Im Auto durch die Toscana oder zur Kathedrale nach Palma de Mallorca – viele Urlauber wollen in den Ferien mobil sein. Ein Miet­auto ist ihre erste Wahl. Die Experten der Stiftung Warentest erklären, was beim Buchen über Onlineportale wichtig ist und wie Sie sich vor Reinfällen schützen.

Vergleichs­portale nutzen

Günstig buchen können Kunden über Buchungs­portale wie Billiger-mietwagen.de und Check24.de. Das sind die Sieger unseres Tests von Buchungsportalen für Mietwagen aus dem Jahr 2016. Der Vorteil: Auf den Buchungs­portalen können sie die Mietbedingungen der Vermieter auf Deutsch lesen, Angebote nach ihren Wünschen filtern und die Buchung bis 24 Stunden vor Miet­beginn kostenlos stornieren. Wie bei vielen Vergleichs­portalen ist auch hier ein kritischer Blick wichtig: Denn nicht immer ist das billigste Angebot am besten geeignet. Wer bei der Suche auf diese Kriterien achtet, beugt späteren Reinfällen vor:

Nur Angebote mit Voll­kasko­versicherung buchen

Kunden sollten nur Angebote mit Voll­kasko­versicherung buchen, bei der im Fall eines Schadens keine Selbst­beteiligung anfällt. Meist gehören Reifen und Fens­terscheiben nicht zum Voll­kasko­schutz. Diese sollten Interes­sierte aber mitversichern und auch einen Blick auf die Höhe der Haft­pflicht­versicherung werfen. Manche Anbieter, etwa Locauto in Palermo, haben Angebote mit einem Haft­pflicht­schutz von nur 500 000 Euro. Für wenige Euro mehr gibt es oft einen Schutz von mehreren Millionen Euro.

Auf Kaution achten

Ein großes Ärgernis sind unver­hält­nismäßig hohe Kautionen. Eigentlich ist die Kaution als Sicherheit für den Vermieter gedacht, falls der Kunde geblitzt wird oder eine Beule verursacht. Sie wird auf der Kreditkarte des Fahrers für die Miet­zeit geblockt. Das heißt: Das Geld ist nicht abge­bucht, der Fahrer kann aber nicht über den Betrag verfügen. Manche Vermieter verlangen eine sehr hohe Kaution. Der im Mittel­meerraum arbeitende Vermieter Maggiore blockt zum Beispiel in Malaga statt­liche 2 298 Euro auf der Kreditkarte des Kunden – und das für ein Fahr­zeug der Miniklasse (zum Beispiel einen Fiat 500). Über­steigt die Summe den Verfügungs­rahmen der Kreditkarte, erhält der Urlauber kein Auto, es sei denn, er schließt eine Zusatz­versicherung ab, die die Selbst­beteiligung senkt. Wie hoch die Kaution eines Vermieters ist, lässt sich in den Mietbedingungen nach­lesen. Wichtig: Die Kreditkarte, die der Kunde für die Kaution nutzt, muss auf den Namen des Haupt­fahrers laufen.

Die güns­tigste Tank­regelung

Empfehlens­wert ist die Regelung, den Wagen voll­getankt anzu­mieten und ebenso zurück­zugeben.

Unser Rat

Buchen. Ein Miet­auto für den Urlaub finden Sie leicht über Buchungs­portale wie Check24.de, Billiger-Mietwagen.de oder Mietwagen-check.de (siehe auch unseren Test Mietwagen). Nehmen Sie sich zum Angebots­vergleich etwas Zeit. Achten Sie nicht nur auf den Preis, sondern vergleichen Sie die Vertrags- und Mietbedingungen.

Bedingungen. Die Portale zeigen die Mietbedingungen auf Deutsch und mit eigener Such­funk­tion. Suchen Sie die langen Bedingungen nach den für Sie interes­santen Informationen durch. Das können die Höhe der Kaution sein oder Extras wie Kosten für Kinder­sitze.

Kundenbe­wertungen. Lesen Sie nach, wie Kunden einen Vermieter bewerten. Schauen Sie auch, ob ein Vermieter in der Lage ist, einen großen Kunden­ansturm zu bewältigen und ob er bei der Auto­abholung aggressiv versucht, Kunden in Zusatz­versicherungen zu drängen.

Über­gabe. Prüfen Sie bei der Abholung, ob das Auto Schäden hat und ob sie im Miet­vertrag oder Über­gabepro­tokoll verzeichnet sind. Falls nicht, melden Sie diese sofort nach. Fotografieren Sie den Wagen bei Abholung und vor Rück­gabe.

Kunde hat drei Vertrags­partner

Mietwagen-Neulingen ist oft nicht klar, dass sie meist gleich drei Vertrags­partner haben, wenn sie ein Buchungs­portal nutzen: Das Portal, den Vermittler und den Vermieter.

  • Buchungs­portal. Es listet viele Vermittler, etwa Sunnycars, Drive FTI und CarDelMar und vermittelt den Kunden dorthin. Es hilft dem Kunden, falls er Probleme mit einem der anderen zwei Vertrags­part­nern haben sollte.
  • Vermittler. Er hat oft keine eigenen Fahr­zeuge, sondern bucht Mietwagen­kontingente bei großen Vermietern im Urlaubs­land. So erhält der Vermittler güns­tige Preise, die er an seine Kunden weitergibt. Manchmal nimmt der Kunde den Vermittler nicht als Vertrags­partner wahr, weil der größte Teil der E-Mail-Kommunikation über das Buchungs­portal läuft.
  • Vermieter. Er ist Vertrags­partner des Kunden am Urlaubs­ort. Mit ihm schließt der Kunde den Miet­vertrag für das Auto ab. Und an ihn muss er sich wenden, sollte der Wagen bei der Abholung verdreckt sein oder Schäden haben, die nicht im Über­gabepro­tokoll stehen.

