Bei vielen Fernsehern ist der Klang eher eine Schwäche. Gerade älteren Zuschauern fällt es deshalb oft schwer, Dialoge oder Reporter zu verstehen. Die Software „Mimi Defined“ will das ändern: Sie verspricht, den Ton von Loewe-Fernsehern an das individuelle Hörvermögen anzu­passen. Unser Schnell­test zeigt: Das schafft sie auch einigermaßen – falls dem Nutzer die komplizierte Einrichtung gelingt.

Sprache klingt verständlicher, doch der Bass dröhnt

Mimi macht unter anderem genau das, was auch Zuschauern mit Hörproblemen als erste Lösung einfällt: Die Software stellt den Ton lauter. Außerdem hebt sie Höhen und Tiefen hervor. Diese Schritte verbessern die Verständlich­keit von Sprache tatsäch­lich. Allerdings verstärkt Mimi den Bass mitunter so sehr, dass er zu dröhnen beginnt – dadurch ist Sprache dann wieder schwerer zu verstehen. Hier steht sich Mimi selbst im Weg. Zwar kann der Nutzer dieses Dröhnen über die Ton-Einstel­lungen des Fernsehers abmildern. Das verursacht jedoch zusätzliche Arbeit, um die Nachteile der auto­matischen Tonanpassung auszugleichen – vor allem merkt sich der Fernseher die Einstel­lungen: Der Ton bleibt auch dann dünn und schlapp, wenn der Zuschauer Mimi ausschaltet.

Tipp: Achten Sie beim Fernseher-Kauf unbe­dingt auf guten Ton, falls Sie Hörprobleme haben. Welche Modelle gut klingen, zeigt Ihnen unser großer Fernseher-Test.

Optimierung auch gratis möglich

Mimi kostet im Normalfall 99 Euro. Lediglich bei ganz neuen Geräten – erkenn­bar an Serien­nummern über 30 000 und einem „Mimi Defined“-Logo auf dem Karton – ist die Software gratis. Wer bereit ist, sich etwas mit den Ton-Einstel­lungen seines TV-Geräts zu beschäftigen, kann sich den Kauf sparen. Lauter stellen, Höhen und Tiefen hervorheben – all das kann der Nutzer mit dem Equalizer seines Loewe-Fernsehers auch selbst erreichen. Loewe spricht zwar davon, dass Mimi zusätzlich hörpsychologische Effekte auslöse – im Test konnten wir allerdings außer den drei genannten Anpassungen keine weiteren Effekte fest­stellen.

Mimi achtet nicht immer auf individuelle Bedürf­nisse

Der Nutzer kann zwischen drei Profil-Varianten wählen. Zwei davon orientieren sich jedoch nicht an individuellen Hörproblemen, sondern lediglich an statistischen Werten.

  • Variante 1: Der Nutzer legt ein Profil an, in dem er ausschließ­lich sein Geburts­jahr angibt. Je älter er ist, desto stärker greift Mimi ein. Diese Option bringt wenig, wenn der Zuschauer besser oder schlechter hört als der durch­schnitt­liche Kunde seines Alters.
  • Variante 2: Der Nutzer legt ein Profil für eine Gruppe an, wenn es ums gemein­same Fernsehen geht. Hierbei fragt Mimi nach einem Geburts­jahr­zehnt. Diese Option bringt wenig, wenn die Zuschauer in verschiedenen Jahr­zehnten geboren wurden.
  • Variante 3: Der Nutzer legt ein individuelles Profil an. Dafür muss er zunächst einen Hörtest machen. Basierend darauf passt sich der Ton an sein Hörvermögen an. Im Test erstellten wir drei Profile: eines für Menschen mit gutem Gehör, eines für solche mit durch­schnitt­lichem Hörvermögen und eines für Nutzer mit Hörproblemen. Trotz der sehr unterschiedlichen Hörfähig­keiten gab es bei der Intensität, mit der Mimi arbeitete, über­raschend wenige Differenzen.

Einrichtung erfordert Geduld und Technik-Wissen

Mimi richtet sich primär an ältere Nutzer. Gerade die dürften sich aber von der tech­nisch recht anspruchs­vollen Einrichtung der Software mitunter über­fordert fühlen. Wer den Ton an das individuelle Hörvermögen anpassen will, braucht im Normalfall vier Geräte: Computer, Fernseher, Smartphone, Kopf­hörer – plus Internet­zugang auf den ersten drei.

