Minuszinsen - Keine Angst vor Negativzinsen

Pluszinsen, Minuszinsen. So gehen Sie vor, wenn Banken plötzlich Geld für das Parken von größeren Beträgen verlangen.

Es gibt noch Banken, die für Erspartes ein kleines Zins­plus bieten. Negativzinsen für Guthaben auf Giro- oder Tages­geld­konten können Sparer vermeiden.

Banken bitten Kunden zur Kasse

Noch ein biss­chen Zins fürs Ersparte zu bekommen – das wird für Anleger immer schwieriger. Seit September 2019 müssen Banken, wenn sie Gelder bei der Europäischen Zentral­bank parken, dafür 0,5 Prozent Strafzins zahlen. Dieses Geld holen sich viele Banken von ihren Kunden zurück. Sie kassieren von Neukunden und von Bestands­kunden, die ihr Konto wechseln, Negativzinsen.

Verbraucherschützer halten das aus mehreren Gründen für unzu­lässig. Es handele sich um eine unzu­lässige Doppelbe­preisung, wenn Kunden Konto­führungs­kosten und einen Negativzins zahlen müssten. Sie klagen vor verschiedenen Gerichten gegen die Erhebung von Negativzinsen.

Gericht hält Negativzinsen für zulässig

Vor dem Land­gericht (LG) Leipzig hatte die Verbraucherzentrale Sachsen damit keinen Erfolg. In einem Verfahren gegen die Sparkasse Vogt­land hat das Gericht heute entschieden, dass das Geld­haus Verwahr­entgelte – also Negativzinsen – auf Giro­konten erheben kann. Die Sparkasse darf danach sowohl für Bestands­kunden als auch für Neukunden auf Giro­konten eine Verwahr­entgelt erheben. Dies gilt auch, wenn die Sparkasse bereits Konto­führungs­gebühren verlangt, teilte die VZ Sachsen mit (zum Vergleich Girokonten).

Teil­erfolg im Hinblick auf Jugend­girokonten

Lediglich beim Jugend­girokonto konnte die VZ vor Gericht einen Teil­erfolg verbuchen. Die Bewerbung des Jugend­girokonto als „kostenlos“ und die gleich­zeitige Erhebung von Negativzinsen hielt das Gericht für unzu­lässig (zum Vergleich Jugendgirokonten).

Verbraucherzentrale geht in die nächste Instanz

Die VZ Sachsen will gegen das Urteil Berufung vor dem Ober­landes­gericht Dresden einlegen. „Nicht nur für Betroffene im Vogt­land ist dieses Urteil enttäuschend und kann in Zukunft teuer werden“, kommentierte Michael Hummel, Rechts­experte der Verbraucherzentrale Sachsen das Urteil. Deshalb werde man weiter für die Rechte der Verbrauche­rinnen und Verbraucher eintreten.

Unser Rat – Tages­geld, Fest­geld, Minuszinsen

Minuszinsen. Verlangt Ihre Bank für höhere Geld­beträge auf dem Giro- oder Tages­geld­konto Strafzinsen, sollten Sie Ihr Geld woanders anlegen. Unsere Spitzenreiter für Tages- und Fest­geld­anlagen finden Sie in den Zinsvergleichen der Stiftung Warentest. Im Vergleich Tagesgeld finden Sie nur Angebote, bei denen bis zu einem Betrag von 100 000 Euro keine Negativzinsen anfallen.

Sicherheit. Mithilfe unseres Einlagensicherungs-Checks können Sie prüfen, in welcher Höhe Ihre Bank Ihr ­Spargeld im Pleitefall schützt.

Verteilung. Über­steigt Ihr Anla­gebetrag die Sicherungs­grenze, ­sollten Sie Ihr Geld auf mehrere Banken verteilen. Dann sind Sie im Pleitefall der Bank gut abge­sichert.

Strafzinsen schon ab 5 000 Euro

Fast jede Woche kündigen Banken und Sparkassen die Einführung von Minuszinsen auf Konto­guthaben an.

Die Degussa Bank berechnet seit 1. Juli 2021 beim Tages­geld für Konto­guthaben ab 5 000 Euro ein Verwahr­entgelt von 0,5 Prozent, wenn es sich um ein Zweit­konto handelt. Auf dem ersten Konto haben Kundinnen und Kunden einen Frei­betrag von 100 000 Euro.