Ärger bei Abholung vermeiden

Unlautere Geschäfts­praktiken. Kunden beschweren sich immer wieder über Vermieter, die ihnen den Auto­schlüssel nur aushändigen, wenn sie eine Zusatz­versicherung abschließen. Die ist meist unnötig – denn sie haben ja sehr oft genau diesen Versicherungs­schutz bereits über ihren Vermittler abge­schlossen. Wegen des aggressiven Verkaufs von Versicherungen und anderer unlauterer Geschäfts­praktiken verdonnerte die italienische Wett­bewerbs­behörde im Jahr 2017 den Vermieter Gold­car zu 2 Millionen Euro Bußgeld und Firefly zu 1,6 Millionen. Der Vermieter Gold­car führt auch die Beschwerdeliste beim Zentrum für Europäischen Verbraucher­schutz an.

Das sagen die Portale. Doch warum vermitteln Portale Kunden über­haupt zu problematischen Anbietern? Billiger-Mietwagen.de teilte uns mit: „Ein Groß­teil unserer Buchungen geht an Vermittler, nicht an Vermieter. Ob die Vermittler mit schwierigen Vermietern am Urlaubs­ort zusammen­arbeiten oder nicht, darauf haben wir keinen Einfluss.“ Check24 sagt: „Uns wird häufig vorgeworfen, dass wir keinen voll­ständigen Markt­über­blick bieten, anderer­seits sollen wir Anbieter aus dem Vergleich nehmen – wir sitzen zwischen den Stühlen.“ Beide Portale weisen auf ihre trans­parente Darstellung möglicher Angebots­risiken hin.

Lange Warte­zeiten. Ärgerlich sind auch lange Warte­zeiten beim Abholen. Hier hilft vorab ein Blick in die Kundenbe­wertungen.

Spontan am Urlaubs­ort mieten – geht auch über Portale

Portale nutzen. Wer spontan zum Ausflug starten will, sucht oft einen Verleiher vor Ort, etwa über das Hotel. Der Nachteil: Diese Angebote sind schwer durch­schaubar – Verträge, Miet- und Versicherungs­bedingungen sind in Landes­sprache oder auf Eng­lisch verfasst. Wenig bekannt ist, dass Urlauber die Portale auch für Spontan­buchungen nutzen können.

Mietbedingungen auf Deutsch. Wir haben nachgesehen: Auf Mallorca zum Beispiel lassen sich über die drei genannten Buchungs­portale in den großen Ferien­orten Fahr­zeuge mieten, ebenso auf den Kanarischen Inseln und Sizilien. Buchungen sind für denselben oder den nächsten Tag möglich. Der Vorteil: Die Mietbedingungen sind auf Deutsch und somit gut vergleich­bar.

„Sofort verfügbar“ ankli­cken. Auch hier sollten Kunden bei mehreren Portalen suchen und bei Check24 und bei Billiger-mietwagen.de die Einstellung „sofort verfügbar“ ankli­cken. Mietwagen-check.de listet bei kurz­fristigen Buchungen von sich aus nur verfügbare Mietwa­genan­gebote.

Bei Rück­gabe Fotos machen

Bei der Rück­gabe des Autos sollten Kunden den Zustand des Miet­autos noch einmal mit Fotos dokumentieren, auch den Innenraum. Das kann wichtig werden, falls ein Vermieter für Schäden am Auto nach­träglich Geld von der Kreditkarte abbucht oder eine Reinigungs­gebühr wegen angeblich sehr starker Verschmut­zung verlangen sollte.

Zu wem bei Schaden oder Unfall?

Vermieter informieren. Ganz gleich, ob der Urlauber beim Ausparken Beulen oder Kratzer verursacht oder in einen Unfall verwickelt wird – was genau zu tun ist, steht in den Mietbedingungen. Oft muss der Kunde den Vermieter telefo­nisch informieren. Bei der Rück­gabe sollte er darauf achten, vom Vermieter ein Über­gabepro­tokoll zu erhalten, in dem die Schäden aufgeführt sind. Im Falle eines Unfalls verlangen manche Vermittler zwingend ein Polizei­protokoll.

Reparatur­kosten vorschießen. Ist der Urlauber für den Schaden verantwort­lich, muss er die Reparatur­kosten oft bis zur Höhe der Selbst­beteiligung zunächst an den Vermieter zahlen – und das auch, wenn er über den Vermittler einen Vertrag ohne Selbst­beteiligung abge­schlossen hat.

Betrag zurück­holen. Der Grund: Vermittler buchen bei den Vermietern vor Ort oft Angebote mit Selbst­beteiligung. Diese sind güns­tiger. Wieder zu Hause, muss sich der Kunde den Betrag, den er dem Vermieter bezahlt hatte, vom Vermittler zurück­holen. Dieser Umweg irritiert auch immer mal wieder Finanztest-Leser.

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