Minuszinsen Keine Angst vor Negativzinsen

Minuszinsen - Keine Angst vor Negativzinsen
Strafzinsen. So gehen Sie vor, wenn Banken plötzlich Geld für das Parken von größeren Beträgen verlangen. © Getty Images / EyeEm

Einzelne Banken bieten noch ein kleines Zins­plus. Negativzinsen können Sparer vermeiden. Das Land­gericht Berlin hält sie sogar für unzu­lässig.

Immer mehr Banken verlangen so genannte Verwahr­entgelte

Stand heute haben Spare­rinnen und Sparer immer noch viele Möglich­keiten, Minuszinsen für Erspartes zu vermeiden. Die im Bank­sprech als Verwahr­entgelt bezeichneten Minuszinsen werden allerdings von immer mehr Instituten einge­führt. Dabei ist noch nicht einmal klar, ob solche für Giro-, Tages­geld- und Wert­papier­anlage­konten kassierten Entgelte grund­sätzlich zulässig sind. Bisher urteilte das Land­gericht Leipzig zugunsten des Verwahr­entgelts, während das Land­gericht Berlin die Sparda Bank Berlin verurteilte, gezahlte Entgelte zu erstatten (siehe unten: Land­gericht Berlin untersagt Strafzinsen). Beide Verfahren gehen in die nächste Instanz. Am Ende wird wohl der Bundes­gerichts­hof entscheiden, ob Verwahr­entgelte zulässig sind oder nicht.

Banken verweisen auf Zins­politik der EZB

Schuld an den Verwahr­entgelten ist aus Sicht vieler Banken die Zins­politik der europäischen Zentral­bank (EZB). Seit die EZB im September 2019 den Einlagenzins für Banken, die Kundengelder bei ihr parken, auf minus 0,5 Prozent gesetzt habe, müsse man diese Kosten an Kunden weitergeben. Während anfangs nur sehr vermögende Kunden von den Geld­instituten zur Kasse gebeten wurden, brechen inzwischen die Dämme und immer mehr Institute senken ihre Frei­betrags­grenzen und verlangen auch für Geld­beträge deutlich unter 100 000 Euro, die Kunden auf Giro-, Tages- oder Wert­papier­abrechnungs­konten parken, Strafzinsen.

So können Kunden Strafzinsen aus dem Weg gehen

Kunden müssen deshalb handeln, wenn sie keine Strafzinsen zahlen wollen. Dazu sollten sie ihr Geld entweder auf mehrere Konten verteilen, um unter den Frei­betrags­grenzen zu bleiben oder einen Teil ihres Geldes woanders parken. Manchmal hilft es auch –sofern Kunden eine gute Bonität haben – mit der Bank über die Höhe der Minuszinsen oder über die Frei­grenzen zu verhandeln. Einige Lese­rinnen und Leser berichten, dass ihre Haus­banken ganz oder mindestens auf einen Teil der Strafzinsen verzichtet haben, um eine Kündigung aller Konten zu vermeiden.

Auslands­banken zahlen ein biss­chen mehr Zins

Für Spare­rinnen und Sparer, die keine Minuszinsen zahlen wollen, gibt es Auswege. Vor allem ausländische Banken bieten Tages­geld­konten an, bei denen Kunden für täglich verfügbare Gelder sogar noch etwas Zinsen bekommen. Viele Angebote sind ausschließ­lich über Zinsportale wie Check24, Welt­sparen oder Zinspilot erreich­bar. Bei Auslands­banken mit Sitz in der Europäischen Union (EU) sind nach einer Richt­linie der EU bis zu maximal 100 000 Euro gesetzlich geschützt. Die besten Zinsen für Tages­geld können in unserem Zinsvergleich ermittelt werden. Auslands­banken erheben bisher keine Strafzinsen.

Deutsche Banken mit Sicherung über 100 000 Euro

Sparwil­lige, die mehr als 100 000 Euro auf Tages­geld­konten ohne Strafzinsen parken wollen, können auf deutsche Banken mit erweiterter Einlagensicherung ausweichen. Zum Beispiel bieten in unserem Tagesgeld-Zinsvergleich aktuell folgende Banken Tages­geld­konten mit Zinsen bis zu 0,06 Prozent an: Akbank, Bank11, Creditplus Bank, Ford Bank, Gefa Bank und VTB Direkt­bank. Alle genannten Banken gehören dem freiwil­ligen Einlagensicherungs­fonds des Bundes­verbandes Deutscher Banken an. Dort sind Einlagen in Millionenhöhe pro Anleger geschützt.

