Mietwagen im Urlaub Meldung

Wer im Urlaub ein Auto mietet, sollte vor allem auf ausreichenden Versicherungsschutz achten. Eine „Mallorca-Police“ hilft.

Ein Kratzer an der Stoßstange? „Kein Thema“, dachte Stephan Scherfenberg, als er seinen Mietwagen zurückgab. Schließlich hatte sein Autovermittler m-broker im Internet versichert: „Wir erstatten Ihre Selbstbeteiligung.“ Doch dann wehrte m-broker knallhart ab: Ohne Polizeibericht sei nichts zu machen. Der Kratzer war aber erst bei der Rückgabe des Autos am Flughafen bemerkt worden. Da noch die Polizei zu holen, war gar nicht mehr möglich, eine halbe Stunde vor dem Rückflug.

Viel zu niedrige Deckungssummen

Mietwagen im Urlaub Meldung

Ärgerlich: 108,90 Euro musste Stephan Scherfenberg am Ende seines Urlaubs für die verkratzte Stoßstange zahlen, obwohl der Internetvermittler seines Mietwagens versprochen hatte: „Wir übernehmen Ihre Selbstbeteiligung“.

Hätte der Urlauber penibel das Kleinge­druckte gelesen, wäre ihm das vielleicht nicht passiert. Denn es gibt Vermittler, die den Selbstbehalt auch ohne Polizeibe­richt übernehmen. Im Kleingedruckten steht dann, dass ein Bericht nur verlangt wird, wenn das zumutbar ist.

Vor allem mit der Versicherung kann es böse Überraschungen geben. Zwar ist in den meisten Staaten eine Haftpflicht vorgeschrieben, doch teilweise reichen die Deckungssummen überhaupt nicht. So gelten in der Türkei gerade mal 5 000 Euro für Sachschäden, in Spanien 100 000 Euro. In Deutschland sind es 500 000 Euro.

Zusatzschutz für Mietwagen

Es ist daher unbedingt ratsam, auf die Deckungssummen zu achten oder schon von Deutschland aus klare Verhältnisse zu schaffen. Das geht mit einer Mallorca-Police. Sie kostet zum Beispiel beim ADAC 18,50 Euro für einen Monat und gilt nicht nur in Mallorca, sondern in ganz Europa inklusive der außereuropäischen Mittelmeerstaaten, der Kanaren und Madeiras. Sie deckt Sach- und Personenschäden in Höhe von 10 Millionen Euro pauschal.

Tipp: Prüfen Sie, ob dieser Schutz schon als Zusatz in der Versicherung für den heimischen Pkw enthalten ist. In der Haftpflichtpolice steht dann die Zusage, dass die deutschen Deckungssummen auch für Mietwagen innerhalb Europas gelten.

Für weitere Reisen gibt es die Traveller-Police. Sie kostet beim ADAC 43,50 Euro pro Monat und deckt Sach- und Perso­nenschäden bis 500 000 Euro. Manche Kreditkarten bieten Ähnliches, aber nur bei Bezahlung des Wagens mit der Karte.

Außerdem sollte der Mietvertrag eine Vollkasko enthalten. Sie übernimmt auch selbstverursachte Schäden, während eine Teilkasko oft nur bei Diebstahl greift.

Vorsicht: Meist muss der Automieter eine Selbstbeteili­gung bezahlen. Windige Anbieter legen da exorbitante Beträge fest. So sollten ADAC-Prüfer für einen neun Jahre alten Daihatsu Cuore auf Kreta im Schadensfall 750 Euro hinlegen – viel mehr war das Auto kaum wert. Besser sind Verträge ohne Selbstbehalt oder Anbieter, die ihn ohne Aufpreis übernehmen. Einige Vermittler im Internet tun das.

Angebliche Schäden

Weiterer Nachteil der Selbstbeteiligung: Oft muss der Kunde den Betrag bar oder als Einzugsermächtigung von der Kreditkarte hinterlegen. Kommt es zu einem Schaden, behält mancher Verleiher einfach das Geld, auch wenn die Schuldfrage unklar ist. Prüfer des ADAC erlebten mehrfach, dass Beträge für angebliche Schäden abgebucht wurden. „Der Kunde muss dann vor einem Gericht im Urlaubsland hinter seinem Geld herlaufen“, erklärt Juristin Silvia Schattenkirchner vom ADAC. Das ist so aufwendig, dass viele ihr Geld lieber gleich abschreiben.

