Milch-Getreide-Brei im Test: Nur 3 von 19 Fertigbreien sind gut

Yummi, Mami. Grieß- oder Reisbrei sollten Babys frühestens ab dem sechsten Monat bekommen.

Viele Eltern schenken Fertigbreien für Babys ihr Vertrauen. In einigen fanden unsere Tester aber reichlich Zucker, Frucht­pulver und Schad­stoffe.

Es war einmal ein Brei, so schmack­haft und gesund, dass er Babys Bäuchlein wohlig füllte und es am Abend glück­lich einschlief. So märchenhaft ließe sich die Werbung vieler Fertigbreie aus Milch und Getreide nach­erzählen. Versehen mit Sternlein, Schäfchen oder Bären wirken ihre Etiketten heimelig.

Unser Rat

Bevor­zugen Sie Brei ohne intensive Frucht­zusätze und mit wenig Zucker. Im Test waren nur drei gut. Zwei sind Pulver zum Anrühren: dm Baby­love Bio Milch­brei Grieß (48 Cent pro 100 Gramm) sowie Hipp Bio-Milch­brei Gute Nacht Kinder­keks (79 Cent), der laut Hipp inzwischen verändert angeboten wird. Einziger Guter im Glas: Alnatura Abend­brei Grieß­brei pur (Bio, 52 Cent).

Aller guten Breie sind drei

Im Glas oder als Pulver. Wer Milch-Getreide-Brei kauft, hat die Wahl.

Ende gut, alles gut? So geht unser Märchen vom Abend­brei nicht aus. Nur 3 der 19 geprüften Breie sind gut. Es gab mehrere Gegen­spieler: Zucker, Frucht­pulver sowie die kritischen Substanzen Arsen, Chlorat, Isododecan und 3-MCPD-Ester.

Wir analysierten Pulver zum Anrühren und Breie aus dem Glas. Sie enthalten oft Weizen oder Reis, dazu Kuhmilch oder den industriellen Ersatz für Muttermilch.

Wie Eltern trieb uns die Frage um: Tut der Brei dem Baby gut? Wir orientierten uns am Bedarf eines sechs Monate alten Säuglings. Ihm soll er Eiweiß und Kalzium liefern. Zudem gesunde Fette, Vitamine, Eisen und Jod, die teil­weise zugesetzt werden. Wir verglichen die Produkte auch mit selbst gemachtem Brei (Babybrei selber machen). Lediglich die Pulver von Hipp und dm sowie der Alnatura-Brei im Glas sind gut, die meisten befriedigend, vier nur ausreichend.

Alete, Ross­mann und Bebivita hinten

Schluss­lichter sind die Pulver von Alete und Ross­mann sowie die Breie im Glas von Ross­mann und Bebivita. Sie sind mit Schad­stoffen bis knapp unter­halb der Grenz­werte belastet, ungünstig zusammengesetzt oder enthalten Zutaten, die die Vorliebe für Süßes fördern. Zwei davon werben mit der Alters­angabe „nach dem vierten Monat“. Sie kann dazu verleiten, Brei verfrüht zu füttern („Nach dem 4. Monat ist zu früh“, siehe unten).

Matschepampe. Auch zum Ertasten, Schle­cken und Kleckern ist Brei geeignet.

Reisbrei kann Arsen enthalten

Nennens­werte Mengen kritischer Stoffe fanden wir in den Pulvern. Im Reisbrei von Töpfer und Alete war es Arsen. Die Reis­pflanze nimmt das Halb­metall über den Boden auf. Anorganische Arsen­verbindungen gelten als krebs­er­regend. Im Test liegen ihre Gehalte unter dem strengen Grenz­wert, den die Diät­ver­ordnung vorgibt. Babys sollten Reisbrei nicht täglich essen.

Im Milupa-Pulver fanden wir eine andere, möglicher­weise krebs­er­regende Stoff­gruppe: 3-MCPD-Ester. Sie können bei der Raffination von Fett entstehen. Einen Grenz­wert gibt es noch nicht. Ebenso fanden wir bei Milupa vergleichs­weise viel Chlorat, auch bei Ross­mann. Es kann sich aus Desinfektions­mitteln bilden. Die Gehalte liegen unter dem Grenz­wert für Brei.

Elf der zwölf Pulver enthielten das Löse­mittel Isododecan. Es dient etwa dazu, Fette zu lösen, und könnte über Raps- oder Palmöl hinein­gelangt sein. Drei haben wegen leicht erhöhter Gehalte die Note Befriedigend im Urteil Kritische Stoffe bekommen: Alnatura, Holle und Müller. Gesund­heits­risiken sind keine bekannt, im Essen hat das Mittel jedoch nichts zu suchen.

