Weitblickende Urlauber buchen einen Mietwagen mit Voll­kasko, aber ohne Selbst­beteiligung.

Ein Miet­auto für den Urlaub zu buchen, geht schnell und einfach. Bei neuen Angeboten sind Kunden im Schadens­fall besser geschützt. Die Experten der Stiftung Warentest erklären, was beim Buchen über Onlineportale wichtig ist und wie Sie sich vor Reinfällen schützen.

Nehmen Sie sich Zeit für einen Vergleich

Nicht nur Sonne, Strand und Meer, sondern auch Land und Leute kennen­lernen – diesen Wunsch haben viele Urlauber. Ein Miet­auto ist für sie erste Wahl. Buchen können sie das Auto schnell und einfach von zu Hause aus. Um Ärger zu vermeiden, sollten sich Kunden vorher ein wenig Zeit für den Angebots­vergleich nehmen. Empfehlens­wert sind hierfür Mietwagen­vergleichs­portale wie Check24.de, Billiger-mietwagen.de oder Mietwagen-check.de. Vorteil der Portale: Sie halten die Mietbedingungen ausländischer Vermieter auf Deutsch bereit. Außerdem sind die Rechner einfach zu bedienen. Reiselustige tippen nur ein, wann und wo sie ein Auto mieten möchten und starten den Preis­vergleich. Anschließend können sie die Angebote nach ihren Wünschen filtern.

Drei Vertrags­partner

Doch bevor Kunden die wichtigsten Kriterien für ein gutes Angebot ankli­cken, sollten sie wissen, wer ihre Vertrags­partner sind. Denn anders als beim Mieten direkt am Urlaubs­ort haben sie nicht nur einen Vertrags­partner, sondern drei (siehe Grafik unten).

1. Vergleichs­portal. Online suchen sich Kunden ein gutes Angebot aus. Sie können beim Portal buchen und meistens 24 Stunden vor Miet­beginn kostenlos stornieren. Die meisten Portale haben ein Call­center, das bei Fragen und Beschwerden hilft.

2. Vermittler. Kunden sehen in der Ergeb­nisliste des Portals fast nur Angebote von Vermitt­lern, zum Beispiel von Auto­Europe, CarDelMar, Sunny Cars und DriveFTI. Diese schließen mit Auto­vermietern am Urlaubs­ort Verträge über Mietwagen­kontingente ab. Außerdem buchen sie dort oft Fahr­zeuge mit einer Voll­kasko­versicherung, bei der im Schadens­fall eine Selbst­beteiligung anfällt. Beides sorgt für güns­tigste Preise, die sie an die Urlauber weitergeben. Das Miet­auto zahlen Kunden beim Vermittler im Voraus.

3. Vermieter. Erst mit dem Vermieter schließt der Kunde am Urlaubs­ort den Miet­vertrag für das Auto ab. Und an ihn muss er sich wenden, wenn das Auto einen Kratzer oder Beulen hat, die nicht im Über­gabepro­tokoll stehen. Der Vermieter legt die Höhe der Selbst­beteiligung fest oder auch, welche Zusatz­kosten etwa für eine Auto­rück­gabe außer­halb der Öffnungs­zeiten, für Kinder­sitze oder ein Navi anfallen. Solche Informationen fassen die Vergleichs­portale gut zusammen.

Unser Rat

Mietwagen buchen. Nutzen Sie die Filter­funk­tion von Vergleichs­rechnern wie Check24.de oder Billiger-mietwagen.de. Klicken Sie „Voll­kasko­versicherung ohne Selbst­beteiligung“ an. Prüfen Sie, ob auch Scheiben, Dach und Reifen versichert sind. Sie sind oft kein Bestand­teil der Voll­kasko. Die Versicherungs­summe beim Haft­pflicht­schutz sollte hoch sein, am besten mehrere Millionen Euro.Oft sind bessere Angebote nur wenig teurer.

Abholen. Machen Sie bei der Abholung und Rück­gabe Fotos vom Miet­auto, sowie vom Innenraum.

Drei wichtige Klicks

Bei Vergleichs­rechnern können Kunden bestimmte Häkchen setzen, um wichtige Vertrags­details fest­zulegen. Wer das tut, ist vor allem im Schadens­fall besser geschützt.

1. Ohne Selbst­beteiligung buchen

Eine Beule oder ein Kratzer, das passiert schnell. Bei Schäden am Miet­auto springt die Voll­kasko­versicherung ein. Oft müssen Reisende eine Selbst­beteiligung zahlen – meist in Höhe der Kaution. In beliebten Orten im Mittel­meerraum sind Kautionen von 800 bis 1 100 Euro normal — selbst bei Kleinwagen.

