Mischfonds Meldung

Wie Barkeeper mixen Manager von Mischfonds nach Rezept. Sie dürfen es aber immer wieder verändern.

Gut gemanagte Mischfonds ersparen Anlegern das Zusammenstellen eines Depots aus Aktien- und Rentenfonds. Die besten Mischfonds schafften deutlich höhere Renditen als vergleichbare Indexmischungen.

Ob ein Cocktail schmeckt, hängt maßgeblich vom Talent des Barkeepers ab. Ob ein Fonds etwas taugt, liegt beim Fondsmanager – besonders wenn der Manager für einen Mischfonds zuständig ist.

Anders als die Manager von reinen Aktien- und Rentenfonds hat er es nicht nur mit einer Gattung von Investments zu tun, sondern muss aus Aktien, Zinsanlagen und manchmal Immobilien ein Portfolio mixen, das einer festgelegten Risikostufe gerecht wird.

Finanztest hat untersucht, nach welchen Rezepten die Manager ihre Mischfonds zusammenstellen und sagt, welche Fondscocktails Anlegern besonders gut schmecken werden.

Vermögensverwaltung für jeden

Mischfonds Meldung

Auch für Mischfonds ist der Markt die Messlatte: Eine Mischung aus 70 Prozent Renten und 30 Prozent Aktien hätte in den vergangenen fünf Jahren 0,5 Prozent pro Jahr gebracht, wenn sie aus dem Weltaktienindex MSCI und dem Rentenindex Citigroup Welt Staatsanleihen besteht. Die besten Mischfonds mit vergleichbarer Mischung schafften zwischen 2,5 und 9 Prozent pro Jahr.

Auch für Mischfonds ist der Markt die Messlatte: Eine Mischung aus 70 Prozent Renten und 30 Prozent Aktien hätte in den vergangenen fünf Jahren 0,5 Prozent pro Jahr gebracht, wenn sie aus dem Weltaktienindex MSCI und dem Rentenindex Citigroup Welt Staatsanleihen besteht. Die besten Mischfonds mit vergleichbarer Mischung schafften zwischen 2,5 und 9 Prozent pro Jahr.

Der Begriff Vermögensverwaltung klingt hochgestochen, und doch trifft er das Wesen von Mischfonds recht gut. Die Fonds sind wie eine Vermögensverwaltung durch ihre Mischung auf ganz bestimmte Kunden zugeschnitten. Für sicherheitsbedürftige Anleger gibt es Mischfonds mit sehr hohem Anteil an sicheren Anleihen, auch Renten genannt. Für risikobereite Kunden kommen eher die Fonds mit starker Aktienausrichtung infrage.

Finanztest teilt Mischfonds in fünf Gruppen ein, die nach ihren Chance-Risiko-Klassen gestaffelt sind. Die Spitzenreiter jeder Mischfondsgruppe veröffentlichen wir Monat für Monat im Rahmen unseres Fondstests (siehe Fonds im Dauertest).

Am interessantesten finden wir die drei mittleren Gruppen, bei denen der Aktienanteil zwischen etwa 20 und 80 Prozent liegt. Mischfonds dieses Zuschnitts bieten einen guten Kompromiss aus Chance und Risiko und eignen sich auch für langfristig ausgerichtete Sparpläne. Auf den folgenden Seiten stellen wir einen Top-Fonds aus jeder der drei Gruppen im Porträt vor.

Die beiden Extremvarianten, Mischfonds mit defensiver oder offensiver Ausrichtung, sind dagegen wegen ihrer einseitigen Zusammensetzung eher für spezielle Anlageideen geeignet. Die Unterschiede zu reinen Rentenfonds auf der einen und reinen Aktienfonds auf der anderen Seite sind fließend.

Vor Verlusten nicht sicher

Anleger, die in einen Mischfonds einsteigen wollen, sollten sich vor dem Kauf über die Strategie des Fonds informieren.

Die Anlage in Mischfonds schützt sie nicht vor Verlusten. Je nach Aktienanteil können die Fonds in schlechten Börsenphasen mehr oder weniger ins Minus rutschen. Nervenschonend sind nur die Mischfonds, die überwiegend in Rentenpapiere investieren.

Bei Fonds, die höchstens 10 Prozent in Aktien stecken, bleiben Verluste meist im einstelligen Bereich, selbst wenn der Anleger die Fondsanteile zum jeweils ungünstigsten Zeitpunkt gekauft und verkauft hat. Nur Mischfonds mit hohem Aktienanteil zieht ein Börsencrash voll in den Abwärtsstrudel. Sie haben manchmal ähnlich herbe Verluste wie reine Aktienfonds Welt.

Anleger sollten nicht darauf hoffen, dass die Fondsmanager rechtzeitig die Reißleine ziehen und aus Aktien in sichere Häfen umschichten. Das ist nach den Erfahrungen der Vergangenheit unwahrscheinlich.

