Melamin in Milchprodukten Meldung

In China starben bereits vier Säuglinge an Melamin-verseuchtem Milchpulver. 53 000 Kinder sind an Nierensteinen erkrankt. Cadbury rief Schokolade zurück. Und in Holland fanden Behörden Melamin in chinesischen Keksen. Der Milchskandal rückt immer näher. [Update: Melaminhaltige Bonbons in Baden-Württemberg gefunden.]

Giftige Milch mit Melamin

Normalerweise dient die Industriechemikalie Melamin zur Herstellung von Kunststoffen. Aus Melamin hergestellte Kunstharze halten Spanplatten zusammen. Und im Schmutzradierer von Meister Proper rubbelt Melaminschaum den Schmutz weg. Chinesische Betrüger machten sich nun eine weitere Eigenschaft des weißen Pulvers zu nutze: Sie setzten es verwässerter Milch und gestrecktem Milchpulver zu. Damit erreichten sie, dass die Milch eiweißreich erschien und die Panscherei nicht auffiel. Der Betrug flog erst auf, als tausende Säuglinge mit Nierenschäden in Krankenhäuser kamen. Grund: Mit der Nahrung aufgenommenes Melamin bildet Kristalle im Urin und führt zu Nierensteinen. In einem Land wie China, wo die Mehrheit der Säuglinge mit Milchpulver ernährt wird, eine Katastrophe.

Chinesische Cadbury-Schokolade

Inzwischen weitet sich der Melamin-Skandal auch auf andere Produkte aus, die mit Milchpulver hergestellt werden. Am Montag rief der internationale Süßwarenhersteller Cadbury 11 Schokoladensorten zurück, die in einem Pekinger Werk hergestellt wurden. Auch sie enthielten Melamin. Laut Cadbury wurden diese Schokoladen nur in Hongkong verkauft.

Holländische Koala-Kekse

Gestern fand die niederländische Lebensmittelaufsicht Spuren der Industriechemikalie in Koala-Keksen der Sorten Nuss und Schokolade. Die Kekse wurden in den Niederlanden in chinesischen Geschäften verkauft. Die nachgewiesene Melamin-Menge sei jedoch gering gewesen. „Nur der tägliche Verzehr von zwei Kilogramm dieser Kekse würde Kinder gefährden“, erklärte die Lebensmittelaufsicht. Dies bestätigt auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa). Sie hat 0,5 Milligramm Melamin je Kilogramm Körpergewicht als tolerierbare tägliche Aufnahmemenge festgesetzt. Diesen Wert überschreitet nur, wer größere Mengen Kekse, Schokolade und Sahnebonbons aus melaminhaltigem Milchpulver verzehrt.

Deutsches Einfuhrverbot

Das Verbraucherschutzministerium in Berlin hat inzwischen die Einfuhr von Milchpulver aus China verboten. Andere Lebensmittel aus der Volksrepublik dürfen nur noch eingeführt werden, wenn sie zuvor untersucht wurden. Bislang liegen keine Hinweise vor, dass melaminhaltige Lebensmittel nach Deutschland gelangt sind. Das bestätigen Untersuchungsergebnisse des Ministeriums: Keine Säuglingsnahrung deutscher Hersteller enthielt Melamin. Trotzdem gilt: Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte Produkte mit Milch oder Milchpulver aus chinesischer Produktion vorerst meiden.

[Update 2. Oktober: Melamin in Sahnebonbons]

Mittlerweile sind melaminhaltige Sahnebonbons in Baden-Württemberg aufgetaucht. Das Verbraucherministerium in Stuttgart warnt vor chinesischen Bonbons der Marke White Rabbit. In ihnen fand die Behörde 152 Milligramm Melamin je Kilogramm. Der Verzehr einzelner Bonbons stelle noch keine konkrete Gesundheitsgefahr dar. Wer White Rabbit-Bonbons gekauft hat, sollte sie trotzdem nicht mehr lutschen. Der chinesische Hersteller Guanshengyuan hat die Bonbons weltweit zurückgerufen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 286 Nutzer finden das hilfreich.