Versicherer und Finanzvermittler wollen den Banken das Kautionsgeschäft abjagen. Doch Sparkonten sind für Mieter und Vermieter besser.

Zwischen 20 und 30 Milliarden Euro liegen etwa auf deutschen Mietkautionskonten. Ein guter Teil davon wird jedes Jahr aufs Neue angelegt, weil Millionen Mieter umziehen.

Von dem Geschäft wollen die Versicherer ein Stück abhaben. Die Deutsche Kautionskasse bietet mit dem Versicherer AIG Europe die „Wohnbürgschaft“ an. Das Hamburger Unternehmen Eurokaution wirft die „Kautionspolice“ eines „namhaften Versicherers“ auf den Markt. Wer der Versicherer ist, will Eurokaution erst im Mai sagen.

Das Prinzip beider Geschäftsmodelle ist gleich: Der Vermieter erhält statt einer Mietkaution einen Bürgen – die Versicherungsgesellschaft. Sie zahlt maximal drei Nettokaltmieten aus, wenn der Vermieter zum Beispiel nach dem Auszug des Mieters das Geld braucht, um eine verwüstete Wohnung auf Vordermann zu bringen.

Der Mieter muss die Kaution bei Vertragsabschluss nicht aufbringen, sondern zahlt stattdessen Gebühren. Beträgt die Kaution 2 000 Euro, kostet die Wohnbürgschaft den Mieter im ersten Jahr 150 Euro und danach jährlich 110 Euro.

Das Produkt der Eurokaution ist etwas billiger, das Problem ist aber dasselbe: Von den Gebühren erhält der Mieter nach dem Auszug nichts zurück. Wohnbürgschaft und Kautionspolice sind deshalb nur sinnvoll für Mieter, die nicht genug Geld haben, die Kaution in drei Raten zu zahlen.

Für den Vermieter ist die Wohnbürgschaft kostenfrei. Er trägt jedoch das Risiko, dass der Versicherer pleitegeht. 

Zinskonto doch die beste Lösung

Trotz mickriger Zinsen ist ein Sparkonto immer noch die bessere Lösung für beide Mietparteien. Noch günstiger ist die Tagesanleihe der Bundesrepublik Deutschland, eine Art Tagesgeldkonto vom Staat. Mieter können die Tagesanleihe seit April in Höhe der Mietkaution kaufen und dem Vermieter kostenfrei verpfänden.

Die Tagesanleihe gilt als sicher. Sie wird zurzeit zwar nur mit rund 0,8 Prozent verzinst (Stand: 2. April), doch anders als bei den Banken und Sparkassen passt sich der Zins sofort an, wenn sich die Marktzinsen ändern. Mieter können langfristig also auch auf höhere Zinsen hoffen.

Die Banken zahlen für Kautionskonten auch nicht viel. Die Verzinsung auf dem Postbank-Mietkaution-Sparbuch zum Beispiel liegt bei 0,5 Prozent für Kautionssummen unter 3 000 Euro.

Mehr Zins bot lange die BMW Bank für ein Online-Kautionskonto. Doch die Bank lässt die nötige Verpfändung nicht mehr zu.

Lukrativ klingt das „Umwelt-Sparbuch Mietkaution“ der Umweltbank. Der Zins ist mit derzeit 1,75 Prozent im Bankenvergleich anständig. Die Verpfändung ist kostenlos.

Bisher empfiehlt Finanztest die Konten der Umweltbank nicht, weil das Geld im Pleitefall dort nur zu 90 Prozent abgesichert war. Zum 1. Juli 2009 soll die Einlagensicherung aber auf 50 000 Euro ohne Risikoanteil erweitert werden. Dann würde das Umwelt-Sparbuch interessant.

Fonds und Anleihen taugen nicht

Weil der Zins für Kautionskonten so mickrig ist, versuchen Finanzvermittler Mieter mit der Aussicht auf mehr Rendite in Fonds oder andere Wertpapiere zu locken.

Der Mieter kauft für die Kautionssumme Fondsanteile und verpfändet das Depot dem Vermieter. Manche Banken und Fondsgesellschaften wie die DWS lassen das zu. Eine sichere Lösung ist das nicht, denn auch konservative Fonds können ins Minus geraten. Das ist vor allem dann schlecht, wenn die Mietsicherheit gebraucht wird.

Das Internetportal www.mietersparstrumpf24.de vermittelt Mietern derzeit eine Anleihe des Unternehmens WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG und liefert auch gleich das Formular für die „Abtretung“ mit. 6,35 Prozent Zinsen pro Jahr will die WGF AG auszahlen .

Auch diese Anleihe ist keine gute Mietsicherheit. Das Papier läuft bis zum Jahr 2014. Erst dann zahlt die WGF AG das investierte Geld zu 100 Prozent zurück. Zieht der Mieter vorher aus, kann die Anleihe nur mit Verlustrisiko an der Börse verkauft werden.

Tagesgeldkonto selten möglich

Gut verzinste Tagesgeldkonten, wie sie manche Direktbanken anbieten, sind aus rechtlichen Gründen oft kein Ort für die Kaution. Die Kaution darf nur dann auf einem Tagesgeldkonto des Vermieters liegen, wenn er es als Treuhandkonto führt. Das schließen viele Direktbanken aus.

Auch die Verpfändung eines Kontos zugunsten des Vermieters ist oft im Kleingedruckten ausgeschlossen, erst auf Nachfrage ist manchmal doch etwas möglich.

Auf Anfrage von Finanztest verspricht etwa die DAB Bank, eine Verpfändung zu akzeptieren. 2 Prozent Zinsen und einen zeitlich begrenzten Zinszuschuss gibt es auf dem Tagesgeldkonto dort momentan.

Der Haken: Die Bank stellt kein Verpfändungsformular zur Verfügung. Das müssen Mieter und Vermieter selbst formulieren und die DAB Bank informieren.

Die Volkswagen Bank hat ein Formular, erlaubt die Verpfändung des Tagesgeldkontos aber nur Kunden, die dort ein Girokonto führen.

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