Mikrowelle Die besten Kombigeräte können den Back­ofen ersetzen

Kombigeräte verheißen kinder­leichtes Garen. Doch viele schaffen nur nach einigem Tüfteln gute Gerichte. Immerhin drei können den Back­ofen ersetzen.

Mikrowelle Testergebnisse für 17 Kombi-Mikrowellen 08/2016

Inhalt

Eigentlich tüftelte Percy Spencer während des Zweiten Welt­kriegs an einer Geheimwaffe gegen Deutsch­land. Der amerikanische Forscher entwickelte Radar­systeme, die mithilfe elektromagnetischer Strahlen Sehrohre feindlicher U-Boote aufspürten. Während er neben einem solchen Radar stand, bemerkte er, wie ein Schokoriegel in seiner Hosentasche in kurzer Zeit schmolz. So erfand Spencer die Mikrowelle.

Moderne Kombi-Mikrowellen können weit mehr als Schokoriegel erhitzen. Sie garen, gratinieren und grillen. 11 der 17 Geräte im Test backen sogar – die drei besten von ihnen so gut, dass sie in kleinen Haushalten den Back­ofen ersetzen können.

Viele Gerichte erhitzen Mikrowellen schneller als ein Herd. Die perfekte Kombination aus Mikrowellen, Heiß­luft und Grill erfordert jedoch Experimentierfreude. Mit Auto­matik­programmen, die Nutzern die Fein­steuerung abnehmen, gelangen Gerichte oft nur mäßig bis miserabel.

Für den Test mussten die Mikrowellen im Labor Pizza, Kartoffel­auflauf und Grill­hähn­chen garen und, wenn von der Ausstattung her möglich, Brötchen und Kuchen backen. Die Ergeb­nisse haben wir mit Speisen aus einem Back­ofen verglichen.

Video: So testet die Stiftung Warentest Kombi-Mikrowellen

Knackige Brötchen mit Heiß­luft

Wenn möglich bereiteten wir die Speisen nach Vorgaben der Geräte-Anbieter zu. Für Tiefkühl­brötchen fanden wir nur zwei Anleitungen: Micromaxx empfahl Heiß­luft, Panasonic Ober- und Unter­hitze. Damit kamen knusp­rige, gleich­mäßig gebräunte und innen lockere Brötchen auf den Tisch.

Auch in anderen Geräten mit Back­funk­tion erhitzten wir Brötchen mit Heiß­luft. DeLonghi, Koenic, Privileg und Samsung servierten in diesem Modus sehr knusp­rige Brötchen. Keine gute Wahl ist dagegen die Kombination aus Mikrowellen und Heiß­luft. Das geht zwar schneller – Severin war schon nach sechs Minuten fertig. Dafür waren die Brötchen jedoch innen teil­weise hart und trocken. Die elektromagnetischen Strahlen hatten den Teig zu stark erhitzt und ihm Feuchtig­keit entzogen.

Mikrowelle Testergebnisse für 17 Kombi-Mikrowellen 08/2016

Außen braun, innen roh

Wann immer eine Mikrowelle für unsere Testge­richte ein Auto­matik­programm anbot, haben wir es ausprobiert. Einige Geräte scheiterten klar an ihren Versprechen. So lieferte Alaskas Auto­matik ein leicht gebräuntes Hähn­chen, das im Innern noch nicht gar war. Micromaxx tischte ein blasses Kartoffel­gratin auf, das in der Mitte noch fast roh und dessen Eimasse nicht gestockt war.

Brachten die Auto­matik­programme kein gutes Ergebnis, versuchten wir, die Gerichte mit manuellen Einstel­lungen besser zu garen. Oft gelang das. Allerdings braucht es dafür Geduld zum Ausprobieren, denn die Bedienung der Geräte ist wenig intuitiv und die Gebrauchs­anleitungen bieten oft wenig Hilfe­stel­lungen und Rezepte.

Das appetitlichste Hähn­chen mit Auto­matik servierte Samsung. Die Mikrowelle verfügt über 35 voreinge­stellte Programme. Vier der fünf in unserem Test einge­setzten Auto­matik­programme führten zu guten Ergeb­nissen.

Flüssiger Kuchen zum Kaffee­trinken

Einige Geräte bieten Auto­matik­programme für Kuchen. Die dauer­ten im Test zwischen 50 und 76 Minuten und verbrannten in zwei Fällen den Teig. Am fixesten garen Kuchen, wenn Mikrowellen mit Heiß­luft oder Grill kombiniert werden. Nach 20 Minuten waren Caso und Panasonic fertig. Allerdings war der Boden sehr hell und ungleich­mäßig gebräunt. Deutlich besser buken Micromaxx und Samsung mit purer Heiß­luft. Sie brauchten dafür knapp 50 Minuten – zehn Minuten länger als unser Vergleichs­back­ofen. Ungenieß­bare Kuchen lieferten Clatronic und Severin: Der Teig verbrannte an der Oberfläche, während er innen noch flüssig war.

Verbrannte Kuchen lassen sich verhindern, wenn der Bäcker den Garraum durch das Fenster beob­achten und bei Bedarf eingreifen kann. Clatronic, Koenic, Privilegsowie der güns­tigere der Casos haben ihre Scheiben allerdings so stark verspiegelt, dass das Innere nicht gut zu erkennen ist.