Zucker, ein Übel­täter

„Guten, süßen Hirsebrei“ kocht das Töpf­chen im Märchen der Gebrüder Grimm: Mutter und Tochter werden „ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei, sooft sie wollten.“ Heute sind rund 15 Prozent der Kinder in Deutsch­land laut Robert-Koch-Institut zu dick. Zucker gilt als Ursache für Überge­wicht und Erkrankungen. Vermieden werden sollen „freie Zucker“, das sind zugesetzter Zucker und jener, der in Frucht­saft, Sirup und Honig von Natur aus vorkommt. Sie sollten maximal 10 Prozent der täglichen Energie­aufnahme von Kindern ausmachen. Tatsäch­lich sind es 16 Prozent, zeigt die Donald-Studie der Uni Bonn, die das Essverhalten im Land analysiert. Zucker aus frischem Obst gilt als weniger kritisch, da der Körper ihn lang­samer aufnimmt.

Die „nationale Reduktions- und Inno­vations­strategie“ der Regierung will Fertigprodukte gesünder machen. „Auch bei Beikost wie Getreidebreien setze ich mich dafür ein, dass so wenig Zucker wie möglich zugesetzt werden darf“, sagt Ernährungs­ministerin Julia Klöckner. Hilf­reich wären Zutaten­listen, die die Menge an zugesetztem Zucker darstellen, oder eine strengere Diät­ver­ordnung. Sie erlaubt für Baby­kost, dass bis zu 30 Prozent der Energie aus zugesetztem Zucker kommen darf.

Keks­brei ist Testsieger und -verlierer

Im Test schöpft das einer fast aus: der Keks­brei im Glas von Bebivita. Rund 27 Prozent seiner Gesamt­energie stammt aus Zucker, wobei Milch­zucker nicht mit einberechnet wird. Im wichtigsten Prüf­punkt, Ernährungs­physiologische Qualität, ist er gerade noch ausreichend. Eisen liefert er nur sehr wenig, wie viele Breie im Test. Im zweiten Lebens­halb­jahr ist Eisen sehr wichtig.

Nicht jeder Keks­brei strotzt vor Zucker, das beweist der Bio-Milch­brei Gute Nacht Kinder­keks. Er ist Testsieger und kommt – wie Test­verlierer Bebivita – von Hipp.

Frucht­pulver bringen unnötig Süße

Die Pulver von Müller, Milupa, Alnatura und Ross­mann enthalten Zusätze aus Apfel, Banane oder Birne. „Intensiv süß schme­ckende Babybreie sind nicht empfehlens­wert, da sie die lang­fristige Geschmacks­präferenz des Kindes nach­teilig prägen können“, sagt Professor Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung Stoff­wechsel und Ernährung am Haunerschen Kinder­spital in München und Sprecher des Wissen­schafts-Beirats des Netz­werks „Gesund ins Leben“, das Empfehlungen für Säuglinge erarbeitet. Aroma­gebende Zutaten sieht der Beirat als über­flüssig an. Nur Vanille toleriert er, sie kann den Geschmack von Fertigprodukten abrunden. Da Säuglinge Süße intensiv wahr­nehmen, rät der Arzt Eltern: „Probiert es selbst. Wenn es sehr süß schmeckt, ist es für Euer Kind unge­eignet.“

Breie mit Frucht­pulvern schme­cken oft deutlich süß oder künst­lich fruchtig: Dafür zogen wir im Prüfkriterium „Einfluss auf die Geschmacks­prägung“ Punkte ab, vor allem bei Ross­manns Milch­brei Hafer-Apfel und Milupas Voll­korn Früchte Milch­brei.

Mütter haben großen Einfluss

Fundierte Studien zur frühen Geschmacks­prägung sind rar. Einige kommen von der US-Biopsychologin Julie Mennella aus Philadel­phia. Sie zeigte, dass Mütter in der Schwangerschaft und beim Stillen die Basis für den Ernährungs­stil legen. Sie geben ihre Vorlieben weiter. Und sie bestimmen den weiteren Verlauf mit: „Kinder, die in einem Umfeld aufwachsen, in dem viel Zucker und zuckerhaltige Lebens­mittel gegessen werden, entwickeln eine verstärkte Vorliebe für Süßes. Das kann sie anfäl­lig machen, zu viel davon zu konsumieren.“

Alle, alle. Wo ist nur der Brei geblieben? Wer die Zutaten variiert, hält die Neugier wach.

„Nach dem 4. Monat“ ist zu früh

Hersteller fördern den Kontakt mit Süßem. Jeder zweite Brei im Test trägt die Alters­empfehlung „nach dem 4. Monat“. Unmiss­verständlich wäre „ab dem 5. Monat.“ Experten empfehlen, erst dann mit der Beikost zu beginnen. Sie raten zudem, Babys zuerst an Fleisch-Gemüse-Brei zu gewöhnen. Milch-Getreide-Brei sollte erst ab dem sechsten Monat folgen. „Machen Sie die Einführung an der Entwick­lung Ihres Kindes fest“, rät Aleyd von Gartzen, Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Heb­ammen­verband. „Kann es mit wenig Unterstüt­zung sitzen? Kann es Dinge in den Mund nehmen, ohne sie post­wendend raus­zuschieben?“ Falls ja, könnte der Zeit­punkt gekommen sein.

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