PC-Sticks: Lieber stecken lassen

Mini-PCs und PC-Sticks Test

Sie sind klein wie eine Mund­harmonika. Anbieter versprechen, dass sie Fernseher und Monitore in voll­wertige PCs verwandeln können. Im Test bewältigen die Micro-Rechner nur Basis­aufgaben passabel.

Atemberaubend schnell soll der Hann­spree Micro-PC sein. Das suggeriert der Anbieter auf seiner Internetseite. Auch die Firma Getini geizt nicht mit großen Worten: Ihr Winzling PC+ sei ein „voll­wertiger Wind­ows-PC“, stehe „seinen großen Artgenossen in nichts nach“ und lasse „wohl keine Wünsche offen“.

Unsere Computer­experten hätten da schon noch ein paar Wünsche. Sie haben sechs PC-Sticks nach dem Prüf­programm für Notebooks und Desktop-Rechner getestet – schließ­lich legen die Anbieter in ihrer Werbung nahe, dass die Sticks andere Computer ersetzen können. Unser Testbe­richt zeigt, dass die Werbeaussagen für die geprüften Kleinst­rechner zu dick auftragen.

Mini-PCs und PC-Sticks Test

Verwandlungs­künstler. Durch PC-Sticks werden aus Fernsehern riesige Computermonitore.

Gut gedacht

Mini-PCs und PC-Sticks Test

HDMI. Über diesen Anschluss lassen sich die Sticks mit Fernsehern und Monitoren verbinden.

Eigentlich sind PC-Sticks eine klasse Idee: Die Geräte in Größe einer Mund­harmonika, die auch als Micro-PCs oder HDMI-Sticks bezeichnet werden, kosten nur rund 100 bis 160 Euro, brauchen wenig Strom und sind leicht zu trans­portieren.

Fünf Rechner im Test laufen mit Wind­ows 10. Das Hann­spree-Modell nutzt Wind­ows 8.1. Bei allen steckt der Besitzer den Stick einfach in die HDMI-Buchse eines Monitors oder Fernsehers und schließt ihn ans Stromnetz an. Zusätzlich benötigt er Maus und Tastatur, angebunden per USB-Kabel oder Funk (So richten Sie PC-Sticks ein). Zum Surfen im Internet brauchen PC-Sticks Zugriff auf ein WLan-Netz.

Schlecht gemacht

Nach der Installation beginnt das Miss­vergnügen. Eine derart enttäuschende Ansamm­lung von Geräten sehen die Multimedia-Experten der Stiftung Warentest selten: Kein Modell erreicht auch nur die Note befriedigend. Zum Bearbeiten einer Text­datei oder zum Lesen im Internet reichen sie noch. Wer seinem Stick aber ein wenig mehr abver­langt, stößt rasch auf Probleme. Videos ruckelfrei wiedergeben können die Rechner lediglich bis zur Auflösung HD ready. Allein das Intel-Gerät kam im Test mit Filmen in Full HD zurecht.

In der Hitze des Gefechts

Noch schlimmer sieht es bei grafisch aufwendigen Spielen wie „Call of Duty“ aus: Asus, Getini und I-Onik erhitzten sich dabei auf rund 65 Grad – am Gehäuse wohl­gemerkt. Im Gerät dürften die Temperaturen noch höher liegen. Die Folge: Manche Sticks takten ihren Prozessor bereits in den ersten Minuten runter, um nicht noch mehr Wärme zu erzeugen. Der Asus schaltete sich in solchen Hoch­belastungs-Situationen gelegentlich selbst aus. Die Hitze kann lang­fristig zu Hard­ware­schäden führen. Da ist es unver­ständlich, dass nur der Intel und der Lenovo einen Lüfter haben.

Diashow statt Spielspaß

Fans von visuell anspruchs­vollen Spielen sollten einen Bogen um die Sticks machen: Für eine flüssige Wieder­gabe sind rund 24 Bilder pro Sekunde erforderlich. Selbst der Intel als schnellster kam im 3D-Spiele-Test nur auf 13 Bilder pro Sekunde, der Hann­spree gerade mal auf 2. Das Ergebnis erinnert eher an eine Diashow als ein Video­spiel. Für diese Schwächen hagelt es im Urteil 3D-Spiele mangelhafte Noten.

Der Stick allein reicht nicht

Alle sechs Modelle bieten nur 32 Gigabyte Speicher. Da das Betriebs­system viel Platz benötigt, stehen Nutzern lediglich 19 bis 22 Gigabyte zur freien Verfügung. Dennoch sollen sich die Sticks laut einigen Anbietern gut zum Speichern und Abspielen von Medien­inhalten eignen. Gerade für Cineasten ist das ein zweifelhaftes Versprechen, da manche Filmdatei selbst in SD-Qualität schon mehrere Gigabyte bean­sprucht.

Wer sich für einen der Sticks entscheidet, wird im Normalfall eine Speicherkarte einlegen oder eine externe Fest­platte anschließen müssen. Das erhöht zwar die Kapazität. Jedoch läuft die Daten­über­tragung mit externen Geräten lang­samer als inner­halb des SSD-Speichers – zumal bis auf den Intel alle Modelle nur den alten, recht lahmen USB-Stan­dard 2.0 bieten.

Ein Problem führt zum nächsten

Hinzu kommt, dass die Sticks maximal zwei USB-Anschlüsse haben, die Modelle von Asus, Hann­spree und Lenovo sogar nur einen. Um Maus, Tastatur und Fest­platte per Kabel anzu­schließen, ist ein USB-Verteiler nötig, der weitere Anschlüsse zur Verfügung stellt. Nicht immer können die Kleinst­rechner solche Verteiler mit genügend Strom versorgen – dann brauchen die Erweiterungen auch noch ein Netz­teil. So entsteht rund um den Stick schnell ein Kabelgewirr. Hängt das Gerät hinter dem Monitor, kann es in solchem Gewusel schwer sein, den „An“-Schalter zu erreichen.

Die Fähig­keiten eines durch­schnitt­lichen Tisch­rechners erreicht keiner der Sticks auch nur annähernd. So günstig sie auch sind: Die Geräte eignen sich nur für wenige Einsatz­zwecke, da sie recht umständlich sind und nur einfache Aufgaben ohne Probleme bewältigen.

Die bessere Alternative zu den Sticks sind Mini-PCs. Zu den Testergebnissen.

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