Milch Meldung

Die gute alte Kuhmilch: Regel­mäßig wird debattiert, ob sie der Gesundheit eher schadet oder nützt. Kritiker behaupten, sie sei für zahlreiche Krankheiten von Diabetes bis Osteoporose verantwort­lich. Die aktuelle Auswertung von Studien zu Milch, Joghurt und Co. durch das Max-Rubner-Institut zeigt: Belegen lassen sich die meisten Behauptungen nicht. Mit einer Ausnahme.

Kritiker sehen Milch als Krankmacher

Mancher­orts ist die normale Kuhmilch bereits rar geworden, etwa in einigen Szene-Cafés. Dort können Kunden zwischen Kuhmilch-Alternativen wie laktosefreier Milch, Mandelmilch oder Soja­getränken wählen. Ist die Milch der Kuh per se nicht mehr empfehlens­wert? Seit Jahren melden sich Kritiker hartnä­ckig zu Wort. Ihr Tenor: Milch macht krank. Sie verstopfe Arterien, verschleime den Magen, verursache Diabetes oder ließe die Knochen schwinden. Ihre Begründungen: Die gesättigten Fett­säuren der Milch würden den Cholesterinspiegel erhöhen und so kardiovaskuläre Erkrankungen hervorrufen. Das Kalzium in der Milch würde nicht etwa die Knochen stärken, sondern die Gefahr für Knochenbrüche erhöhen.

Studien belegen viele positive Effekte

Was ist dran an den Vorwürfen? Das Max-Rubner-Institut (MRI) – ein Bundes­forschungs­institut, zu dessen Kern­kompetenzen die Milch zählt – hat jetzt zahlreiche Studien ausgewertet. In einer aktuellen Stellungnahme zu Milch und Milch­produkten legt das MRI den derzeitigen wissenschaftlichen Stand zu verschiedenen Krank­heits­risiken durch Milch dar. Die Auswertung ergibt ein anderes Bild als das, was Kritiker verbreiten: Wer übliche Mengen Milch und Milch­produkte verzehrt wie die empfohlenen 300 Gramm der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, kann demnach viele Gesund­heits­risiken leicht bis deutlich senken. Der positive Effekt gelte für Herz und Kreis­lauf, für den Blut­druck und für die Risiken, an Diabetes oder Krebs zu erkranken. Viel Milch und Milch­produkte würden zudem die Knochenmasse und -dichte erhöhen – und damit Osteoporose vorbeugen.

Mit 0,2 Liter am Tag gegen Schlag­anfall

Vollmilch enthält pro Liter etwa 22 Gramm gesättigte Fett­säuren. Es ist erwiesen, dass diese ein Risiko­faktor für das Herz-Kreis­lauf-System sind, da sie den Wert des schädlichen LDL-Cholesterins im Blut erhöhen können. Daran rüttelt auch das MRI nicht. Es plädiert aber dafür, die Wirkung der gesättigten Fett­säuren nicht separat zu betrachten, sondern vielmehr die komplette Matrix eines Milch­produkts: Laut MRI wirken gesättigte Fett­säuren je nach Zusammenset­zung eines Lebens­mittels sehr unterschiedlich. Studien, die den MRI-Ansatz zugrunde legen (siehe oben), kommen zu dem Schluss: Ein erhöhter Verzehr von Milch und Milch­produkten ist nicht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen und Schlag­anfall verbunden. Eine Metaanalyse („Dairy foods and risk of stroke: a meta-analysis of cohort studies“) aus dem Jahr 2014 besagt zudem: Viele Arten von Milch­produkten senken das Risiko für einen Schlag­anfall deutlich. Am geringsten ist der Analyse zufolge das Risiko, wenn jemand täglich 200 Milliliter Milch trinkt.

Geringeres Risiko für Darm- und Brust­krebs

Die Entstehung von Krebs ist ein komplexer Prozess – inwiefern spielt hier Milch eine Rolle? Laut der Deutschen Gesell­schaft für Ernährung und des World Cancer Research Fund International verringern Milch, Käse & Co. wahr­scheinlich das Risiko für Dick­darm­krebs. Mehrere Studien legen nahe, dass der positive Effekt für den Darm ab Tages­mengen von mindestens 200 Milliliter Milch eintritt und wohl auf Kalzium zurück­zuführen ist. Für Brust­krebs gibt es den beiden Institutionen zufolge keinen Hinweis, dass Milch und Milch­produkte das Risiko erhöhen. Eine Studienauswertung („Dairy consumption and risk of breast cancer: a meta-analysis of prospective cohort studies“) liefert vielmehr Hinweise, dass Milch­produkte das Brust­krebs­risiko sogar deutlich senken.

Sonderfall Prostata­krebs

Während Frauen von Milch tendenziell gesundheitlich profitieren, sieht es bei Männern bei einer Krebs­art anders aus: Der Studien­lage zufolge erhöhen sehr hohe Mengen Milch wahr­scheinlich das Risiko für Prostata­krebs. Das MRI berechnete, dass das ab einer Aufnahme von 1,5 Gramm Kalzium am Tag relevant wird: so viel Kalzium enthalten beispiels­weise 1,25 Liter Milch oder 140 Gramm Hartkäse. Männer sollten daher Milch und kalziumreichem Käse nicht in rauen Mengen zu sich nehmen. Kalziumreiche Käsesorten sind zum Beispiel Greyerzer und Parmesan oder auch Gouda und Tilsiter.

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