Klicken Kunden das Filterkriterium „ohne Selbst­beteiligung“ an, sind sie vor diesen Kosten geschützt. Bislang gab es üblicher­weise Angebote, bei denen Reisende im Fall eines Schadens zunächst die Selbst­beteiligung an den Vermieter vor Ort bezahlten und sich anschließend vom Vermittler wieder zurück­holten. Diese Regelung führt immer wieder zu Ärger, wie wir aus Zuschriften unserer Lese­rinnen und Leser wissen. Denn um die Rück­erstattung zu erhalten, müssen Kunden dem Vermittler Belege vorlegen, zum Beispiel ein Polizei­protokoll. Das gilt auch für kleine Beulen. Wer keine Belege hat oder sie zu spät einreicht, kann auf den Kosten sitzen bleiben.

Seit Kurzem gibt es die Möglich­keit, gezielt nach Verträgen mit einer „echten“ Voll­kasko­versicherung zu suchen, bei denen Kunden im Fall eines Schadens kein Geld vorschießen und es dann nicht umständlich vom Vermittler zurück­holen müssen.

Dafür klicken sie bei Check24 den Filter „ohne Selbst­beteiligung und keine Zahlung“ an. „Bei diesen Angeboten hat der Vermieter vor Ort keinen Anreiz, bei der Abholung zusätzliche Versicherungen zu verkaufen“, sagt Fabio Garzotto von Check24. Auch Beulen oder Kratzer, für die der Kunde nicht verantwort­lich ist, können nicht berechnet werden. Check24 führte das Filterkriterium 2019 ein.

Bei Billiger-mietwagen.de heißt der Filter „Voll­kasko und Diebstahl­schutz ohne Selbst­beteiligung“. Ihn gibt es bislang nur für Buchungen über das Smartphone. Frieder Bechtel, Sprecher des Portals, kündigt an: „Spätestens Anfang April haben wir den Filter dann auf allen internet­fähigen Geräten.“

Tipp: Vergleichen Sie die Preise der zwei Vertrags­varianten mit Voll­kasko­versicherung:

  • mit „100 % Rück­erstattung“ der Selbst­beteiligung und
  • ohne Zahlung einer Selbst­beteiligung.

Die stress­freie Variante ohne Zahlung kostet für kleine Autos – abhängig von Urlaubs­ort, Anbieter und Saison – zwischen 15 Euro und 60 Euro mehr pro Woche. Die Kaution ist dafür oft deutlich nied­riger. Wichtig: Prüfen Sie, ob bei der „echten“ Voll­kasko­versicherung auch Glas, Reifen und das Dach des Autos mitversichert sind. Falls nicht, klicken Sie dies auf alle Fälle an.

Wenn Sie sich für einen Vertrag mit Rück­erstattung der Selbst­beteiligung entscheiden, lesen Sie in den Mietbedingungen nach, welche Pflichten Sie im Schadens­fall haben.

2. Nur mit guter Kundenbe­wertung

Auf den Portalen können ehemalige Kunden den Vermieter bewerten. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die sich für einen Vertrag mit Rück­erstattung der Selbst­beteiligung im Schadens­fall entscheiden. Die Portale vergeben Sterne, die sich auf alle Stationen des jeweiligen Urlaubs­landes beziehen.

Tipp: Klicken Sie „gute Vermieterbe­wertung“ bei Billiger-mietwagen.de an. Sie sehen dann Vermieter mit mindestens vier von fünf Sternen. Bei Check24 können Sie weiter unten im Filter unter „Kundenbe­wertung“ gezielter suchen. Prüfen Sie, wie teuer ein Vermieter mit mehr Sternen ist. Lesen Sie die Kundenbe­wertungen und suchen Sie gezielt nach Erfahrungen, die andere mit Vermietern am Urlaubs­ort gemacht haben. Meiden Sie Vermieter, die versuchen, vor Ort unnötige Versicherungen zu verkaufen. Dem Europäischen Verbraucherzentrum ist die Firma Gold­car negativ aufgefallen.

3. Auf Tank­regelung achten

Empfehlens­wert ist die Regelung, den Wagen voll­getankt anzu­mieten und ebenso wieder zurück­zugeben. So lassen sich Zusatz­kosten vermeiden. Bei den Portalen muss man „faire“ oder „gute“ Tank­regelung ankli­cken. Wer das Häkchen nicht setzt, muss womöglich die erste Tank­füllung beim Vermieter kaufen, darf den Wagen aber leer wieder abgeben. Nachteil: Der Vermieter berechnet höhere Preise für den Kraft­stoff als die Tank­stelle und manchmal noch eine Service­gebühr.

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