Interview: Den Spatz in der Hand

Miet­erhöhung Special

Manchmal ist ein Kompromiss die bessere Lösung. Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund erklärt, wann Mieter und Vermieter eine gemein­same Lösung suchen sollten.

Kann es sinn­voll sein, einer Miet­erhöhung teil­weise zuzu­stimmen? 

Ropertz: Ja. Denn stimmt der Mieter nicht zu, muss der Vermieter klagen, wenn er die Miet­erhöhung durch­setzen will. Damit ist für ihn natürlich immer ein gewisses Prozess- und Kostenrisiko verbunden. Fordert der Vermieter 50 Euro mehr Miete, könnte man als Mieter beispiels­weise eine Erhöhung um 25 Euro akzeptieren. Denn es ist fraglich, ob der Vermieter die Differenz einklagt. Möglicher­weise will er kein Risiko eingehen und denkt: „Lieber den Spatz in der Hand …“.

Ist es denn immer der richtige Weg?

Ropertz: Nein. Der Mieter sollte gar nicht zustimmen, wenn das Anschreiben formelle Fehler hat und damit unwirk­sam ist oder der Vermieter die Erhöhung zum Beispiel nur mit allgemein steigenden Kosten begründet. Eine teil­weise Zustimmung ist nur sinn­voll, wenn die Miet­erhöhung nach­voll­zieh­bar ist, also beispiels­weise die orts­übliche Vergleichs­miete tatsäch­lich höher ist als die derzeit gezahlte Miete.

Welchen Vorteil hat eine teil­weise Zustimmung für den Mieter?

Ropertz: Liegt die orts­übliche Vergleichs­miete beispiels­weise bei 800 Euro, zahlt der Mieter unterm Strich weniger, wenn er einer Erhöhung von 700 Euro auf 750 Euro zustimmt. Es kann also sinn­voll sein, einer Forderung des Vermieters teil­weise entgegen­zukommen, selbst wenn die Erhöhung aus formellen Gründen eigentlich unwirk­sam ist. Der Mieter hat dann ja auch ein Jahr lang Ruhe, bis die nächste Miet­erhöhung theoretisch möglich wird. Hilfe in allen Fragen bietet der Mieter­ver­ein (Kontakt unter www.mieterverein.de).

Dieser Artikel ist hilfreich. 41 Nutzer finden das hilfreich.