Medikamentendosierer Test

Morgens drei ganze und zwei halbe Tabletten, dazu abends noch eine. Pillenboxen sollen für Sicherheit bei der Medikamenten­einnahme sorgen. Im Test schneiden vier von zehn Dosierern mangelhaft ab.

Toast, Konfitüre und Milch­kaffee gehören für ihn zum Frühstück – und eine große Portion Pillen. Fein säuberlich hat Dieter Werner seine Tages­ration neben dem Teller aufgereiht: eine lachs­farbene Kapsel, zwei halbe Tabletten in Weiß, eine kleine in Orange, ein rosa­farbenes Oval. „Das ist eine Tablette, die das Cholesterin senken soll“, erklärt der 77-Jährige und zeigt auf die läng­liche Pille, „die anderen senken den Blut­druck.“ Abends kommt noch ein Medikament vom Urologen hinzu, manchmal nimmt er auch eins für die Verdauung.

Dieter Werner liegt damit im Schnitt: Fünf oder mehr ärzt­lich verordnete Arznei­mittel nimmt gut jeder Vierte der über 65-Jährigen ein, ergab eine Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Da den Über­blick zu behalten, ist lebens­notwendig. Medikamentendosierer sollen helfen, die Tabletten für den Tag oder für die ganze Woche zu sortieren. Zehn Wochendosierer haben wir getestet. Gleich vier schneiden mangelhaft ab.

Chaos statt Ordnung

Ihr Problem: Sie sorgen für Chaos. Das zeigte sich, als die Tester jeden Wochen- und Tages­dosierer aus ein Meter Höhe auf eine harte Holz­platte fallen ließen. Bei den vier mangelhaften öffneten sich mehrere Fächer, Tabletten fielen heraus und verteilten sich über den Boden. Werden die verstreuten Medikamente nicht korrekt zuge­ordnet und darum falsch einge­nommen, kann das für Menschen wie Dieter Werner gefähr­liche Folgen haben. Auch aus einem anderen Grund hofft der 77-Jährige, dass die Pillen nicht heraus­purzeln: Jedes Bücken bereitet ihm mitt­lerweile Schwierig­keiten. Er hat Schmerzen im Knie, auch der Rücken macht nicht mehr mit.

250 Mal geöffnet und geschlossen

Hält der zu Boden gefallene Behälter es aus, dass jemand versehentlich darauf tritt? Auch das wollten wir wissen: Mit einer Kraft bis zu 1 000 Newton drückte ein Prüf­stempel auf die Tablettendosierer. Diesem Gewicht hielten fast alle stand. Nur die Tages­dosierer der JES Collection Tablettenbox ließen sich eindrücken, Schaden nahmen die einzelnen Pillen jedoch nicht.

Das Verschluss­system über­zeugte bei allen Medikamentendosierern. 250 Mal haben die Tester jeden einzelnen Behälter geöffnet und geschlossen. Auch nach dieser Prozedur hielten die Verschlüsse dicht.

Individuell auswählen

Form und Design der Pillenboxen im Test sind unterschiedlich: von medizi­nisch weiß bis regenbogen­farben, flache Kästen, hohe Boxen, Zylinder (siehe Test­kommentare in der Tabelle). Dieter Werners Tablettenbox ist klein und hand­lich. Das hängt auch mit seiner Leidenschaft fürs Reisen zusammen. Er ist 77 Jahre alt und möchte noch so viel wie möglich erleben. In Marokko und Ägypten war er kürzlich, bald will er das französische Burgund bereisen. Da kann er keinen sper­rigen Dosierer gebrauchen.

Bei drei Produkten scharfe Kanten

Wer wenig unterwegs ist, achtet besser darauf, dass der Dosierer gut steht und einfach zu hand­haben ist. Das bedeutet auch: leicht an die Tabletten zu kommen. Die meisten Probanden im Test finden es praktischer, die Medikamente aus den Behältern in die Hand zu kippen. Mit den Wochendosierern ohne einzeln entnehm­bare Tages­kassetten ist das umständlicher als mit kleinen separaten Dosierern für jeden Tag. Sind die Öffnungen zu klein, können sich große Tabletten verkanten.

Auch die Beschriftung ist wichtig. Bei zwei der getesteten Produkte hatten sogar Probanden ohne Seh­einschränkung Mühe, die Schrift zu entziffern. Drei Boxen hatten zudem unangenehm scharfe Kanten, an denen man sich verletzen könnte.

Tipp: Lassen Sie sich beim Kauf – soweit möglich – den Dosierer vorführen.

Preis sagt nichts über die Qualität

Der Test zeigt: Wie gut eine Tablettenbox durch­dacht und verarbeitet ist, lässt sich am Preis nicht erkennen. Als mangelhaft bewertet wurde sowohl einer der billigsten Dosierer für etwa 2 Euro als auch der teuerste für 19 Euro. Wir haben die Boxen in Apotheken, im Drogeriemarkt und im Sonder­postenmarkt einge­kauft, es gibt sie aber auch im Internet­versand. Patienten zahlen die Dosierer in der Regel selbst, einen Zuschuss von der Krankenkasse gibt es nicht.

Elektronisch erinnern lassen

Dieter Werner sind die Tabletten lästig. Bewusst schluckt er die größte Portion am Morgen, das Frühstück verbindet er auto­matisch mit der Einnahme der Pillen. Ist er abends unterwegs oder lässt er die Medikamente während des Urlaubs im Hotel­zimmer liegen, vergisst er die Tabletten schon mal. In solchen Momenten könnte die Pillendose „Vergiss nix“ helfen (siehe „Besonderheit“). Die Experten konnte die elektronische Tablettenbox jedoch nicht über­zeugen. In unserem Fall­test brach der Verschluss­haken der Pillendose ab und landete im Medikamentenfach. Das könnte gefähr­lich werden. Viele nehmen nur halbe Tabletten ein; sie könnten das Plastikteil leicht mit den kleinen Medikamentenhälften verwechseln und es versehentlich schlu­cken.

Tipp: Teilen Sie Tabletten nur, wenn es der Beipack­zettel erlaubt. Drücken Sie dafür ein nicht zu scharfes Messer gleich­mäßig von oben auf die Bruchkerbe der Tablette. Ein Taschentuch eignet sich als Unterlage.

Design verbesserungs­würdig

Bei den meisten Dosierern fällt auf: Beim Design gibt es noch was zu tun. Steriles Weiß und Blautöne über­wiegen. Die Anabox präsentiert sich in Regenbogen­farben. Das stimmt manchen Betrachter froh und ist oben­drein noch hilf­reich. Farbige Behälter erleichtern die Unterscheidung der Wochentage. Die Careliv Tablettenbox versucht sich als Buch zu tarnen. Mehr interes­sante Designs und hoch­wertige Materialen könnten vielleicht etwas Wichtiges bewirken: die tägliche Tabletten­einnahme ein kleines biss­chen verschönern.

Dieser Artikel ist hilfreich. 98 Nutzer finden das hilfreich.