Medion-Superzoom-Kamera von Aldi (Nord) Schnelltest

Seit Montag bietet Aldi (Nord) eine Digitalkamera mit extra­großem Zoom­faktor an – für nur 129 Euro. Eine Speicherkarte liegt auch bei. Gerade richtig zum Ferien­beginn. Sind die Bilder aber so schön wie der Urlaub? Der Schnell­test gibt Auskunft.

Viel Kamera fürs Geld

Die tech­nischen Daten der Medion Live X44027 versprechen viel: Der CMOS-Sensor schafft 16 Millionen Pixel. Das ist mehr, als jeder Hobby­fotograf braucht. Und das Zoom­objektiv deckt mit Brenn­weiten von 24 bis 572 Milli­meter Klein­bild­äquivalent alles von weitwinkelingen Land­schafts­aufnahmen bis zu extremen Tele­aufnahmen ab. Wichtig: Ein Bild­stabilisator soll auch bei sehr langen Brenn­weiten vor Verwackelung schützen. Üppig sind freilich nicht nur die Funk­tionen: Auch die Kamera selbst ist ziemlich groß. Dank ihrem ausgeprägten Griff liegt sie gut in der Hand, bringt nach Einlegen der vier AA-Stan­dard­akkus aber auch mehr als ein Pfund auf die Waage.

Wenig individuelle Kontrolle möglich

Damit spielt die Kamera in Größe und Gewicht schon in der Liga recht anspruchs­voller Universalkameras (beim Vergleich hilft der Produktfinder Digitalkameras mit ausführ­lichen Test­ergeb­nissen zu fast 1 200 Kameras). Im Vergleich zu der vor einem Jahr verkauften Superzoom-Kamera von Medion bietet die Neue sogar eine Zeit- und Blenden­automatik. Ambitionierten Fotografen wird sie dennoch nicht gerecht: Es sind nur zwei Blenden­stufen einstell­bar – Offenblende und ganz abge­blendet. Auch der Zoom zeigt, wo Medion den Rotstift angesetzt hat. Die Brenn­weite lässt sich nur in groben Schritten und nur per Wipp­taste verändern. Stufenloses Zoomen, noch dazu mit einem Dreh am Objektiv, bleibt bei dieser Medion ein Wunsch­traum. Damit richtet sich die Kamera weniger an die gehobenen Ansprüche ambitionierter Fotografen, die alle Bild­parameter genau kontrollieren wollen. Interes­sant ist sie eher für Leute, die einfach nur schnell knipsen – und dabei einen riesigen Zoom­faktor nutzen möchten.

Schwach bei wenig Licht

Medion-Superzoom-Kamera von Aldi (Nord) Schnelltest

Unscharf und blass: Fotos bei wenig Licht sind wenig schmeichelhaft.

Nicht in Party­laune: Die Superzoom-Kamera von Medion stellt die Schärfe bei wenig Licht nicht auf den Punkt genau ein und liefert Bilder mit blassen Farben.

Viele Bild­punkte auf einem kleinen Bild­sensor und ein riesiger Zoom­bereich in einem billigen Objektiv schmälern die Bild­qualität. Das ist bekannt und auch bei dieser Medion-Kamera nicht anders. Der Zoom arbeitet zögerlich und wird bei Video­aufnahmen ausgesprochen träge. Ärgerlich für Video­filmer: Während des Zoomens schaltet die Medion das interne Mikrofon ab. So bleibt zwar das Geräusch der arbeitenden Objektiv-Mechanik unhör­bar, doch auch der Ton zum Video fehlt. Beim Fotografieren zeigt sich die Medion Situationen mit wenig Licht kaum gewachsen: Der Blitz leuchtet zu schwach, der Auto­fokus kommt nicht auf den Punkt. Löst die Kamera dennoch aus, fehlen den Bildern Farben und Details in feinen Strukturen. Da hilft auch auch nicht, dass die Kamera bei hoher Empfindlich­keit (Iso 3 200) die Zahl der Bild­punkte von 16 auf 3 Megapixel reduziert.

Fürs High Noon-Western Shoo­ting

Bei besseren Kameras rettet der Trick mit der reduzierten Pixelzahl so manches Bild bei schlechtem Licht. Die Medion über­zeugt dennoch nicht. Mehr noch: Sie belässt es bei der geringen Pixelzahl – auch nachdem die Empfindlich­keit wieder auf einen Iso-Wert kleiner 3 200 gestellt wurde. Kleiner Trost: Bei billigen Kameras ist diese Reduktion generell empfehlens­wert. Unterm Strich ist die Medion eine Kamera für helle Sommertage. Das High-Noon-Shoo­tout in einem Western könnte sie ganz gut einfangen. Dass sie auch bei optimalem Licht entsättigte Farben und blasse Hauttöne liefert, wäre dieser Szene sogar angemessen. Jedoch sind Auflösung und Farbdarstellung für normale Verhält­nisse allenfalls dem kleinen Preis angemessen.

Ein guter Preis

Medion-Superzoom-Kamera von Aldi (Nord) Schnelltest

Alles drin und alles dran: Das Ausstattungs­paket ist urlaubs­tauglich, die Strom­versorgung mit Stan­dard­zellen auch.

Ein Plus­punkt der Medion ist der Preis: 129 Euro gehen für diese Kamera in Ordnung. Zudem liefert Medion über­durch­schnitt­lich viel Zubehör mit: Neben USB-Daten­kabel, analogem und HDMI-Video­kabel, Schutz­hülle und Trage­riemen sind auch noch eine 4-Gigabyte-Speicherkarte und vier NiMH-Akkus samt Ladegerät dabei. Damit ist die Aldi-Kamera für alle, die eine güns­tige Kamera ohne ausgefeilte Einstell­möglich­keiten, aber mit sehr großem Zoom­bereich suchen, ein interes­santes Angebot.

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