Strafzinsen schon ab 5 000 Euro

Fast jede Woche kündigen Banken und Sparkassen die Einführung von Minuszinsen oder die Senkung der Frei­grenzen auf Konto­guthaben an. Richtig über­sicht­lich sind die von Banken und Sparkassen einge­führten Regeln für ihre Entgelte nicht.

Die Targo­bank etwa rechnet nach einer „Verwahr­entgelt­tabelle“ ab. Dabei steigen die Gebühren mit der Guthabenhöhe. Ab 50 000 Euro Durch­schnitts­guthaben werden 10 Euro pro Monat, ab 100 000 Euro 20 Euro fällig.

Die Degussa Bank hat eine Regelung, die Guthaben auf dem Giro­konto erst ab 100 000 Euro mit Negativzinsen belegt. Wer hier allerdings ein Zweit­konto wie zum Beispiel ein Tages­geld­konto eröffnet, wird seit dem 1. Juli 2021 bereits für Guthaben­anteile ab 5 000 Euro mit Minuszinsen belastet.

DKB hat Frei­grenze in kurzer Zeit zweimal halbiert

Die DKB Bank berechnet seit letztem Sommer 0,5 Prozent Strafzinsen. Sie hat die Frei­grenze binnen drei Monaten gleich zweimal halbiert. Seit 10. November 2021 beträgt sie für Neukunden nur noch 25 000 Euro.

Bei der ING müssen Kunden seit November 2021 für Beträge ab 50 000 Euro auf dem Extra­konto Strafzinsen von 0,5 Prozent im Jahr zahlen. Neukunden können dieses Tages­geld­konto nicht mehr eröffnen.

Die Commerz­bank verlangt seit 1. August 2021 schon für Beträge über 50 000 Euro (bisher 100 000 Euro) Negativzinsen. Die neue Regelung gilt für alle, die seit 1. Juli 2020 Neukunde bei der Commerz­bank sind.

Die Post­bank und die Deutsche Bank haben ihre Frei­grenzen für Gelder auf Giro- und Anlage­konten zum Wert­papierdepot auf 50 000 Euro gesenkt. Für Tages­geld wird der Strafzins von 0,5 Prozent im Jahr bereits für Betrags­anteile ab 25 000 Euro fällig.

Kunden müssen Negativzinsen zustimmen

Bevor eine Haus­bank Negativzinsen vom Konto eines Kunden abziehen darf, muss sie dafür bei ihren Bestands­kunden eine schriftliche Zustimmung einholen. Erst ab dem Datum der Unter­schrift des Kunden darf sie dann einen Strafzins berechnen. Natürlich können Kunden die Zustimmung auch verweigern. Sie müssen dann aber damit rechnen, dass die Bank ihnen die Geschäfts­beziehung kündigt.

Unser Rat – Tages­geld, Fest­geld, Minuszinsen

Haus­bank.
Prüfen Sie zunächst, ob Sie Ihre auf Giro-, Tages­geld- oder Anlage­konten liegenden Geld­beträge so verteilen können, dass sie unter der jeweiligen Frei­betrags­grenze bleiben.
Vereinbarung.
Sprechen Sie mit Ihrer Bank. Einige Institute verzichten oder senken die Strafzinsen, um Kunden nicht zu verlieren.
Wechsel.
Verlangt Ihre Bank für höhere Geld­beträge auf dem Giro- oder Tages­geld­konto Strafzinsen, sollten Sie Ihr Geld woanders anlegen. Unsere Spitzenreiter für Tages- und Fest­geld­anlagen finden Sie in den Zins­vergleichen der Stiftung Warentest. Im Vergleich Tagesgeld finden Sie nur Angebote, bei denen bis zu einem Betrag von 100 000 Euro keine Negativzinsen anfallen. In unserem Festgeldvergleich finden Sie die aktuell güns­tigsten Konditionen. Ethisch-ökologische Zins­angebote finden Sie in unserem Vergleich nachhaltige Tages- und Festgeld.
Sicherheit.
Mithilfe unseres Einlagensicherungs-Checks können Sie prüfen, in welcher Höhe eine Bank Ihr ­Spargeld im Pleitefall schützt.
Verteilung.
Über den Frei­betrags­grenzen liegende Erspar­nisse sollten Sie bei Banken anlegen, die keine Negativzinsen verlangen. Bei manchen Banken gibt es für Tages­geld­anlagen sogar noch etwas Zins.
Auslands­banken.
Bei Auslands­banken sollten Sie pro Person nicht mehr als den durch die europäische Einlagensicherung geschützten Betrag von 100 000 Euro anlegen. Über­steigt Ihre Anlage die Grenze, verteilen Sie Ihr Geld auf mehrere Banken. So sind Sie im Pleitefall der Bank abge­sichert – oder suchen sich eine Bank mit weitergehender deutscher Einlagensicherung, die auch höhere Beträge verzinst.
Abzo­ckerportale.
Unver­froren tauchen immer öfter dubiose Internetportale auf, die hohe Zinsen für angeblich sichere Fest­zins­anlagen bei europäischen Banken mit europäischer Einlagensicherung versprechen. Meist handelt es sich um Betrug. Schauen Sie in unserer Warnliste nach, ob wir vor einem Anbieter warnen.