Mit Inverter nicht besser als ohne

In den meisten Mikrowellen drehen sich die Teller. So sollen die Wellen Gargut gleich­mäßig erwärmen. Zwei der Geräte mit Back­funk­tion, Caso und Panasonic, haben statt­dessen einen Verwirbler, der die Wellen im Garraum verteilt. In der Praxis funk­tioniert das nicht perfekt. Beim Backen nur mit Mikrowellen gerieten Sandkuchen ungleich­mäßig und hatten braune Stellen – ein Beleg, dass die Wellen diese Stellen stärker erhitzten als andere. Geräte mit Drehteller können das besser.

Neben dem Verwirbler enthalten beide Geräte einen Inverter – das ist ein Regler. Er kann die Leistung der Mikrowellen senken. Herkömm­liche Geräte arbeiten stets mit voller Leistung. Werden sie nied­riger einge­stellt, takten sie: etwa fünf Sekunden geben sie volle Kraft, machen dann fünf Sekunden Pause und so weiter.

Hersteller versprechen, dass Inverter empfindliche Speisen schonen. Ob das stimmt, lässt sich beim Auftauen von Hack­fleisch beob­achten. Hier kommt es auf nied­rige Leistung an, damit das Fleisch roh bleibt. Panasonic taute das Gefrorene mit Inverter genauso gut auf wie sechs Mikrowellen ohne diesen Regler. Caso erhitzte das Fleisch trotz Inverter zu stark. Mehrere Stellen waren angegart – ähnlich wie im Silvercrest ohne Inverter.

Eine Kartoffel brennt lichterloh

Mikrowelle - Die besten Kombigeräte können den Back­ofen ersetzen
Sicher­heits­test. Die Kartoffel brennt, Flammen ergreifen die Mikrowelle.
Kaputt, aber sicher. Aus keinem Gerät drang das Feuer nach außen. © Stiftung Warentest

Volle Kraft mussten alle Geräte für den abschließenden Sicher­heits­test geben: Wir erhitzten eine Kartoffel dauer­haft mit maximaler Leistung. Nach fünf bis zehn Minuten riss die Haut auf. Die Kartoffeln begannen innen zu glühen, brannten später lichterloh. Die Flammen griffen teil­weise auf die Mikrowellen über. In der Hitze zersprangen Glasteller, Gummi­ringe schmolzen. Die Geräte waren damit defekt, es rauchte und stank. Aber es drangen weder Flammen noch nennens­wert Mikrowellen nach außen. So soll es sein. Alle Geräte bestanden diese Prüfung.

Fazit des Tests: Die Geräte sind sicher, selbst wenn jemand sein Essen darin vergisst. Leckere Gerichte gelingen jedoch oft nur über Ausprobieren und Neustarten.

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60 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

HilmarFaustler am 20.02.2022 um 17:11 Uhr
Nach 5 Jahren...

...wäre für uns ein Test mit aktuellen Kombigeräten (MW/HL/Grill) mehr als wünschenswert. Der Heißluftbackofen in unserer Panasonic Mikrowelle leistet nach 11 Jahren stetiger Nutzung (stetig wegen der erheblich geringeren Energiekosten verglichen mit dem Standherd) statt der maximalen 230 Grad nur noch maximal 130 Grad Umlufthitze und wünscht dringend seinen Ruhestand. Den er wohlweislich auch verdient hat. Insofern wünsche ich mir ebenfalls dringend ((oder wenigstens vor der Plätzchenbackzeit ab November) einen Test mit aktuellen Geräten. Vielen Dank dafür, denn Smartphones und TV-Geräte, die gefühlt alle 2 Monate getestet werden, kauft man auch nicht nach 24 Monaten neu. Das sollte nun wirklich vorbei sein. Grüße in die Redaktion aus einem heute nassen und stürmischen Schöneberg.

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.09.2021 um 11:26 Uhr
Neuer Test

@alle: Ihren Kommentar nehmen wir gerne als Testanregung auf und leiten sie an das zuständige Untersuchungsteam weiter.
Die Vorschau auf das jeweils kommende Heft finden Sie unter https://www.test.de/shop/test-hefte/vorschau/

Niko23 am 20.09.2021 um 14:30 Uhr
seit 5 Jahren kein neuer Test! Es wird Zeit. Oder?

Zum 3. mal in 2,5 Jahren verabschiedet sich meine Bauknecht MW 78 durch ein defektes Magnetron!
Bei euch als "gut" bewertet, war das bei mir ein Riesen Reinfall! Das schlimmste ist der unfähige Bauknecht Kundendienst und die Reparaturstelle, die das Teil mir am Ende noch zusätzlich beschädigt hat.
Welche soll ich nun kaufen? Kein Test in Sicht?

Onkelchen184 am 29.08.2021 um 17:14 Uhr
Neuer Mikrowellen-Test

würde mich nach 5 Jahren auch über einen aktuellen TEST von Mikrowellen freuen.
Beste Grüße
Ralf Erbskorn (Doppelabo TEST + Finanztest)

MichaelSchmidberger am 21.08.2021 um 12:56 Uhr
@Stiftung_Warentest - Nicht ausgereift

Nachtrag: Ich muss Ihrer Aussage leider deutlich widersprechen: In ihrer Kernfunktion "Aufwärmen von Speisen" sind Mikrowellengeräte leider überhaupt nicht ausgereift. Diese Aussage wird in Ihrem Test aus dem Jahr 2016 deutlich bestätigt:
Kein Gerät erhält in der wichtigsten Funktion die Note "++"
Wenige Geräte erhalten die Note "+" - hiervon ist aber keines mehr erhältlich.
Somit hilft Ihr Test aus dem Jahr 2016 leider nicht bei der Auswahl. Sie fokussieren sich zu sehr auf "Zusatzfunktionen" die in 99% der Haushalte kaum bis gar nicht genutzt werden.