Misch­fonds Test

Gute Misch­fonds bringen Renditen wie Aktienfonds und haben dabei weniger Risiken. Doch solche Fonds sind selten.

Besser geht es kaum: 620 Prozent Wert­zuwachs brachte der Misch­fonds Carmignac Patrimoine seit 1989. Selbst für einen Aktienfonds wäre das eine gute Leistung. Der Patrimoine erreichte sie aber bei einem deutlich nied­rigeren Risiko, denn seine Aktienquote liegt nie über 50 Prozent. Der andere Teil steckt in Staats- und Unter­nehmens­anleihen sowie in Zins­anlagen.

Ähnlich güns­tige Kombinationen aus Sicherheit und Rendite­chancen erhoffen sich Anleger auch von anderen Misch­fonds. Finanztest sagt, wo sie fündig werden.

Für diesen Test haben wir unsere Unter­suchungs­methode nochmals verfeinert. Da es für Misch­fonds keine Indexfonds gibt, die sich als Maßstab eignen, haben wir das Chance-Risiko-Profil von mehr als 10 000 Mischungen aus Indexfonds berechnet, um die Misch­fonds daran zu messen.

Gemischt haben wir jeweils den Indexfonds iShares MSCI World, der den Welt­aktienmarkt abbildet, und den db x-trackers iBoxx Euro Sover­eigns Eurozone für Euro-Staats­anleihen. Die Kombinationen reichten in feinen Abstufungen von 100 Prozent Aktien bis zu 100 Prozent Anleihen. In der Grafik (siehe „empfehlenswerte Mischfonds“) zeigt die rote Linie das Chance-Risiko-Profil der einzelnen Mischungen. Die besten Misch­fonds liegen weit ober­halb davon.

Die neue Test­methode bringt es mit sich, dass zu den bisher empfehlens­werten Fonds eine Reihe weiterer hinzukommen, darunter alte Bekannte wie der Ethna Aktiv und der UniRak (siehe „Jenseits der Bestenliste“). Details zu diesen Fonds finden Anleger in unserem Produktfinder Investmentfonds im Internet (www.test.de/fonds).

Im Produktfinder Fonds stehen weiterhin nur die Besten der Besten: alle „effizienten“ Misch­fonds. Sie haben ein heraus­ragendes Verhältnis von Rendite­chancen und Risiko.

Nicht jeder Misch­fonds mischt immer

Keine andere Fonds­gruppe bietet so viele verschiedene Anla­gestrategien und so spezielle Konzepte wie die Misch­fonds.

In klassischen Misch­fonds wie dem Carmignac Patrimoine, dem UniRak oder den RAM-Fonds der DWS werden Aktien und Renten­papiere in einem vorgegebenen Rahmen gemischt. Die Mischung kann variieren, mal ist der Aktien­anteil etwas höher, mal etwas nied­riger. Der Anleger weiß aber, dass er stets sowohl auf dem Aktien- als auch auf dem Rentenmarkt dabei ist.

Das ist bei flexiblen Misch­fonds wie den Dachfonds von Sauren oder dem Pioneer Substanz­werte nicht gewiss. Deren Manager versuchen, Höhenflüge an den Aktienmärkten voll mitzunehmen und schlechte Phasen zu vermeiden. Die Aktienquote passen sie der vermuteten Markt­lage an. Sie kann zwischen 0 und 100 Prozent liegen.

Wer einen flexiblen Misch­fonds kauft, weiß also ohne zusätzliche Recherchen nie, ob er gerade eher aktienlastig oder vorsichtig investiert hat.

Noch radikaler ist der sogenannte Total-Return-Ansatz, dem sich einige Misch­fonds wie der SEB Asset Selection verschreiben. Das eng­lische „Total return“ heißt auf Deutsch: alles zurück. Um eine dauer­haft positive Wert­entwick­lung zu erreichen, ist den Managern fast jedes Mittel recht.

Sie investieren je nach Markt­lage in Aktien, Renten oder Rohstoffe und versuchen dabei, für Ein- und Ausstieg den jeweils güns­tigsten Zeit­punkt zu erwischen. Oberstes Ziel: Der Anleger soll durch­gehend in den schwarzen Zahlen bleiben.

Anleger erkennen Risiko leicht

Eine erste Orientierung für die Risiken von Misch­fonds gibt Anlegern die Sortierung in unserem Produktfinder Fonds. Finanztest ordnet die Fonds nach dem Risiko, das sie seit Beginn unseres Unter­suchungs­zeitraums Ende 2006 hatten.

Die Fonds mit dem geringsten Risiko stehen in der Tabelle oben, die riskantesten ganz unten. Besonders vorsichtige Anleger nehmen also einen Misch­fonds wie den UniBa­lancePlus, der mit seiner äußerst zurück­haltenden Anlage­politik seit Ende 2006 im Durch­schnitt nicht mehr als 1,6 Prozent pro Jahr brachte, aber dafür nur geringe Wert­schwankungen hatte.

Die Fonds am anderen Ende der Skala haben bessere Rendite­chancen, die sie mit höheren Wert­schwankungen erkaufen. Allerdings sind die Risiken deutlich geringer als bei reinen Aktienfonds.

Bei den riskantesten Misch­fonds aus unserer Liste betrugen die schlimmsten Verluste weniger als ein Drittel vom zuvor Erreichten. Dagegen konnten Anleger selbst mit guten global anlegenden Aktienfonds seit Ende 2006 die Hälfte ihres Einsatzes verlieren, wenn sie zum jeweils ungüns­tigsten Zeit­punkt kauf­ten und verkauften.

Einen guten Hinweis auf die Risiko­ausrichtung eines Misch­fonds gibt die Mess­latte, mit der seine Fonds­manager ihr Anla­geergebnis beur­teilen.

