Mehr­wert24 eG Einkaufs-Genossenschaft stellt Insolvenz­antrag

06.08.2021
Mehr­wert24 eG - Einkaufs-Genossenschaft stellt Insolvenz­antrag

Die Mehr­wert24-Genossenschaft aus Dort­mund hat Insolvenz angemeldet. Mitglieder hatten Anteile in Höhe von drei Millionen Euro gezeichnet. Die dürften vermutlich wert­los werden.

Namens­änderung half nicht

Seit ihrer Gründung in 2014 wurde die Genossenschaft bereits zweimal umbe­nannt. Anfäng­lich sollte die Genossenschaft als Sparfreunde Deutsch­land eG eine rentable Mitgliedschaft in Form von Preis­vorteilen beim Einkauf von Waren und Dienst­leistungen des täglichen Bedarfs bieten. 2018 änderte sich die Firmenbezeichnung auf Help24 eG, bevor 2020 daraus die Mehr­wert24 eG wurde. Das anfäng­liche Ziel, mit einer schlagkräftigen Einkaufs­gemeinschaft eine regelrechte „Bewegung“ anzu­stoßen, hat die Mehr­wert24eG zu keinem Zeit­punkt erreicht. Im Jahr 2019 zählte die Genossenschaft nur rund 200 Mitglieder.

Gericht verurteilte Genossenschaft zu Schaden­ersatz

Den Insolvenz­antrag begründete Genossen­schafts­vorstand Holger Zwetkow mit einem Gerichts­urteil. Danach wurde die eG zu 12 500 Euro Schaden­ersatz verurteilt. Zwetkow fürchtet nun, dass weitere anhängige Klagen verloren gehen. Damit würde der Genossenschaft die Basis für eine Weiter­arbeit entzogen, teilte Zwetkow seinen Mitgliedern per Mail mit.

Rück­zahlungs­plan nicht bedient

In dem Gerichts­urteil, das für die eG Anlass für den Insolvenz­antrag war, ging es um eine ursprüng­liche Einlage in Höhe von von 52 500 Euro. Es war von einem Genossen ange­strengt worden, weil der mit ihm vereinbarte Rück­zahlungs­plan ab 2019 nicht mehr vereinbarungs­gemäß bedient wurde. Das Essener Land­gericht hatte dem Kläger Recht gegeben und die eG verurteilt, die noch offenen 12 500 Euro zu bezahlen. Nachdem das Urteil kürzlich vom Ober­landes­gericht Hamm bestätigt wurde, stellte Genossen­schafts­vorstand Holger Zwetkow den Insolvenz­antrag.

Fragwürdige Mittel­verwendung

Rechts­anwalt Henry Pfitzmann von der Düssel­dorfer Kanzlei Bender & Pfitzmann Rechts­anwälte, der den Kläger vertreten hat, hält vor allem die zwischen­zeitlich angebotene Finanzierung von Immobilien­projekten für fragwürdig, da hier Renditen von bis zu zwölf Prozent versprochen wurden.

Darlehen an Tochtergesell­schaft

Außerdem weist er darauf hin, dass Anlegergelder mit einem nicht satzungs­konformen Darlehen an eine Tochtergesell­schaft vergeben wurden, die wiederum ein Darlehen an die zwischen­zeitlich insolvente Help24 Service UG ausreichte. Daraus könnten sich Haftungs­ansprüche gegen einen Vorstand und dessen Vermögensschadenshaftpflichtversicherung ergeben.

Weitere Klagen anhängig

Pfitzmann hat noch weitere Hintermänner verklagt, um den geschädigten Anlegern eine Chance auf Rück­zahlung ihrer Investments zu geben. In einigen Fällen seien bereits Vergleichs­zahlungen erzielt worden.

Wo können sich Anleger informieren?

Noch hat das Amts­gericht Dort­mund nicht über den Insolvenz­antrag der Mehr­wert24 eG entschieden. Über wichtige Beschlüsse des Gerichts können sich Investoren auf der Home­page www.insolvenzbekanntmachungen.de informieren.

06.08.2021
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