Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmitteln Meldung

„Mindestens haltbar bis“ – diese Pflicht­angabe für die meisten verpackten Lebens­mittel ist aktuell in der politischen Diskussion. Grund: Einige Ver­braucher miss­verstehen das Mindest­haltbarkeits­datum (MHD) als Verfalls­datum und werfen Lebens­mittel unnötiger­weise weg. test.de klärt auf.

Am MHD verderben Produkte nicht schlagartig

In Deutschland landen bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll (Meldung Lebensmittelverschwendung). Eine Ursache dafür könnten sein: Einige Verbraucher verstehen das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch. Sie halten es für einen Stichtag, an dem Lebensmittel schlagartig verderben. Tatsächlich gibt der Hersteller mit dem MHD vielmehr eine Gütegarantie für sein Produkt, in vielen Fällen kann es länger verzehrt werden. Das Verbrauchsdatum auf empfindlichen tierischen Lebensmitteln dagegen sollten Verbraucher ernst nehmen. Es steht für das Ende der Haltbarkeit. Aus gesundheitlicher Vorsorge sollten Produkte danach nicht mehr verzehrt werden.

Haltbarkeitsfristen auf Produkten klaffen auseinander

Für das MHD gibt es keine einheitlichen Fristen – auch nicht bei vergleichbaren Produkten. Die Stiftung Warentest stellt in ihren Tests immer wieder fest, dass die Haltbarkeitsfristen zum Teil stark auseinanderklaffen. So setzen die Anbieter von Apfelsaft Haltbarkeitsfristen zwischen sieben bis 24 Monaten an. Bei Basmati-Reis schwankten die Fristen zwischen ein und drei Jahren, bei nicht wärmebehandeltem Erdbeer-Jogurt zwischen drei und sechs Wochen. Die Folge für den Verbraucher: Er kann nicht erkennen, ob ein Erdbeerjogurt zum Beispiel erst zwei oder schon fünf Wochen im Kühlregal oder Kühlschrank steht.

„Voller Genuss bis“ statt „mindestens haltbar bis“

Politiker diskutieren derzeit über Alternativen zum Konzept des Mindesthaltbarkeitsdatums. Der Vorsitzende im Bundesausschuss für Ernährung Hans-Michael Goldmann (FDP) hat vorgeschlagen, die bisherige Formulierung „mindestens haltbar bis“ durch „voller Genuss bis“ zu ersetzten. Ein zusätzlicher Hinweis „essbar bis“ würde dann den Tag markieren, an dem das Produkt nicht mehr verzehrbar ist. Der Vorschlag lehnt sich an den britischen Verzehr-Hinweis „best before“ an, was übersetzt so viel bedeutet wie „am besten vor dem“. Es bleibt zu bezweifeln, ob das die ideale Lösung ist. Denn auch neue Vokabeln ersetzen die Aufklärung nicht.

Große Studie geht Verschwendung auf den Grund

Das Bundesministerium für Verbraucherschutz (BMELV) plant derzeit nicht, das Mindesthaltbarkeitsdatum umzubenennen oder gar abzuschaffen. Die Vorschriften zum Mindesthaltbarkeitsdatum und zum Verbrauchsdatum seien auf EU-Ebene einheitlich geregelt. Das Ministerium will jedoch die Ergebnisse einer Studie abwarten, die es selbst in Auftrag gegeben hat. Diese Studie soll Ausmaße und Ursachen der Lebensmittelverschwendung in Deutschland fundiert ermitteln. Dabei geht es auch um den Einfluss des Mindesthaltbarkeitsdatums. Das BMELV hat angekündigt, die Studie Anfang 2012 vorzustellen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1553 Nutzer finden das hilfreich.