Interview: Vormund für Jugend­liche

Minderjäh­rige Flücht­linge Special

Rechts­anwalt Christian M. J. Rauch aus Augs­burg ist recht­licher Vertreter für 22 minderjäh­rige Flücht­linge. Als Vormund kümmert er sich unter anderem um den Asyl­antrag.

Während die Pflegefamilie für den Alltag der Jugend­lichen zuständig ist, regeln Sie als Vormund die recht­lichen Angelegenheiten. Worum geht es dabei?

Rauch: Zunächst geht es um den Asyl- oder Aufenthalts­status der minderjäh­rigen Flücht­linge. Sobald der Status geklärt ist, gibt es mehr Rechts­sicherheit. Dann wird auch im Alltag vieles einfacher, weil die Jugend­lichen zum Beispiel inner­halb Deutsch­lands verreisen dürfen. Leider dauern die Verfahren beim Bundes­amt für Migration und Flücht­linge zurzeit noch mehrere Monate.

Welche Rolle spielen Sie im Alltag?

Rauch: Ich sehe die Jugend­lichen etwa einmal im Monat. Dann besprechen wir, was ansteht. Viele möchten zum Beispiel ein Schüler­konto eröffnen. Als Vormund muss ich dafür oft persönlich bei der Bank erscheinen. Der Schüler muss außerdem seinen Status nach­weisen und meist einen Schul­ausweis vorlegen. Schüler in Integrations­klassen erhalten jedoch oft keinen Ausweis. Ich suche nach Lösungen für solche bürokratischen Hürden. Auch im Krank­heits­fall bin ich zuständig. Kürzlich musste ich einer Blinddarm­operation zustimmen. Ohne Einwilligung des Vormunds dürfen Ärzte Minderjäh­rige – außer im absoluten Notfall – nicht operieren.

Worin liegen die größten Heraus­forderungen für Jugend­liche?

Rauch: Zunächst geht es darum, die deutsche Sprache zu lernen. Weitere Ziele sind ein Schul­abschluss und eine Ausbildung. Wichtig ist auch die Vermitt­lung unserer kulturellen Werte. Jugend­liche in einer Pflegefamilie bekommen die Werte vorgelebt. Das ist ein sehr guter Weg, um junge Menschen zu integrieren.

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