Die Zahl der Unfälle durch Aufputsch- und Müdemacher steigt. Den Nachweis kann die Polizei jetzt besser führen. Sich auf Unkenntnis in Pharma­fragen zu berufen, schützt vor Strafe nicht.

Wer trinkt schon einen, bevor er mit dem Auto in den Urlaub fährt? Bei Medikamenten sind die meisten Fahrzeuglenker nicht so enthaltsam: Jeder dritte Verkehrsteilnehmer nimmt regelmäßig Arzneimittel ein. Obwohl Autofahren und Arzneien sich oft nicht vertragen. Aktuelle Schätzungen gehen von etwa 100 000 Kraftfahrern aus, die sogar unter stetem Einfluss legaler und illegaler Drogen (ohne Alkohol) stehen. Etwa jedes fünfte Präparat birgt Risiken für den Straßenverkehr.

Gefährliche Mixturen

Die Vielzahl der Wirkstoffe erschwert aber Aussagen über Auswirkungen im Straßenverkehr. Neben verzögerter Reaktionszeit können Sehschwäche, Müdigkeit, Benommenheit die Folgen sein, aber auch aggressives Verhalten.

  • Unterschätzt wird das Risiko von Heuschnupfenpräparaten. Sie können müde machen.
  • Psychopharmaka wirken oft in den ersten zwei Wochen nach Beginn der Einnahme stark auf die Psyche. Auch das birgt Risiken.
  • Starke Schmerzmittel können zunächst zu Benommenheit und Stimmungsschwankungen führen. Die Pupillen können sich verengen: Das Sehen im Dunkeln wird erschwert.
  • Auch bei Augenpräparaten ist eine Beeinträchtigung des Sehvermögens möglich, Ähnliches gilt für Neuroleptika gegen Angstzustände.
  • Mittel gegen Hustenreiz haben oft einen dämpfenden Einfluss. Auch muskelentspannende Präparate enthalten zum Teil solche Wirkstoffe. Andere vermindern die Fahrleistung, da sie Übelkeit auslösen können, so zum Beispiel Mittel bei Krebserkrankungen.
  • Auch unter häufig verordneten Medikamenten befinden sich solche, die die Reaktionszeit beeinflussen: zum Beispiel Betablocker wie Beloc, Hustenblocker wie Paracodin.

Von Medikamenten abhängige Menschen – das sind insgesamt etwa 1,4 Millionen – sitzen ebenfalls am Steuer. Sehr häufig stehen sie unter dem Einfluss von Benzodiazepinen. Sie machen müde und können ähnliche Symptome wie Alkohol erzeugen. Einige Präparate beeinflussen das Fahrvermögen nur kurz nach der Einnahme, wie eventuell koffeinhaltige Schmerzmittel in hoher Dosierung, andere über einen längeren Zeitraum, wie dämpfend wirkende Antihistaminika in Anti-Allergie- oder Grippemitteln.

Informationspflicht

Der Polizei steht inzwischen ein Test (Drug-Wipe) zur Verfügung, mit dem sie Arzneimittel und illegale Drogen bestimmen kann. Mit einem Läppchen oder Papierstreifen werden Speichelproben oder der Schweiß von Stirn oder Händen analy­siert. Eine weitere Abklärung erfolgt mit Urin- und Bluttests im Labor.

Im Strafrecht ist zu beweisen, dass ein Verkehrsteilnehmer wegen der Einnahme von Medikamenten fahruntüchtig war. Falls ein Unfall darauf zurückzuführen ist, dass die Sicherheit durch eine Medikamenteneinnahme herabgesetzt wurde, schützt Unkenntnis vor Gericht nicht. Wer Medikamente einnimmt, handelt fahrlässig, wenn er sich nicht über die Wirkung informiert.

Tipp: Lesen Sie unbedingt den Beipackzettel Ihres Medikaments. Nehmen Sie Warnhinweise für Verkehrsteilnehmer ernst. Fragen Sie auf jeden Fall Ihren Arzt oder Apotheker nach den Nebenwirkungen. Hilfreich wäre ein Warnzeichen auf der Packung – zum Beispiel ein Ausrufezeichen in einem roten Dreieck.

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