  • Zunächst muss der Nutzer prüfen, ob sein Loewe-Fernseher für Mimi geeignet ist. Mindest­voraus­setzungen sind ein SL4-Chassis und die Firmware-Version 5. Beides lässt sich in den TV-Einstel­lungen ermitteln. Es reicht aber auch, per Computer auf Loewes Mimi-Seite die Artikel- und die Serien­nummer des eigenen TV-Geräts einzugeben – diese Daten stehen auf der Rück­seite des Fernsehers. Pauschal lässt sich sagen: Loewe-Modelle, die vor 2016 gekauft wurden, sind derzeit nicht für Mimi bereit.
  • Erfüllt das TV-Gerät die tech­nischen Voraus­setzungen, muss der Nutzer einen Akti­vierung­scode kaufen. Das geht am besten per Computer auf Loewes Mimi-Seite, auf Amazon – oder beim Loewe-Fachhändler. Die Eingabemaske für den 16-stel­ligen Code ist gut in den TV-Einstel­lungen versteckt: Einstel­lungen > Weitere Einstel­lungen > Extras > Ausstattung des TV > Paket akti­vieren. Bei der Frei­schaltung muss der Fernseher online sein. Ein separater Download der Software ist aber nicht nötig, da Mimi seit der Version 5.0 Bestand­teil der Firmware ist.
  • Nach der Akti­vierung ist in den Ton-Einstel­lungen des Fernsehers der neue Eintrag „Mimi Defined“ zu finden. Hier kann der Nutzer Profile anlegen.
  • Für ein individuelles Profil muss der Nutzer zunächst einen Hörtest machen – dazu braucht er ein Smartphone, möglichst hoch­wertige Kopf­hörer und mindestens die Firmware-Version 5.1 auf seinem Fernseher. Zusätzlich muss er die App „Mimi Hörtest“ aus dem jeweiligen App-Store auf sein Handy herunter­laden und einen Mimi-Account anlegen. Beim Hörtest über­prüft die App beide Ohren separat. Anschließend loggt sich der Nutzer über den Fernseher in seinen Mimi-Account ein und über­trägt die Ergeb­nisse des Hörtests auf den Fernseher. Nun kann Mimi den Ton an das individuelle Hörvermögen anpassen.

Tipp: Entstehen bei der Einrichtung Fragen oder Probleme, sollten Sie sich an ihren Loewe-Fachhändler wenden.

Fazit: Mimimale Vorteile, maximaler Aufwand

Die Klangsoftware Mimi verbessert die Verständlich­keit von Sprache, sorgt aber mitunter durch Überbetonung der Bässe gleich­zeitig für eine Verschlechterung des Fernseher-Tons. Zudem lassen sich die Mimi-Effekte durch manuelle Ton-Einstel­lungen am TV-Gerät größ­tenteils auch gratis erreichen. So ersparen sich Nutzer auch die aufwendige, tech­nisch recht anspruchs­volle Einrichtung. Erwägens­wert ist Mimi vor allem für Konstellationen, in denen mehrere Zuschauer mit unterschiedlichem Hörvermögen abwechselnd denselben Fernseher verwenden – die Nutzer müssen nicht ständig den Ton ändern und können schnell und bequem auf ihr persönliches Mimi-Profil wechseln.

Alternativen: Sound­bars, Bluetooth-Laut­sprecher, Kopf­hörer und Hörgeräte

Sound­bars und Bluetooth-Laut­sprecher. Soundbars können den Klang des Fernsehers deutlich verbessern. Falls das TV-Gerät die Funk­technik Bluetooth unterstützt, sind auch Bluetooth-Lautsprecher eine Option, zumal sie oft weniger kosten als Sound­bars.

Hörgeräte. Auch Hörgeräte tragen selbst­verständlich dazu bei, dass Zuschauer mit Hörproblemen den TV-Ton wieder besser verstehen.

Kopf­hörer. Hat nur ein Mitglied des Haus­halts Hörprobleme und will die anderen nicht durch hohe Laut­stärke stören, sind Kopf­hörer eine gute Idee. Da bei Kabel-Kopf­hörern Stol­pergefahr besteht, empfehlen wir Bluetooth-Kopfhörer – insbesondere das Modell Aventho Wireless von Beyerdynamic. Sein Klang ist ohnehin ausgesprochen gut – vor allem aber kann auch er Mimi verwenden, dann klingt er sogar sehr gut. Auf dem Kopf­hörer funk­tioniert die individuelle Klang-Anpassung mit Mimi also besser als auf Loewe-Fernsehern.

Wichtig: Laut­stärke von Kopf­hörer und Laut­sprecher separat regel­bar

Bei ungleichen Hörfähig­keiten zusammenlebender Personen sollten Kunden vor dem TV-Kauf sicher­stellen, dass das Wunsch­gerät es ermöglicht, die Laut­stärke von Kopf­hörern und Laut­sprechern separat zu regeln – das ist nicht bei jedem Modell der Fall. Unsere Produkt­daten­bank Fernseher zeigt an, welche Geräte diese Funk­tion bieten und welche Modelle Bluetooth unterstützen.

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