Wenn etwa die Manager des Carmignac Patrimoine eine Fifty-fifty-Mischung aus dem Welt­aktien- und aus einem globalen Renten­index wählen, um seine Wert­entwick­lung zu vergleichen, gibt das eine Vorstellung von den Risiken, die sie üblicher­weise eingehen.

Blick auf die aktuelle Fonds­mischung

Einige Misch­fonds nehmen als Mess­latte keine Indizes, sondern eine feste jähr­liche Verzinsung. Ein Fonds, der sich 5 Prozent pro Jahr als Zielmarke setzt, muss natürlich höhere Risiken eingehen als einer, der sich mit 3 Prozent pro Jahr bescheidet.

Anleger sollten sich vor dem Kauf auf jeden Fall die aktuelle Zusammenset­zung eines Fonds ansehen. Dazu eignen sich am besten die monatlichen Berichte (Facts­heets) auf den Internet­seiten der Anbieter.

Fonds wie der UniBa­lancePlus und der PSM Value Strategie UI stehen für Kontinuität. Sie sind zurzeit fast nur in sicheren Renten­papieren und Zins­anlagen investiert. Die Rendite von unter 2 Prozent seit 2006 und der äußerst geringe maximale Verlust in diesem Zeitraum hätten auch nichts anderes erwarten lassen.

Ganz anders beim SEB Asset Selection EUR C. Seine Rendite von 5,1 Prozent pro Jahr seit Ende 2006 entspricht zwar nicht ganz der Zielset­zung („5 Prozent über dem risikolosen Zins“), ist aber ansehnlich.

Der Wert­zuwachs wurde nicht kontinuierlich aufgebaut, sondern ist vor allem dem heraus­ragenden Ergebnis 2008 zu verdanken. In diesem Katastrophen­jahr für Aktien legte der Fonds um fast 25 Prozent zu, während der Welt­aktien­index etwa 37 Prozent verlor.

Als Total-Return-Fonds kann der SEB Asset Selection auch von fallenden Märkten profitieren. Dazu muss sein Management allerdings wie 2008 einen eindeutigen Markt­trend identifizieren. Seit Anfang 2009 war das nicht mehr der Fall. Der Fonds kam kaum von der Stelle, auf Drei­jahres­sicht brachte er nur 0,6 Prozent pro Jahr.

Das liegt auch an den Kosten, die besonders ins Gewicht fallen, wenn der Fonds nur sicher anlegt. Neben den Fixkosten von 1,1 Prozent pro Jahr hat der Fonds eine Erfolgs­gebühr, die selbst bei bescheidenem Anla­geerfolg erheblich sein kann.

SEB kassiert kräftig Gebühren

Anleger des SEB Asset Selection mussten sich im Jahr 2011 mit 1,6 Prozent Rendite begnügen. Für das Fonds­management gab es neben der Verwaltungs­gebühr von gut 15 Millionen Euro mehr als 5 Millionen Euro Erfolgs­honorar.

Anleger, die den SEB-Fonds jetzt kaufen, sollten wissen, dass sie zurzeit fast voll­ständig in sichere Zins­papiere investieren. Wer auf die hohe Fonds­rendite der Vergangenheit scharf ist, muss darauf vertrauen, dass dem Management auch künftig solche Kunst­stücke wie im Jahr 2008 gelingen.

Fonds­managern zu vertrauen, heißt, ihre allgemeine Markt­einschät­zung zu teilen. Im Falle des M&W Privat und Pioneer Substanz­werte bedeutet das: Anleger setzen auf einen weiter steigenden Gold­preis – beim M&W Privat (siehe Fondsporträt) sehr ausgeprägt, beim Pioneer-Fonds, der „nur“ zu rund 10 Prozent Gold und Gold­minen­aktien enthält, etwas weniger.

Gold und andere Edel­metalle gelten als Sach- oder Substanz­werte und verheißen in Krisen­zeiten mehr Sicherheit als reine Schuld­verschreibungen. Dennoch gibt es keinen Fonds­manager, der auf Schuld­verschreibungen von Staaten oder Unternehmen völlig verzichtet.

Besonders beliebt sind Bundes­anleihen und andere Staats­anleihen hoher Bonität, etwa aus den Nieder­landen oder Österreich. Dazu kommen oft Geldmarkt­fonds oder andere kurz­fristig verfügbare Zins­anlagen, die alle eins gemein­sam haben: Sie werfen zurzeit kaum etwas ab.

Erfolg­reich nur mit Aktien

Misch­fonds, die dauer­haft gute Renditen erzielen wollen, kommen nicht an Aktien vorbei. Die Fonds­manager haben allerdings sehr unterschiedliche Vorlieben bei der Titel-, Länder- und Branchen­auswahl.

So setzt der Carmignac Patrimoine im Augen­blick vor allem auf Nord­amerika und hat auch Schwellenländer hoch gewichtet. Dagegen beschränkt sich Allianz Global Investors bei ihrem Fonds Kapital Plus A (siehe Porträt) auf europäische Aktien.

Die meisten Misch­fonds wählen für ihre Aktien­anlagen große bekannte Unternehmen – eine naheliegende Strategie, um bei einer Börsenrallye auf keinen Fall etwas zu verpassen.

Einige defensive Misch­fonds machen dennoch das Gegen­teil. Beim PSM Value Strategy besteht der minimale Aktien­anteil vorwiegend aus den kleinen Medizin­technikfirmen Analytik Jena und EDAP.

Auch das Fonds­management des 4Q-Income Universal holt sich vorzugs­weise Aktien aus der zweiten oder dritten Reihe. Die sind zwar spekulativer, eröffnen im Erfolgs­fall aber bessere Rendite­chancen als die Aktien von Welt­konzernen.

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