Achtung: Schäden an Reifen, Felgen, Unterboden und Scheiben sind oft ausge­nommen. Ebenso Schäden, die auf unbefestigten Straßen entstanden sind. Dort zu fahren, wird im Vertrag oft verboten.

Wichtig: Bei Unfall oder Diebstahl muss der Mieter sofort die Polizei und den Verleiher rufen. Notieren Sie Name und Anschrift der Beteiligten und Zeugen, ebenso der Polizisten. Machen Sie Fotos.

Den Wagen gleich beim Reiseveranstalter zu buchen, lohnt sich kaum. Bei einem Preisvergleich in 13 Ländern fand das Europäische Verbraucherzentrum Preise, die meist um gut ein Drittel unter den Angeboten in den Reisekatalogen lagen. Besonders günstig waren Internetvermittler, zum Beispiel www.billiger-mietwagen.de und www.mietwagenmarkt.de.

Vertragsschluss erst vor Ort

Der eigentliche Mietvertrag wird aber erst vor Ort geschlossen: Auch bei großen Autovermietern ist es in der Regel so, dass der Kunde von Deutschland aus den Wagen lediglich reserviert. „Der Mietvertrag wird erst mit unserer Schwestergesellschaft im Urlaubsland geschlossen“, erklärt Judith Erbacher, Sprecherin des Autovermieters Avis. Es gelten die vor Ort unterschriebenen Vertragsklauseln sowie die Gesetze des Gastlandes. Wobei große Vermieter wie etwa Avis auch einen Vertragsausdruck auf Deutsch bereitstellen und zusätzlich Merkblätter über besondere Regeln im jeweiligen Urlaubsland.

Ebenso wird der Mietvertrag bei der Buchung über einen Internetvermittler erst mit dem Verleiher vor Ort abgeschlossen. Der Vermittler ist nur an die Zusagen gebunden, die er im Internet macht, zum Beispiel die Versicherungsbedingungen.

Die Mietverträge lokaler Anbieter gibt es oft nur in der Landessprache, selten in deutscher Übersetzung – und wenn, sind haarsträubende Fehler möglich. So fand der ADAC 480 000 Euro Selbstbehalt statt 480 Euro im Original. Wer unterschreibt, ist daran gebunden, auch wenn er nichts vom Inhalt verstanden hat. So freute sich ein Ehepaar zunächst, als es ein größeres Auto bekam als reserviert. Doch das lag nicht daran, dass die kleinere Fahrzeugklasse ausgebucht war. Vielmehr hatten die beiden vor Ort eine Umbuchung unterschrieben – und mussten nachzahlen.

Kaution per Karte

Wer bar bezahlt, muss meist eine hohe Kaution stellen. Doch viele Verleiher verlangen eine Kreditkarte. Der Kunde muss dann einen Kartenbeleg hinterlegen.

Achtung: Unterzeichnen Sie nicht blanko, sondern tragen Sie den Betrag ein. Und vergessen Sie bei der Rückgabe des Autos nicht, den Beleg zurückzuverlangen.

Unerlässlich ist ein Übernahmeprotokoll: Sehen Sie sich den Wagen von innen und außen an. Dokumentieren Sie Dellen und Kratzer präzise, eventuell mit Fotos. Sonst können Sie im Nachhinein kaum beweisen, dass die Schäden nicht von Ihnen stammen. Lassen Sie sich nicht beirren, wenn der Verleiher kein Protokoll macht. Oft sind gerade das diejenigen, die bei der Rückgabe jedes Kratzerchen sehen. Wer sichergehen will, lässt auch bei der Rückgabe ein Protokoll vom Verleiher unterschreiben oder sichert sich Zeugen.

Checken Sie auch die Technik, soweit möglich. Typische Mängel sind beschädigte Reifen, falscher Luftdruck, zu viel Spiel in der Lenkung, verschlissene Bremsen, Mängel an Beleuchtung und Blinker, Verbandskasten und Warndreieck. ADAC-Prüfer bekamen im türkischen Alanya einen 13 Jahre alten Suzuki: die Reifen völlig hinüber, das Lenkgestänge total verbo­gen, Licht und Blinker kaputt, ebenso die Sicherheitsgurte – das Auto war ein rollender Schrotthaufen.

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