Mietwagen Hohe Strafen für Gold­car und Firefly

13.02.2017
Mietwagen - Hohe Strafen für Gold­car und Firefly
© mauritius images / Alamy

Wer bei Vergleichs­portalen einen Mietwagen im Mittel­meerraum buchen möchte, stößt regel­mäßig auf güns­tige Angebote des Verleihers Gold­car. Nun hat die italienische Wett­bewerbs­behörde die Firma wegen unlauterer Geschäfts­praktiken zu einer Millionen­strafe verurteilt. Auch Konkurrent Firefly wurde zu einer hohen Strafe verdonnert. EU-Kommis­sion und Verbraucherschützer drängen schon länger auf kundenfreundlichere Regeln bei der Auto­vermietung – jetzt kommt Bewegung in die Branche.

Zum Abschluss einer Police gezwungen

Auto­schlüssel erst mit Zusatz­versicherung – so werden viele Mietwagen­kunden bei der Auto­über­gabe zum Abschluss einer Police gezwungen. Die italienische Wett­bewerbs­behörde AGCM (Auto­rità Garante della Concorrenza e del Mercato) hat unlauteren Geschäfts­praktiken einen Riegel vorgeschoben. Sie verhängte im Dezember gegen die Mietwagenfirmen Firefly und Gold­car Geld­strafen von 1,6 und 2 Millionen Euro. Das meldet das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) in Kehl. Neben dem aggressiven Bewerben von Zusatz­leistungen monierte die italienische Behörde auch eine für den Kunden nach­teilige Tank­regelung: Gold­car kassiert bei Abholung für eine Tank­füllung und erstattet den Betrag erst bei Rück­gabe mit vollem Tank („Flex Fuel“).

Viele Beschwerden über Gold­car

Die italienischen Wett­bewerbs­hüter werfen Gold­car unter anderem vor, am Miet­wagen­schalter Versicherungen verkauft zu haben, obwohl viele Kunden bereits einen solchen Schutz haben. Frieder Bechtel vom Vergleichs­portal Billiger-mietwagen.de sagt: „Gold­car gehört bei uns zu den Top drei in der Beschwerde­statistik.“ Auch dem EVZ liegen laut eigenen Angaben viele Beschwerden über Gold­car vor. Mitbewerber Firefly bestraft Kunden, die keine Zusatz­versicherung wollen, indem er die Kaution stark erhöht – zum Teil über den Verfügbarkeits­rahmen der Kreditkarte des Kunden hinaus.

Tipp: Prüfen Sie vor dem Buchen, wie ehemalige Kunden den Vermieter vor Ort bewerten und meiden Sie Firmen mit weniger als vier von fünf möglichen Sternen.

Die großen Fünf haben Besserung gelobt

Angesichts zahlreicher Reklamationen hat die EU-Kommis­sion zusammen mit europäischen Verbraucher­verbänden kundenfreundlichere Regeln bei der Auto­vermietung durch­gesetzt. Die fünf führenden Unternehmen – Avis, Europcar, Enterprise, Hertz und Sixt – haben ihre Geschäfts­bedingungen bereits entsprechend angepasst. Die Regeln:

  • Im Gesamt­preis müssen alle unver­meid­baren Kosten enthalten sein.
  • Klare Informationen zur Kilo­meterzahl, Tank­regelung, Stornierung und Kaution.
  • Genaue Darstellung von Zusatz­versicherungen mit Kosten und Leistungen.
  • Trans­parente Tank­regelung mit der Möglich­keit, das Auto voll­getankt zu über­nehmen und zurück­zugeben.
  • Faire Verfahren bei der Regulierung von Schäden. Der Verbraucher kann Schäden vor der Zahlung anfechten.

Tipp: Wenn Sie beim Abholen des Mietwagens zu einer Versicherung gedrängt werden, sollten Sie nur unter Vorbehalt zahlen und dies im Vertrag fest­halten. Notieren Sie den Namen des Mitarbeiters. Reklamieren Sie bei der Mietwagenfirma. Hat das keinen Erfolg, verlangen Sie bei der Kreditkartenfirma, dass der Betrag zurück­gebucht wird. In Spanien gibt es das offizielle Beschwerdeformular „Hoja de Raclamacion“, das die Mietwagenfirma aushändigen muss. Weitere Infos finden Sie in der Broschüre Per Mietauto durch Europa des EVZ.

Mietwagen buchen – der Test

Auf Vergleichs­platt­formen im Internet finden Urlauber schnell und bequem ein Miet­auto. Unser Test aus dem vergangenen Jahr zeigt aber: Viele vermeintliche Preisknüller können am Ende über­raschend teuer sein. 2 von 16 untersuchten Buchungs­portalen für Mietwagen schneiden sehr gut ab. Zum Test Mietwagenportale.

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13.02.2017
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