wertschwankungen abzufedern. Der Übergang zu reinen Aktienfonds ist fließend.

Zwischen den beiden Extremen haben wir drei weitere Gruppen gebildet, bei denen das Verhältnis aus Aktien und Rentenpapieren ausgeglichener ist. Wie die Gruppen genau festgelegt sind und welche Fonds zurzeit vorn stehen, zeigt unser Infodokument Mischfonds.

Aus Leserzuschriften wissen wir, dass viele Anleger die Wertschwankungen aktiendominierter Mischfonds unterschätzen. Da sie ihre Fonds oft ausgerechnet in der Hochphase des Börsenbooms gekauft haben, waren Verluste von 40 Prozent oder mehr möglich. Das muss keine Katastrophe sein, wenn der Fonds grundsätzlich in Ordnung ist und der Anleger genügend Zeit hat, die Verluste auszusitzen.

Für das Nervenkostüm empfindlicher Anleger sind offensive Mischfonds aber kaum geeignet. Wer starke Wertschwankungen nicht gut verträgt, sollte sich lieber einen Mischfonds mit defensiver Ausrichtung suchen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 690 Nutzer finden das hilfreich.