Die Commerz­bank hat angekündigt, dass sie ab 1. August 2021 schon für Beträge über 50 000 Euro (bisher 100 000 Euro) Negativzinsen verlangen will. Die neue Regelung soll für alle gelten, die seit 1. Juli 2020 Neukunde bei der Commerz­bank sind.

Auch Post­bank senkt Grenze für „Verwahr­entgelte“

Auch die Post­bank kassiert vom 21. Juni an für neu abge­schlossene Verträge ab einem Betrag von 50 000 Euro auf Giro- und Anlage­konten Strafzinsen (Verwahr­entgelte) kassieren. Für Tages­geld­konten sollen bereits ab 25 000 Euro Negativzinsen von 0,5 Prozent fällig werden. Auch viele Bestands­kunden werden schriftlich aufgefordert, dieser Regelung zuzu­stimmen.

Für Spar­guthaben bei der Deutsche Bank ändert sich vor­erst nichts. Kunden werden dort ab einem Betrag von 100 000 Euro Strafzinsen in Rechnung gestellt. Auch die ING, früher Dauer­kandidat in den Tages­geld-Top-Tabellen, berechnet seit Februar 2021 ihren Neukunden 0,5 Prozent für den Anteil über 100 000 Euro Einlagen auf dem Giro- und Tages­geld­konto. Auch sie plant, den Frei­betrag ab November 2021 auf 50 000 Euro zu senken und will dann auch Bestands­kunden mit einbeziehen.

Verwahr­entgelt vermeiden

Kunden, die sich über solche Verwahr­entgelte ärgern und noch ein biss­chen Zins für ihr Erspartes bekommen möchten, sollten nach Alternativen Ausschau halten. Es gibt noch Banken, die für Tages­geld Zinsen zahlen. Diese finden Sie in unserem Produktfinder Tages­geld­konten.Oder sie legen das Geld in kurz umlaufenden Fest­geldern an. Dort werden keine Minuszinsen verlangt.

Bei Konto­eröff­nung Sicherungs­grenze beachten

Bei jeder Konto­eröff­nungen sollten Interes­sierte auf die Höhe der Einlagensicherung achten, um im Fall einer Bank­pleite keinen Schaden zu erleiden.

Bei 30 inländischen und ausländischen Banken, die in unseren Zins­vergleichen auftauchen, lässt sich deutlich mehr als 100 000 Euro anlegen, bei der Bank of Scot­land bis 500 000 Euro, bei der KT Bank und der zur französischen Einlagensicherung gehörenden Opel Bank eine Million Euro. Im Schadens­fall sind bei diesen Anbietern aber nur maximal 100 000 Euro pro Person gesetzlich garan­tiert.

Welche Einlagensicherung für die jeweilige Bank zuständig ist und welche maximale Anla­gehöhe Finanztest empfiehlt, kann im kostenlosen Rechner Einlagensicherung (siehe Festgelder) nachgeschaut werden. Dort sind nur Banken aus Ländern gelistet, deren Sicherungs­system die Stiftung Warentest für stabil hält.

Große Summen ohne Negativzinsen anlegen

Größere Beträge sollten nur bei deutschen Banken und Sparkassen angelegt werden, die Spargeld in Millionenhöhe absichern. Angesichts der vielen Kredit­institute, die inzwischen Strafzinsen verlangen, anstatt Zinsen zu zahlen, ist das gar nicht so einfach.

Es gibt aber noch Banken, bei denen auch Millionen­beträge straffrei angelegt werden können. Das geht zum Beispiel bei Ford­money, einer Onlinemarke der Ford Bank. Sie bietet Tages­geld und Fest­geld in Millionenhöhe an. Da die Bank Mitglied im Sicherungs­fonds des Banken­verbands ist, beträgt die maximale Entschädigungs­summe pro Person 50 Millionen Euro – eine sichere Sache für Anleger.

Dieser Beitrag ist im Dezember 2020 auf test.de erschienen und wurde zuletzt im Juli 2021 aktualisiert. Nutzer­kommentare können sich auf eine frühere Fassung beziehen.

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