Minijobs Für alle attraktiv

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Die neuen Minijobs ab April sind für Arbeitnehmer und ­Arbeitgeber lukrativ. Arbeitnehmer dürfen sogar im Nebenjob 400 Euro ohne Abgaben dazuverdienen. Und wer eine Hilfe im Haushalt beschäftigt, bekommt Steuervorteile.

Die neuen Bedingungen für geringfügig Beschäftigte klingen verlockend: Egal ob Arbeitnehmer, Selbstständige, Beamte, Hausfrauen, Rentner, Studenten oder Schüler – alle können ab 1. April 400 Euro mit einem Minijob brutto für netto verdienen.

Einzig der Arbeitgeber muss pauschale Abgaben für Steuern und Sozialversicherung zahlen. Unterm Strich sind aber auch für ihn die neuen Kleinjobs oft günstiger und viel einfacher zu handhaben als bisher die 325-Euro-Jobs.

Minijobs lohnen wieder

Auch für Nebenjobber, die hauptbe­ruflich rentenversicherungspflichtig beschäftigt sind, bleiben bis zu 400 Euro Zuverdienst im Monat frei von jeglichen Abgaben. Dieser Nebenverdienst wird nicht mehr mit dem Hauptjob zusammengerechnet.

Wer bis 31. März einen 325-Euro-Job hat, kann ab 1. April 75 Euro mehr im Monat ohne Abgaben verdienen. Natür­lich muss der Chef mitmachen. War der Minijob bisher wegen Überschreitens der Verdienst- oder Arbeitszeitgrenze oder wegen der Zusammenrechnung mit dem Hauptberuf versicherungspflichtig, kann der Minijobber eine Befreiung ab April nach den neuen Regeln beantragen. Auskünfte erteilen dazu auch die Krankenkassen.

Neue Gleitzone bis 800 Euro

Arbeitnehmer mit mehreren Minijobs müssen ihre Verdienste jedoch nach wie vor zusammenrechnen. Ergibt die Summe mehr als 400 Euro im Monat, verlangt ihr Arbeitgeber eine Lohnsteuerkarte (Midijobs). Dann gehen vom Verdienst die üblichen Lohnsteuern ab.

Neu ist allerdings, dass für bis zu 800 Euro Verdienst im Monat ermäßigte Sozialversicherungsbeiträge gelten. Nur der Arbeitgeber muss ab einem Gehalt von 400,01 Euro den vollen Sozialversicherungsbeitrag (rund 21 Prozent) berappen.

Trotz Ermäßigung der Sozialversicherungsbeiträge kann es für Teilzeitkräfte dennoch günstiger sein, einen Job für bis zu 400 Euro Lohn ohne Abgaben anzunehmen, als knapp über der 400-Euro-Grenze zu verdienen.

Verbesserte Regeln ab 1. April

Der Rentner Janis Peters hat bisher einen Nebenjob auf 325-Euro-Basis ausgeschlagen. Denn eine Freistellung von der Steuer kommt nach den bisherigen Regeln für ihn nicht in Betracht, weil er Rente bekommt und Mieteinnahmen hat. Fast ein Drittel sollte er von seinem Miniverdienst an den Staat abgeben. Das lohnte sich nicht:

325-Euro-Job: 54% Abgaben
Das bliebe für J. Peters vom 325 Euro Lohn:

325 Euro Verdienst
- 102,86 Euro Steuern (30% und davon 5,5% Solidaritätszuschlag)
= 222,14 Euro bleibt für J. Peters
Abgabenlast des Arbeitnehmers: 31,65%
Das müsste der Arbeitgeber zahlen:
71,50 Euro (22% pauschal für Renten-/Krankenversicherung)
Abgabenlast des Arbeitgebers: 22%
Ausgaben des Arbeitgebers: 396,50 Euro
Abgabenlast insgesamt: 53,65%

Die neuen Regeln für Minijobs ab 1. April sind eindeutig besser:

400-Euro-Job: 25% Abgaben
Das bleibt für J. Peters von 400 Euro Lohn:

400 Euro Verdienst
– 0 Euro Steuern, Sozialabgaben
= 400 Euro bleibt für J. Peters
Abgabenlast des Arbeitnehmers: 0%
Das muss der Arbeitgeber zahlen:
100 Euro (12% Renten- + 11% Krankenversicherung + 2% Lohnsteuer)
Abgabenlast des Arbeitgebers: 25%
Ausgaben des Arbeitgebers: 500 Euro
Abgabenlast insgesamt: 25%

Jetzt lohnt sich der Nebenjob für Janis. Sein Chef kann einen höheren Lohn mit relativ niedrigen Abgaben zahlen und findet leichter einen Mitarbeiter, denn für einen 400-Euro-Job muss dieser keine Freistellungsbescheinigung mehr vorlegen. Außerdem ist die Arbeitszeit für Minijobs nicht mehr auf 15 Stunden in der Woche begrenzt.

