Mietwagen Test

Mit Vergleichs­platt­formen im Internet finden Urlauber schnell und bequem ein Miet­auto. Viele vermeintliche Preisknüller können am Ende aber über­raschend teuer sein. Was Kunden beachten sollten.

Auf dem Mietwagenmarkt tobt ein erbitterter Wett­bewerb. Um neue Kunden zu gewinnen, unterbieten sich die Anbieter mit immer neuen Nied­rigpreisen. Auf Mallorca etwa ist ein Kleinwagen für eine Woche im Mai schon ab 25 Euro zu haben – also für weniger als 4 Euro pro Tag.

Sparen lässt sich mit solchen Schnäpp­chen-Angeboten aber nur selten. Oft bezahlen Mieter den güns­tigen Preis mit höheren Neben­kosten: So müssen sie etwa die erste Tank­füllung nebst „Service­gebühr“ gesondert einkaufen oder mit einem Kilo­meter­limit auskommen.

Richtig ins Geld gehen können vermeintliche Preisknüller bei Unfällen oder einem Diebstahl. Dann kassiert der Vermieter die Kasko-Selbst­beteiligung, die er als Kaution auf der Kreditkarte blockt. Das können mehrere Tausend Euro sein. Für Schäden an Scheiben, Rädern, Reifen, Unterboden und am Dach des Autos folgt vielfach sogar noch eine gesonderte Rechnung, da die Kasko­versicherung sie meist nicht abdeckt.

Tipp: Wer Komplett­angebote wählt, fährt sicherer. Auf den Vermitt­lungs­portalen firmieren sie als „Rundum-sorglos-Paket“ oder „Ausgezeichnetes Angebot“. Sie sind zwar etwas teurer, enthalten aber meist alle wichtigen Policen und faire Tank­regeln (Tipps fürs Buchen und Abholen des Autos).

Mietwagen Test

Erfreuliches Ergebnis

Online gibt es viele Möglich­keiten, Mietwagen zu buchen, etwa auf Reiseportalen oder beim Vermieter direkt. Beliebt sind auch Platt­formen, die Autos verschiedener Vermieter vermitteln. Wir haben 16 dieser Portale getestet.

Das erfreuliche Ergebnis: Die meisten Anbieter machen es Nutzern leicht, Autos zu suchen, zu buchen und zu stornieren. Zudem sind die Preise meist güns­tiger als bei der direkten Buchung beim Vermieter. Unangenehme Über­raschungen während der Buchung wie plötzliche Preis­änderungen gab es selten. Weniger erfreulich ist die Situation offen­bar bei der Fahr­zeug­über­nahme (Umfrage Mietwagen).

Um am Ende nicht drauf­zuzahlen, lohnt es sich, vor der Buchung etwas Zeit zu investieren, die Konditionen zu vergleichen und – auch wenn es lästig ist – die Geschäfts­bedingungen durch­zulesen (Tipps fürs Buchen und Abholen des Autos).

Man spricht deutsch – nicht immer

Die Start­seiten der Vergleichs­portale ähneln sich. Kunden müssen nur Abhol­ort und Reise­zeitraum nennen, schon erhalten sie eine erste Auswahl passender Mietwagen. Gewöhnungs­bedürftig: Interes­senten müssen bei Auto­europe deutsche Städte teil­weise mit ihren eng­lischen Namen aus einer Liste auswählen, also Munich statt München oder Cologne statt Köln.

Die Ergeb­nisse der ersten Anfrage lassen sich mit Filtern etwa für Wagenklasse, Versicherungs­schutz, Tank­regelungen oder Auto­ausstattung indivi­dualisieren. Bei den meisten Portalen baut sich mit jedem gesetzten Häkchen die Seite neu auf. Das strapaziert die Geduld.

Die besten Anbieter zeigen Suchenden sofort, wie sich ihre Präferenzen auf den Preis auswirken, da das jeweils güns­tigste Angebot neben dem Filter erscheint. Wichtig: Alle gewählten Optionen sollten gut sicht­bar sein und sich vom Nutzer einfach verändern lassen. Die Filterung ist bei Atlas­option, CarDelMar, Holiday Autos und Sunnycars etwas unüber­sicht­lich.

Vielfältige Versicherungen

Einige Anbieter begrenzen die Filter­möglich­keiten für Versicherungen und offerieren statt individueller Lösungen spezielle Pakete. Sunnycars geht dabei am weitesten: Das Portal hat ausschließ­lich Angebote mit erhöhtem Schutz im Programm, dazu gehören etwa die Erstattung der Selbst­beteiligung bei der Voll­kasko- und Diebstahl­versicherung sowie die Absicherung von Schäden an Scheiben, Dach, Reifen und Unterboden. Solche Leistungen sind nach einem Unfall hilf­reich, der Verzicht auf jedwede Eigen­leistung macht die Sache allerdings teuer.

Tipp: Nicht jeder Auto­vermieter bietet Policen ohne Selbst­beteiligung. Die Vermittler helfen weiter und offerieren Pakete mit Erstattung der Selbst­beteiligung. Nach einem Unfall kassiert der Vermieter dann zwar erst einmal den Eigenbehalt, allerdings kann sich der Kunde sein Geld später vom Vermittler zurück­holen.

