Onlineportale erleichtern die Buchung eines Miet­autos. Finanztest zeigt, wie Urlauber ein gutes Angebot finden und Ärger vermeiden.

Ärger wollte sich der Kunde eigentlich ersparen. Bei einem Auto­verleiher in Nord­deutsch­land hatte er deshalb einen Wagen mit Voll­kasko­versicherung gemietet, die für selbst­verschuldete Schäden am Auto aufkommt. Im Falle eines Schadens sollte er laut Vertrag von den Reparatur­kosten höchs­tens 550 Euro selbst bezahlen.

Trotzdem erhielt er nach einem Unfall vom Vermieter eine Rechnung über fast 3 800 Euro. Die Begründung der Verleihfirma: Der Kunde habe es versäumt, den Unfall von der Polizei aufnehmen zu lassen – so wie es die allgemeinen Geschäfts­bedingungen des Vermieters verlangen. Der Kunde klagte bis zum Bundes­gerichts­hof und bekam recht. Die obersten Richter erklärten eine Polizei­klausel, die für jeden Unfall gelte, für unwirk­sam (Az. XII ZR/44).

„Probleme wegen fehlender Polizei­berichte gibt es manchmal auch bei Mietwagen­buchungen für das Ausland“, sagt Frieder Bechtel vom Internet-Vergleichs­portal Billiger-mietwagen.de.

Schwierig­keiten können zum Beispiel Kunden bekommen, die in Deutsch­land über güns­tige Vermittler wie Auto Europe, Cardelmar, Auto Escape oder Atlas­optionen einen Wagen im Ausland mieten und dafür eine Voll­kasko­versicherung ohne Selbst­beteiligung abschließen. Diese Vermittler haben keine eigene Wagenflotte, sondern vermitteln Verträge mit einem örtlichen Auto­verleih. Verursacht ein Kunde einen Schaden am Miet­auto, zahlt er bei der Auto­rück­gabe zunächst die Selbst­beteiligung, die beim Vermieter vor Ort üblich wäre. Zuhause muss er sich das Geld vom Vermittler wieder­holen.

Voraus­setzung für die Erstattung ist aber zum Beispiel bei Auto Europe ein Polizei­bericht, selbst wenn der Fahrer das Miet­auto nur beim Einparken selbst verbeult hat.

Schnell zum guten Tarif

Über­raschungen können Kunden vermeiden, wenn sie die Mietbedingungen lesen. Hilf­reich sind Vergleichs­portale wie Billiger-mietwagen.de, Mietwagen-check.de, Check24.de oder Ihrmietwagen.de. Sie vergleichen nicht nur Preise von mindestens elf Anbietern, sondern stellen auch die oft verwirrenden Tarif­bestand­teile gut dar.

Der Kunde tippt in die Suchmaske ein, wann und wo er einen Mietwagen buchen möchte und erhält dann eine Liste mit den güns­tigsten Angeboten. Er kann vorgeben, welche Wagenklasse er mieten möchte und welchen Versicherungs­umfang sein Vertrag haben soll. Mit den folgenden Einstel­lungen lässt sich leicht ein guter Vertrag finden:

Voll­kasko. Neben der Kfz-Haft­pflicht­versicherung sollte jeder Kunde eine Voll­kasko­versicherung ohne Selbst­beteiligung abschließen. In den Mietbedingungen steht, ob die Selbst­beteiligung, die der örtliche Anbieter im Schadens­fall verlangt, rück­erstattet wird oder gar nicht erst anfällt.

Glas und Reifen. Im Ausland sind oft trotz Voll­kasko­versicherung bestimmte Teile des Autos wie Reifen, Auto­scheiben oder der Unterboden nicht mitversichert. Mindestens für Reifen und Glas empfiehlt sich deswegen eine Zusatz­versicherung.

Kilo­meter. Ist die Freikilo­meterzahl über­schritten, verursacht jeder weitere Kilo­meter Zusatz­kosten. Besser sind Tarife ohne Kilo­meter­begrenzung.

Haft­pflicht. Die Kfz-Haft­pflicht­versicherung zahlt für Unfall­schäden, die der Mietwagenfahrer anderen zufügt. Die gesetzliche Mindest­versicherungs­summe ist in einigen Ländern wie der Türkei so nied­rig, dass es im Schadens­fall eng werden könnte. Mietwa­genan­gebote, die nur wenige Euro mehr kosten, haben oft einen deutlich besseren Versicherungs­schutz.

Tipp: Schauen Sie in den Vertrag für Ihre deutsche Kfz-Haft­pflicht­versicherung. Enthält er eine „Mallorca-Police“, haben Sie in Europa auch als Mietwagenfahrer einen guten Haft­pflicht­schutz. Sie zahlt für Schäden, wenn die Versicherungs­summe des Miet­autos nicht ausreicht. Die Höhe ist abhängig vom Vertrag, maximal gibt es die vereinbarte Versicherungs­summe.

Ärger vermeiden

Vermeintlich güns­tige Angebote erweisen sich schnell als teuer. Wer einen Mietwagen bucht, sollte deswegen auch auf die folgenden Preistreiber achten:

Extra­kosten. Zusatz­fahrer, Kinder­sitz oder Rück­gabe außer­halb der Öffnungs­zeiten der Miet­station kosten oft extra.

Tank­regelung. Schlecht ist die Regelung, wenn der Mieter die erste Tank­füllung beim Abholen bezahlen muss und das Miet­auto mit leerem Tank zurück­geben soll. Hier wird oft doppelt abkassiert: Der Kunde zahlt einen über­höhten Preis für die erste Tank­füllung plus einer Service­gebühr und gibt das Auto außerdem mit Rest­benzin im Tank zurück.

Tipp: Nehmen Sie einen Tarif mit „voll­getankt über­nehmen, voll­getankt zurück­geben“. Tanken Sie aber wirk­lich voll. Wenn der Vermieter nachtanken muss, kann es für Sie doch noch teuer werden.

Keine Extras aufschwatzen lassen

„Kunden werden bei der Abholung des Autos manchmal gedrängt, Versicherungen abzu­schließen, die bereits über ihren Vermittler abge­deckt sind“, sagt Daniel Friedheim vom Vergleichs­portal Check24.de. Die Fahrer sollten sich keine unnötigen Extras aufschwatzen lassen und sowohl den Vermittler als auch den Betreiber des Vergleichs­portals über solche Geschäfts­praktiken informieren.

Tipp: Lesen Sie vor allem bei besonders güns­tigen Angeboten auf den Internet-Vergleichs­portalen die Bewertungen anderer Kunden.

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