Miet­erhöhung: Kostenfalle Modernisierung

Miet­erhöhung Special

Wenn der Vermieter einen Altbau auf Vordermann bringt, kann sich die Miete locker verdoppeln. Finanztest sagt, was Mieter akzeptieren müssen und wann sie Widerstand leisten können.

Umlage der Kosten

Ein Balkon, ein schönes neues Bade­zimmer, Heiz­kosten­ersparnis durch Wärmedämmung – da freuen sich die Mieter. Doch die Modernisierung kann sie teuer zu stehen kommen: 11 Prozent der Kosten dürfen Vermieter auf die Jahres­miete umlegen. Gar nicht selten verdoppelt sich die Miete nach einer Modernisierung.

Beispiel: Ein Haus mit zehn Wohnungen bekommt eine Wärmedämmung für 60 000 Euro. Je Wohnung steigt die Miete um 11 Prozent von 6 000 Euro = 660 Euro im Jahr, 55 Euro im Monat.

Nur bei Verbesserung

Doch der Vermieter darf längst nicht alle Kosten auf Mieter umlegen. Nur wenn sich der Wohn­wert erhöht oder Energie gespart wird, müssen die Mieter mehr zahlen.

Beispiel: Zusätzlich bekommt das Haus eine neue Fassade. Die alte war reparaturbedürftig. Die auf die Fassadensanierung entfallenden Kosten zahlt der Vermieter allein.

Kein Luxus

Luxussanierungen schließ­lich müssen Mieter nicht nur nicht zahlen, sondern können sie komplett stoppen.

Beispiel: Der Vermieter will in einen einfachen Altbau Bade­zimmer mit schi­cken italienischen Fliesen sowie teuren Design-Wannen, -Becken und -Armaturen einbauen.

Das ist über­trieben. Die Mieter müssen sich das nicht gefallen lassen. Wo die Modernisierung aufhört und der Luxus anfängt, ist im Einzel­fall allerdings schwer zu sagen. Immer ist es zulässig, Wohnungen auf den heute üblichen Stan­dard zu bringen – auch wenn schon das zu einer drastischen Miet­erhöhung führt. Auch Verbesserungen über den Stan­dard hinaus können zulässig sein. Die Mieter dürfen sich aber wehren, wenn die Miete durch die Modernisierung derart steigt, dass die Mieter sie sich nicht mehr leisten können. Entscheidend ist, ob nach Zahlung der Miete genug Geld für den Lebens­unterhalt übrig bleibt.

Frist für Ankündigung

Gut für Mieter: Vermieter müssen Modernisierungen mindestens drei Monate vor Beginn der Arbeiten ankündigen. Dafür reicht ein Zettel im Hausflur nicht aus. Jeder Mieter muss einen Brief, eine E-Mail oder ein Fax erhalten und nach­lesen können, was da auf ihn zukommt. Der Vermieter muss sagen, was geplant ist, wann die Arbeiten statt­finden und welche Miete künftig voraus­sicht­lich fällig ist. Mieter müssen prüfen können, ob die vom Vermieter geplante Modernisierung zulässig ist und sie verpflichtet sind, sie zu dulden.

Tipps für Mieter

Ankündigung. Prüfen Sie zunächst, ob die Modernisierungs­ankündigung wirk­sam ist. Wenn sie es nicht ist, müssen Sie gar nichts unternehmen. Fragen Sie unbe­dingt den Mieter­ver­ein oder einen auf das Mietrecht spezialisierten Anwalt, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Einwände. Wenn die Modernisierungs­ankündigung wirk­sam ist und der Vermieter korrekt auf die Frist hinweist, müssen Sie alle Ihre Einwände – gegen die Modernisierung und die zu erwartende Miet­erhöhung – inner­halb eines Monats ab Zugang per E-Mail, Fax oder Brief äußern. Entscheidend ist, wann Ihr Wider­spruch beim Vermieter ankommt. Finanztest empfiehlt: Schreiben Sie einen Brief und lassen Sie ihn von einem zuver­lässigen Boten zum Vermieter bringen oder schi­cken Sie ihn per Einschreiben mit Rück­schein.

Härte. Wenn die Modernisierung für Sie eine besondere Härte darstellt, muss der Vermieter sie stoppen. Beispiele: Der Austausch von Fens­tern im Winter ist unzu­mutbar. Wer die Wohnung wegen Krankheit nicht verlassen kann, braucht keine größeren Arbeiten in der Wohnung zu dulden. Wenn sich die Raum­aufteilung ändert, kann das ebenfalls unzu­mutbar sein.

Miet­erhöhung. Führt die Modernisierung zu einer Miete, die für Sie eine besondere Härte darstellt, müssen Sie zwar die Modernisierung dulden. Der Vermieter muss aber auf die Miet­erhöhung verzichten und wird daher die Modernisierung vielleicht absagen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 40 Nutzer finden das hilfreich.