Mietbürg­schaft Special

Ist das WG-Konto nicht gedeckt, wendet sich der Vermieter an die bürgenden Eltern.

Wer als Bürge für Wohnungs­suchende einspringt, geht Risiken ein. Finanztest erklärt, wo die wichtigsten Fall­stricke liegen, und auf welche Formulierungen Sie als Bürge achten sollten.

Ohne Bürgen bekommen Studierende vieler­orts keine Wohnung

Steigende Mieten in deutschen Groß­städten machen es besonders für Gering­verdiener und Studierende immer schwerer, eine bezahl­bare Wohnung zu finden. Wer als Student mit Freunden eine Wohn­gemeinschaft gründen will, hört vom Vermieter häufig, dass er ohne einen Bürgen die Wohnung nicht bekommt. Glück für jene, deren Eltern einspringen und sich für ihren Spröss­ling oder gar die ganze Wohn­gemeinschaft verbürgen. Können Sohn oder Tochter die Miete nicht mehr zahlen oder geht bei der WG-Party das Wasch­becken zu Bruch, kann sich der Vermieter direkt an die Eltern wenden und das Geld von ihnen fordern. „Wer bürgt, wird gewürgt“, heißt es im Volks­mund. Ob und wann etwa Eltern mit der Mietbürg­schaft für ihre Kinder haften, hängt vom Wort­laut der unter­schriebenen Bürg­schaft ab.

Rechnung geht direkt an die Eltern

Wie in fast allen Bürg­schaften findet sich auch in Mietbürg­schaften häufig der Passus, dass der Bürge auf die „Einrede der Voraus­klage“ verzichtet (Grafik Auf diese Formulierungen müssen Sie achten, „Immer zuständig“). Das ist eine Art Abkür­zung für den Gläubiger, damit er sich direkt an den Bürgen wenden kann. Eine hohe Rechnung geht dann zum Beispiel direkt an die Eltern.

Kaution plus Bürg­schaft nicht erlaubt

Eltern sollten wissen: Vermieter dürfen von ihren Mietern als Sicherheit entweder eine Kaution oder eine Bürg­schaft verlangen – niemals beides. Denn die Kaution ist ja bereits eine Sicherheit für Miet­ausfälle. So sah es in einem Streitfallauch das Amts­gericht Lübeck. Die Bürg­schaft eines Vaters für seine Tochter sei nichtig, weil diese bereits eine Kaution gezahlt hatte (Az. 23 C 1448/11). Doch es gibt Ausnahmen von dieser Regel, die ein Bürge kennen sollte – für den Fall, dass er unter­schreiben muss, weil das Kind ohne geregeltes Einkommen sonst aus dem Rennen wäre.

Auf die Formulierung kommt es an

Bietet ein Bürge die Bürg­schaft freiwil­lig an, ist sie trotz Kaution gültig, hat der Bundes­gerichts­hof (BGH) entschieden (Az. IX ZR 16/90). Deshalb heißt es in vielen Formularen der Vermieter: „Ich biete unaufge­fordert dem Vermieter eine Bürg­schaft an“ (Grafik Auf diese Formulierungen müssen Sie achten). Hinzu kommt: Laut Gesetz muss ein Mieter nur Sicherheit für drei Kaltmieten bieten. Darauf ist auch die Höhe der Bürg­schaft beschränkt. Es sei denn, der Bürge bietet sie von sich aus an, dann haftet er unter Umständen für alle Mietrück­stände, Schäden und Schaden­ersatz­ansprüche.

Tipp: Heben Sie als Mieter oder Bürge den gesamten E-Mail-Verkehr auf und bringen Sie zur Vertrags­unterzeichnung einen Zeugen mit. Denn hat der Vermieter die Bürg­schaft verlangt und ein vorformuliertes Schreiben geschickt, haben Sie als Bürge vor Gericht gute Chancen, im Streitfall unbe­helligt aus der Sache heraus­zukommen.

Wer freiwil­lig einspringt, haftet unbe­grenzt

Weniger gut sieht es dagegen aus, wenn zum Beispiel Eltern im laufenden Miet­vertrag einspringen, um eine Kündigung abzu­wenden. Das tun sie ja normaler­weise freiwil­lig und müssen dann auch über die drei Kaltmieten hinaus unbe­grenzt haften, urteilte der BGH (Az. VIII ZR 379/12).

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