Medikamentenabhängigkeit Meldung

Auf 1,2 Millionen Menschen schätzt man hierzulande die von starken Beruhigungsmitteln Abhängigen (Tranquilizern). Anders als Alkoholabhängige fallen sie nicht oder nur selten aus der Rolle. Sie wirken allenfalls etwas teilnahmslos und gelegentlich senil. Abhängigkeit verursachen vor allem Präparate der Gruppe der entspannend und beruhigend wirkenden Benzodiazepine. Darauf greifen behandelnde Ärzte meist zurück – obwohl sie wissen, dass diese Therapie schon nach relativ kurzer Zeit zur Abhängigkeit führt.

Dr. Rüdiger Holzbach von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Hamburg-Eppendorf hat jetzt im Hamburger Ärzteblatt an seine Kollegen appelliert, diese Praxis zu durchbrechen. Gefährdete und abhängige Patienten sollen zu einem langsamen Entzug der Droge, zum „Ausschleichen“ motiviert werden, obwohl das nicht einfach sei.

Man beginnt bei Benzodiazepinen mit einer allmählichen Dosisverringerung. Es kann zu Krämpfen und psychotischen Störungen kommen, die bei Substanzen mit langer Halbwertzeit eventuell erst nach Wochen ihr Maximum erreichen.

Der Entzug selbst dürfe nicht beschönigt werden: Zittern, Übelkeit, Schwitzen, Angst, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Wahrnehmungsveränderungen können noch nach einem Jahr bestehen. Mit Ehrlichkeit hat Dr. Holzbach gute Erfahrungen gemacht: Die Abbruchquote der Therapie habe sich deutlich verringert.

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