Der Chef spart sogar Abgaben, wenn er einen privat versicherten Selbstständigen, Arbeitnehmer, Beamten, Richter oder Professor beschäftigt. Dann entfallen die 11 Prozent für die Krankenversicherung. Somit sinken seine Abgaben von 25 auf nur noch 14 Prozent. Für einen 400-Euro-Job muss er dann statt 100 lediglich 56 Euro draufzahlen.

Außerdem hat der Arbeitgeber mit der neuen Regelung weniger Aufwand. Die Abgaben überweist er ab 1. April an eine einzige Stelle, an die Bundesknappschaft in Cottbus. Diese verteilt dann das Geld an die Sozialkassen und an die Finanzverwaltung.

Bei Redaktionsschluss gab es dafür noch keine genauen Ansprechpartner, weil die zentrale Einzugsstelle neu aufgebaut wird (aktuelle Informationen unter www.bundesknappschaft.de).

Haushaltshilfe mit Steuervorteil

Die Cottbusser Adresse wird auch für Privatleute wichtig, die eine Haushaltshilfe brauchen. Nach den neuen Regeln bringt ihnen die Haushaltsperle wieder steuerliche Vorteile. Das Finanzamt zieht einen Teil der Kosten von ihrer Steuerschuld ab.

Den Bonus bekommen sie, wenn die bezahlte Hilfe putzt, kocht, wäscht, einkauft, den Garten hegt oder wenn sie Kranke, Kinder oder alte Menschen betreut oder pflegt. Private Arbeitgeber müssen für die Hilfe im Haushalt pauschal nur 12 Prozent Abgaben zahlen.

Allerdings hat die Großzügigkeit Gren­zen: Für einen Nachhilfe- oder Musiklehrer, einen Chauffeur, eine Sekretärin oder Gesellschaftsdame gibt es weder den Steuervorteil noch die Vergünstigung für Minijobs.

Familie Steinke kommt die neue Regelung wie gerufen. Im April bekommen sie Familienzuwachs und benötigen eine Haushaltshilfe. Die Haushaltshilfe selbst muss wie Janis im Beispiel oben keine Abgaben zahlen.

Die Steinkes müssen nur 405,50 Euro aufbringen, wenn sie ab April eine Haushaltshilfe für 400 Euro im Monat einstellen.

Monatliche Ausgaben für Haushaltshilfe

400,00 Euro Gehalt für die Haushaltshilfe
+ 48,00 Euro (5%Renten- + 5% Krankenversicherung + 2% Lohnsteuer)
= 448,00 Euro monatliche Ausgaben
Davon 10%: 44,80 Euro
- 42,50 Euro (maximal möglicher Abzug von Steinkes Steuerschuld pro Beschäftigungsmonat)
= 405,50 Euro tatsächliche monatliche Kosten

Steinkes müssen wegen der Hilfe nicht gleich eine Buchhaltung betreiben. Im vereinfachten Meldeverfahren füllen sie ein Formular aus und erteilen eine Einzugsermächtigung für die fälligen Abgaben an die Bundesknappschaft (Informationen unter www.haushaltsscheck.de oder über das Bürgertelefon, Montag bis Donnerstag von 8 bis 20 Uhr unter 0 800/1 51 51 55).

Null Abgaben bei Saisonjobs

Außer den neuen Minijobs bietet sich noch eine andere, bisher wenig beachtete Variante, Steuer- und Sozialabgaben einzusparen: Saisonjobs können für Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgabenfrei bleiben. Die Bedingungen dafür bleiben wie gehabt.

Ein Saisonjob rechnet sich insbesondere für Schüler, Studenten, Hausfrauen, Hausmänner und oft auch Rentner. Sie sollten auf Lohnsteuerkarte jobben, auch wenn der Arbeitgeber den Lohn pauschal versteuern will. Die einbehaltenen Lohnsteuern bekommen sie wegen ihrer geringen Einkünfte meist über die Jahreserklärung voll zurück.

So auch Maike Ullrich. Die Studentin kellnerte 2002 im Sommer zwei Monate in einem Biergarten. Durch Überstunden und Arbeit am Wochenende hat sie 6 000 Euro verdient (2 500 Euro Gehalt jeweils für Juli und August plus 1 000 Euro Trinkgeld).

Das Trinkgeld ist ohnehin steuerfrei. Für 2500 Euro Lohn hat der Biergar­tenwirt nach Steuerklasse I monatlich 448,75 Euro Lohnsteuer und 24,68 Euro Solidaritätszuschlag einbehalten. Das macht für zwei Monate 946,86 Euro. Durch die Jahreserklärung erhält Maike alle Steuern zurück, weil ihre Bruttoeinnahmen weniger als das steuerfreie Existenzminimum von 7 235 Euro betragen. Sozialabgaben brauchte weder sie noch ihr Chef zu zahlen.

Kellnert Maike regelmäßig als Teilzeitkraft, zählt das nicht mehr als Saisonjob und Sozialabgaben würden fällig. Sie sollte ab April auf einen Minijob für 400 Euro umsteigen. Dann hat sie den vollen Verdienst für sich.

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