Mehr Rechte gegenüber Ebay-Powersellern Meldung

Wer bei Ebay-Powersellern kauft, hat regelmäßig ein Widerrufsrecht und kann bei Mängeln Gewährleistung verlangen. Das ist Folge einer Entscheidung des Oberlandesgericht Koblenz. Danach gilt zugunsten von Käufern eine Beweislastumkehr. Wer als Powerseller auftritt, muss im Zweifel nachweisen, dass er kein Händler ist. Wenn das nicht gelingt, muss er sich als Händler behandeln lassen. Käufer haben dann mehr Rechte als bei Käufen von Privatpersonen. Auch beim Streit um Schadensersatz nach gescheiterten Ebay-Geschäften hat das Gericht die Position von Käufern gestärkt. Das Shill-Bidding genannte Hochtreiben des Kaufpreises durch Scheingebote dagegen kann Anbieter teuer zu stehen kommen.

Auto mit Mängeln

Ins Rollen gekommen war der Streit über das Widerrufsrecht nach einer Auktion im März 2004. Der Powerseller „lotus-esprit 1“ bot einen Mercedes 270 CDI an. Nach 35 Geboten lag der Preis für den Wagen am Ende bei 23 850 Euro. Doch bei Übergabe des Wagens gabs Ärger. Der Meistbieter monierte nach einer Probefahrt eine Reihe von Mängeln. Er weigerte sich, den Wagen zu bezahlen und widerrief sein Gebot. Der Powerseller bestand auf Bezahlung. Als der Käufer sich weiter weigerte, verkaufte er den Wagen an einen anderen Interessenten für 17 500 Euro und erhob gegen den ursprünglichen Meistbieter beim Landgericht Mainz Klage auf Zahlung von 6 350 Euro Schadenersatz wegen Nichterfüllung.

Zweifel an Verkäufer-Angaben

Er sei kein Unternehmer, behauptete der Powerseller. Bei den 252 Ebay-Verkäufen, die seinerzeit schon auf sein Konto gingen, habe es sich um Autos und andere Gegenstände von ihm selbst sowie von Verwandten und Freunden gehandelt. Eine genaue Liste legte er nicht vor, benannte aber Zeugen. Schon beim Landgericht Mainz blitzte er damit ab. Angesichts der Zahl an Angeboten hätte er beweisen müssen, dass es sich um Privatgeschäfte handelt. Dafür reiche nicht aus, Zeugen zu benennen. Zunächst hätte er seine einzelnen Verkäufe schildern und erklären müssen, wie es zu einer derart hohen Zahl von Privatverkäufen kommen kann, erklärten die Richter am Landgericht.

Verdacht auf Shill-Bidding

Gegen die Abweisung der Klage beim Landgericht legte der Powerseller Berufung ein. Doch auch das Oberlandesgericht entschied gegen ihn und bestätigte das Urteil des Landgerichts. Es setzte sogar noch einen drauf: Auch an der Höhe des geforderten Schadensersatz hatten die Richter Zweifel. Wer als Ebay-Verkäufer nach gescheitertem Deal vom Meistbieter Schadenersatz wegen Nichterfüllung verlange, müsse zunächst erklären, wieso nicht der Zweit- oder Drittbieter die Ware gekauft habe. Hintergrund: Das zweit- und oft auch das drittbeste Angebot liegen nur knapp unter dem Höchstgebot. Der Verkäufer könne in einer solchen Konstellation die Ware nicht einfach für sehr viel weniger Geld an jemanden anders verkaufen und die Differenz zum Höchstgebot als Schadenersatz geltend machen. Aus Sicht der Oberlandesgerichte gelte das vor allem auch wegen der Gefahr des so genannten „Shill Bidding“. Dabei treibt der Verkäufer selbst unter einem anderen Ebay-Pseudonym den Preis in die Höhe oder lässt Freunde oder Bekannte zum Schein mitbieten.

Ebay hat Regeln geändert

Die Verweigerung von Widerruf und Gewährleistung bei Powerseller-Verkäufen ist bei Ebay inzwischen kein Thema mehr. Das Internetauktionshaus gewährt den Status nur noch Unternehmern. Doch eine ganze Reihe von Händlern verzichten auf den Powerseller-Status, um weiter als Privatverkäufer auftreten und auf diese Weise Käufern ihr Widerrufs- und Gewährleistungsrecht vorenthalten zu können. Über solche Fälle hat das Oberlandesgericht Koblenz nicht ausdrücklich entschieden. Formulierungen in der schriftlichen Begründung der Entscheidung lassen jedoch vermuten, dass die Richter die Beweislastumkehr zugunsten des Käufers auch bei Anbietern mit einer Powersellern ähnlich hohen Zahl von Verkäufen annehmen würden. Der Status als Ebay-Powerseller ist ab 100 Transaktionen möglich.

Sammler im Nachteil

Für Sammler, die ihre Sammlung ganz oder teilweise auflösen und über Ebay verkaufen wollen, birgt diese Rechtsprechung Risiken: 100 Angebote kommen schnell zusammen. Dennoch handeln sie nicht gewerbsmäßig, müssen kein Widerrufsrecht einräumen und können die Gewährleistung ausschließen. Nach der Entscheidung des Oberlandesgericht Koblenz müssen sie dies jetzt nachweisen, wenn es zum Streit kommt. Auf jeden Fall empfehlenswert: Verkäufer sollten in den Artikelbeschreibungen ausdrücklich darauf hinweisen, wenn sie aus der Auflösung einer Sammlung stammen. Aber Vorsicht: Wer die Auflösung der Sammlung nur vortäuscht, läuft Gefahr, wegen Betrugs belangt zu werden. Und wer ständig Sammlungen auflöst, handelt selbstverständlich gewerblich und macht sich ebenfalls strafbar, wenn er Käufern Privatgeschäfte vortäuscht.

Oberlandesgericht Koblenz, Beschlüsse vom 17. Oktober und 22. November 2005
Aktenzeichen: 5 U 1145/05
Landgericht Mainz, Urteil vom 6. Juli 2005
Aktenzeichen: 3 O 184/04

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