Dafür sind Anleger bei einem Börsenboom mit von der Partie. In den vergangenen drei Jahren haben die meisten Mischfonds stark von den steigenden Aktienmärkten profitiert.

Im Rückblick über fünf Jahre schafften die besten eine deutlich höhere Wertentwicklung als die Indexmischungen, die ­Finanztest zum Vergleich heranzieht.

Ein Fifty-fifty-Mix aus dem weltweiten Rentenmarkt und dem Weltaktienindex hätte in den fünf Jahren nur 0,2 Prozent pro Jahr gebracht. Die Top-Fonds mit vergleichbarem Risiko erzielten bis zu 4,8 Prozent pro Jahr. Das Erfolgsrezept vieler Fonds: Sie haben sich auf Anlagen in Europa konzentriert und deshalb kaum unter dem schwachen US-Dollar gelitten.

Mischfonds mit geringer Aktienquote haben auf Fünfjahressicht am besten abgeschnitten. Der Zusammenbruch der Börsen ab dem Jahr 2000 blieb für sie ohne gravierende Folgen. Auf kürzere oder sehr lange Sicht holten Anleger mit offensiveren Mischfonds aber höhere Renditen.

Viel Spielraum für Fondsmanager

Dem Management eines Mischfonds bleibt meist großer Spielraum. Die Fondsprospekte nennen zwar Richtwerte für die Aktien- und Rentenquoten, aber normalerweise darf der Manager sie zumindest zeitweise über- oder unterschreiten.

Der UniRak von Union Investment hat laut Prospekt einen „vorgesehenen strategischen Rentenanteil (von) 35 Prozent“. Ende Mai lag der Anteil der sicheren Papiere aber um fast 5 Prozent niedriger.

Stattdessen hält der UniRak mehr Aktien, als es bei ihm langfristig üblich ist. Die Aktienquote stieg von 57,6 Prozent im Jahr 2004 auf aktuell 66,3 Prozent.

Bei guter Börsenentwicklung wächst der Aktienanteil automatisch, wenn der Manager nicht gegensteuert und einen Teil in Renten umschichtet. Das machte in den vergangenen Jahren aber kaum einer.

Auch der DWS Vorsorge AS (Flex) hält im Moment deutlich mehr Aktien, als es seine Anlagepolitik vorsieht. Der Fondsprospekt nennt als Orientierungsgröße für den Aktienanteil 50 bis 60 Prozent, Ende Mai steckten aber 72 Prozent des Fondsvermögens in Aktien.

Trend zu Dachfonds

Viele der untersuchten Fonds sind Dachfonds. Sie investieren nicht in einzelne Aktien und Anleihen, sondern in Aktien- oder Rentenfonds. Das führt auf jeden Fall zu höheren Managementkosten. Denn dieser Posten fällt sowohl für die Einzelfonds als auch für den Dachfonds an.

Doch viele Dachfonds konnten diesen Nachteil wettmachen. Die Wertentwicklung, die wir inklusive der Management- und internen Fondskosten berechnen, ist bei Dachfonds nicht systematisch schwächer als bei anderen Mischfonds.

In zwei der Mischfondsgruppen in unserem Dauertest stellen Dachfonds sogar die Spitzenreiter. Wie das Beispiel des siemens/portfolio.three beweist, können Dachfonds selbst dann sehr erfolgreich sein, wenn sie ausschließlich in Fonds der eigenen Gesellschaft investieren (siehe Fondsporträt).

Feste Mischungen sind unüblich

Wer für sein Depot einen unveränderlichen Aktien- und Rentenanteil haben möchte, wird bei Mischfonds kaum fündig. Festgezurrte Quoten für den Aktien- und Rentenanteil sind völlig unüblich. Anlegern, die sich nicht damit abfinden wollen, dass die Rezeptur sich immer wieder verändert, bleibt nur eine Alternative: Sie müssen ihr Depot aus Aktien- und Rentenfonds selbst mischen.

Alle anderen tun gut daran, ihre Mischfonds gelegentlich zu kontrollieren, selbst wenn diese als Langfristanlage für viele Jahre gedacht sind. Sie müssen ja nicht täglich auf die Kursseite in der Tageszeitung schauen, aber zumindest einmal pro Monat sollten sie prüfen, wie sich der Fonds entwickelt hat.

Sehr nützlich sind die Datenblätter (Fact Sheets), die viele Fondsgesellschaften im Internet veröffentlichen. Meist werden die Daten monatlich aktualisiert.

An der Fondsstruktur können die Anleger ablesen, ob der Cocktail, den die Fondsgesellschaft in diesem Monat für sie mixt, immer noch ganz nach ihrem Geschmack ist.

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