Je mehr Informationen, desto besser

Hilf­reich ist es, wenn die Treffer­liste der Vermittler nicht nur die billigsten Angebote aufreiht, sondern auch die Rundum-sorglos- und Preis-Leistungs-Sieger nennt. Das machen unter anderem Billiger-Mietwagen, Check24 und Mietwagen-Check.

Außerdem sollte die Aufstellung alle wichtigen Informationen enthalten, also beispiels­weise den Fahr­zeug­typ, die Ausstattung, die Mietbedingungen und den Versicherungs­schutz sowie die Kundenbe­wertungen anzeigen.

Wer ein passendes Angebot gefunden hat, kann sich sein Wunsch­auto in wenigen Schritten sichern. Die drei Test­buchungen, die wir bei jedem Anbieter durch­geführt haben, zeigen: Die Prozesse sind meist kundenfreundlich und trans­parent. Allerdings löst kein Portal das Vertrags­geflecht zwischen Kunde, Vermittler und Vermieter auf. Nutzern dürfte deshalb oft nicht klar sein, wer eigentlich ihr Vertrags­partner ist.

Häufig Vorkasse

Alle wichtigen Unterlagen erhalten Kunden per E-Mail. Im Ideal­fall sind das Buchungs­bestätigung, Rechnung, Voucher, Geschäfts- beziehungs­weise Mietbedingungen sowie eine Check­liste für die Anmietung. Zahlen lässt sich der Mietwagen meist nur mit Kreditkarte. Viele Anbieter belasten sie zügig, verlangen also Vorkasse, auch wenn sie das nicht immer deutlich machen. Eine Ausnahme bildet Sunnycars: Mieter dürfen auch per Last­schrift oder Paypal zahlen. Das Geld wird einige Wochen vor Anmietung abge­bucht.

Problemlos stornieren

Fast alle Anbieter erlauben kostenlose Stornierungen bis 24 oder 48 Stunden vor Miet­beginn. Rentalcars verspricht im Klein­gedruckten sogar „bis zur letzten Minute“. Auf unsere Nach­frage waren es aber 48 Stunden. Auto­escape verlangt 30 Euro Bearbeitungs­gebühr. Sie lässt sich aber als Rabatt bei einer anderen Buchung geltend machen, wie eine gedrechselte Formulierung einräumt: „Sie können Ihre Reser­vierung gegen ein Guthaben, das ein Jahr lang gültig ist, gebührenfrei stornieren.“

Deutlich simpler als die Storno­regeln ist der Storno­vorgang: Bei den meisten Portalen lässt sich der Vertrag online oder per E-Mail rück­gängig machen. Bei DriveFTI und Happycar mussten wir allerdings zum Telefon greifen.

E-Mail-Anfragen nicht beant­wortet

Alle Anbieter haben eine Hotline und viele liefern auf ihren Websites gute Hintergrund­informationen. Dennoch ist der Service zum Teil verbesserungs­bedürftig. Auto­escape und DriveFTI reagierten nicht auf die E-Mails, mit denen wir unter anderem Informationen zu Bezahl­möglich­keiten erbaten. Atlas­option beant­wortet häufige Fragen auf seiner Website nur auf Eng­lisch.

Mängel im Klein­gedruckten

Fünf Portale haben wir wegen Defiziten in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) abge­wertet. So gilt bei den ausländischen Platt­formen Atlas­option, Auto­escape und Holiday Autos kein deutsches Recht. Konflikte mit diesen Anbietern werden auf Basis eng­lischer, französischer oder irischer Gesetze entschieden. Das ist zwar zulässig, für deutsche Kunden aber kompliziert.

Rentalcars, registriert in England und Wales, verwendet die Klausel: „Soweit zulässig, unterliegen die Geschäfts­bedingungen eng­lischem Recht.“ Das ist unbe­stimmt und nicht verbraucherfreundlich. Darüber hinaus bean­standen wir bei Rentalcars die meisten Mängel im Klein­gedruckten, unter anderem bezüglich unwirk­samer Preis- und Leistungs­änderungen.

Unzu­lässige Klauseln

CarDelMar, DriveFTI, Mietwagenmarkt und Rentalcars weisen in ihren AGB darauf hin, was Kunden droht, die nicht pünkt­lich zur Abhol­station kommen. Teils soll der Kunde schon bei wenigen Minuten Verspätung den Anspruch auf ein Auto verlieren, die im Voraus bezahlte Miete aber nicht erstattet bekommen. Solche Klauseln sind unwirk­sam. Sie unterstellen, dass dem Vermieter durch die Verzögerung in jedem Fall ein Schaden entsteht. Das aber ist nicht der Fall – zum Beispiel, wenn er den Wagen anderweitig vermieten kann. Im schlimmsten Fall muss der Kunde aber sein Recht vor Gericht durch­setzen.

Was bei und nach der Über­gabe eines Mietwagens passiert, ist nicht mehr Sache des Vermitt­lers, sondern des Vermieters. Wir haben auf test.de nach Erfahrungen von Lesern gefragt. Mehr als 1 300 haben geant­wortet (Umfrage Mietwagen).

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