Medikamente und ältere Menschen Meldung

Fast jeder dritte Ältere stürzt einmal im Jahr. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun: Das höchste Sturzrisiko haben Ältere, die Antidepressiva einnehmen. test.de klärt auf.

Stolperfallen und Folgen

Bei Stürzen von Menschen über 60 Jahre sind besonders häufig Medikamente im Spiel. Die mit Stürzen verbundenen Komplikationen führen bei Älteren oft zum Verlust der Selbstständigkeit. Ein Sturz kann eine längere Bettlägerigkeit nach sich ziehen, in der Folge sogar den vorzeitigen Tod. Stürze haben viele Ursachen, zum Beispiel Stolperfallen, fehlende Beweglichkeit, eingeschränkte Koordination, verminderte Sehkraft. Mehr dazu im Artikel: Stürze im Alter: So beugen Sie vor. In einer aktuellen Metaanalyse wurde nun der Einfluss von Medikamenten auf die Sturzhäufigkeit untersucht.

Sturzrisiko und Medikamente

Das höchste Sturzrisiko haben Ältere, die Antidepressiva einnehmen. Auch Neuroleptika und Benzodiazepine, Beruhigungs- und Schlafmittel, erhöhen das Sturzrisiko. Ein Problem sind Benzodiazepine, die auch zur Abhängigkeit führen. Ärzte kennen die Problematik, verschreiben sie aber weiter, oft auf Privatrezept. Auch für Blutdrucksenker gibt es eventuell einen Zusammenhang mit einem erhöhten Sturzrisiko. Es ist aber allenfalls gering. Betablocker und Narkotika erhöhen das Sturzrisiko nach bisheriger Datenlage nicht, ebenso nicht oder nur minimal entwässernde und Antirheumamittel.

Zu viele Verordnungen

Welchen Einfluss die kombinierte Einnahme verschiedener Mittel auf das Sturzrisiko hat, ist unklar. Bei Alten werden im Schnitt acht bis neun Wirkstoffe gleichzeitig verordnet. Mehr als vier bis fünf sollten es nicht sein. Kritisch sind hier auch Mittel zur Selbstmedikation. Die schmerzdämpfende, entzündungshemmende Azetylsalizylsäure (ASS) erhöht zum Beispiel die Blutungsneigung und Alkoholzusätze verändern Medikamentenwirkungen.

Tipp

Fragen Sie den Arzt zu Risiken der Medikamenteneinnahme, ebenso wenn er Ihnen neue Mittel verordnet. Zusätzliche Informationen erhalten Sie auch in der Medikamente-Datenbank der Stiftung Warentest unter www.medikamente-im-test.de. Das Gutachten „Koordination und Integration – Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens“ finden Sie unter www.svr-gesundheit.de.

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