Bei Konto­eröff­nung Sicherungs­grenze beachten

Bei jeder Konto­eröff­nung sollten Interes­sierte auf die Höhe der Einlagensicherung achten, um im Fall einer Bank­pleite keinen Schaden zu erleiden. Bei 30 inländischen und ausländischen Banken, die in unseren Zins­vergleichen auftauchen, lässt sich deutlich mehr als 100 000 Euro anlegen, obwohl die Einlagensicherung begrenzt ist. So nimmt die Bank of Scot­land Guthaben bis 500 000 Euro an, die zur französischen Einlagensicherung gehörende Opel Bank sogar eine Million Euro. Im Schadens­fall sind bei diesen Anbietern aber nur maximal 100 000 Euro pro Person gesetzlich garan­tiert.

Einlagensicherungs­rechner nutzen

Welche Einlagensicherung für die jeweilige Bank zuständig ist und welche Höhe Finanztest für die Anlage maximal empfiehlt, kann im kostenlosen Rechner Einlagensicherung nachgeschaut werden. Dort sind nur Banken aus Ländern gelistet, deren Sicherungs­system die Stiftung Warentest für stabil hält.

Sind Negativzinsen unzu­lässig?

Ob Verwahr­entgelte grund­sätzlich zulässig sind, lassen Verbraucherzentralen (VZ) und der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) derzeit gericht­lich klären. Sie haben an unterschiedlichen Gerichts­stand­orten Klagen gegen Banken einge­reicht, die von Kundinnen und Kunden Strafzinsen für Guthaben auf Giro- und Tages­geld­konten erheben.

Land­gericht Berlin untersagt Strafzinsen

Einen ersten Erfolg konnte der vzbv jetzt verbuchen. Auf seine Klage hin verbot das Land­gericht Berlin der Sparda-Bank Berlin, Verwahr­entgelte für Guthaben sowohl fürs Giro- als auch fürs Tages­geld­konto zu verlangen. Die Bank wollte für Giro-Guthaben über 25 000 Euro und für SpardaCash-Guthaben über 50 000 Euro 0,5 Prozent pro Jahr kassieren. Das sei eine unzu­lässige Einschränkung der Dispositions­freiheit der Kunden, befand das Gericht. Mehr noch: Es verurteilte die Bank dazu, alle Gebühren an Kunden zu erstatten.
Land­gericht Berlin, Urteil vom 28.10.2021, Az. 16 O 43/21 (nicht rechts­kräftig)

Sparda-Bank legt Rechts­mittel ein

Die Sparda-Bank hat bereits Rechts­mittel angekündigt. Vermutlich wird der Fall bis zum Bundes­gerichts­hof gehen. Das Land­gericht Leipzig etwa hatte Verwahr­entgelte der Sparkasse Vogt­land für zulässig gehalten und die Klage der Verbraucherzentrale Sachsen dagegen abge­wiesen.

VZ Hamburg klagt gegen Commerz­bank

In einem weiteren Verfahren klagt die Verbraucherzentrale Hamburg in Frank­furt am Main gegen die Commerz­bank, weil sie – anders als die meisten Banken – auch für Guthaben auf Sparbüchern ein Verwahr­entgelt verlangt. Das ist aus Sicht der Hamburger Verbraucherschützer rechts­widrig. Bei Guthaben auf Sparbüchern handele es sich recht­lich um ein Darlehen der Kunden an die Bank. Wer dafür keine Zinsen zahle, sondern Strafzinsen verlange, würde das Sparmodell ad absurdum führen, heißt es bei der VZ Hamburg. Wie die Richter am Frank­furter Land­gericht das sehen, bleibt abzu­warten.

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