Bei bestimmten Reisen mit so genannten „Rail & Fly“-Ticket gibts vollen Schadenersatz, wenn der Zug Verspätung hat und Reisende deshalb den Flug verpassen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Allerdings: Das gilt längst nicht in jedem Fall. test.de erklärt das Urteil.

Flieger war schon weg

Geklagt hatte eine Frau, die im Juni 2007 mit „Meier’s Weltreisen“ in die Dominikanische Republik gereist ist. Eigentlich sollte ihr Zug um 9.08 Uhr am Flughafen Düsseldorf sein. Tatsächlich war er erst um 11.45 Uhr da - und der Flieger inzwischen weg. Die Frau rief beim Reiseveranstalter an und fuhr dann mit dem Zug nach München, übernachtete dort und flog am nächsten Tag in die Dominikanische Republik. Sie verlangte von „Meier’s Weltreisen“, die Kosten für den Ersatzflug, die Zugfahrt nach München und die Übernachtung dort zu übernehmen.

Reiseveranstalter muss zahlen

Der Reiseveranstalter muss zahlen, urteilte jetzt der Bundesgerichtshof. Hauptgrund: „Kein Stress und kein Stau mit dem Meier’s Weltreisen Rail & Fly-Ticket“, hatte der Reiseveranstalter geworben. Damit durfte Reisende davon ausgehen, dass auch die Zugfahrt schon Bestandteil der gebuchten Reise ist und Meier’s Weltreisen dafür einsteht, dass alles klappt, urteilten die höchsten deutschen Zivilrichter.

Nur im Einzelfall

Klar ist danach aber auch: Wer eine Flugreise bucht und dazu noch eine Zugfahrkarte zum Flughafen kauft, kann in aller Regel keinen Schadenersatz verlangen. Nur bei Reisen, bei der die Bahnfahrt zum Flughafen von vorneherein als Bestandteil erscheint, haftet der Veranstalter, wenn der Zug zu spät am Flughafen ist. Reisebüros, die für Kunden aus verschiedenen Einzelleistungen eine Reise zusammenstellen, haften meist ohnehin nicht als Reiseveranstalter.

Von der Bahn nur Rückzahlung

Auch die Bahn haftet bei Verspätungen. Allerdings gibts bei verspäteter Ankunft höchstens die Hälfte des Fahrpreises zurück. Vollen Schadenersatz muss die Bahn nicht zahlen. Einzelheiten dazu liefert die test.de-Meldung: Mehr Rechte für Bahnfahrer.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 28. Oktober 2010
Aktenzeichen: Xa ZR 46/10

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