Das preisgüns­tige Avastin und das deutlich teurere Lucentis scheinen bei feuchter alters­bedingter Makula-Degeneration gleich gut zu wirken. Das belegt eine kürzlich veröffent­lichte Studie. Doch nur Lucentis ist offiziell zugelassen. Die Zulassung von Avastin aber könnte die Solidar­gemeinschaft der Kranken­versicherten finanziell entlasten.

Augen­licht in Gefahr

Sie gilt als Haupt­grund für Erblindungen: die feuchte alters­bedingte Makula-Degeneration. Bei dieser typischen Alters­erkrankung sprießen in der Netzhaut krankhafte neue Blutgefäße. Sie sind gewissermaßen nicht ganz dicht, sondern setzen vermehrt Flüssig­keit in ihre Umge­bung frei. Das schädigt die Sehzellen. Die Folge: Betroffene sehen immer verschwommener und verzerrter, insbesondere im Zentrum des Gesichts­feldes. Irgend­wann erlischt das Augen­licht.

Großer Preis­unterschied

Erst seit einigen Jahren gibt es Medikamente gegen das Leiden. Die gebräuchlichsten heißen Avastin (Wirk­stoff Bevaci­zumab, Hersteller Roche) und Lucentis (Wirk­stoff Ranibi­zumab, Hersteller Novartis). Beide sind fast baugleich, wurden vom US-amerikanischen Unternehmen Genentech entwickelt und werden bis zu einmal monatlich ins Auge gespritzt. Dort blockieren sie den körper­eigenen Boten­stoff VEGF, der die Blutgefäße sprießen lässt. Doch nur Lucentis ist für die Augen­krankheit zugelassen, Avastin dagegen für mehrere Krebs­arten. Dass Ärzte es trotzdem nutzen, liegt an guten Erfahrungen damit und am Preis­unterschied: Eine einzige Dosis Lucentis kostet aktuell knapp 1 300 Euro; eine Ampulle Avastin dagegen nur rund 480 Euro – und reicht für etwa zehn Augen­behand­lungen. Interes­sant: Avastin ist nicht nur billiger, es kam schon vor Lucentis auf den Markt.

Studie belegt gleiche Wirk­samkeit

Preisgüns­tiger heißt nicht schlechter. Das zeigen Ergeb­nisse der US-amerikanischen CATT-Studie mit rund 1 200 Patienten, die diesen Mai im „New England Journal of Medicine“ erschienen sind. Demnach bessern Avastin und Lucentis die Sehschärfe bei einjähriger Behand­lung ähnlich stark. Offen sind die lang­fristige Wirk­samkeit und Sicherheit. Mehrere andere Vergleichs­studien laufen noch.

Rechts­lage weiterhin unklar

Denk­bare Folgen der wissenschaftlichen Studien: Lucentis wird billiger oder Avastin als Mittel gegen feuchte alters­bedingte Makula-Degeneration zugelassen – eventuell auf politischen Druck. Denn die wirt­schaftlich verflochtenen Hersteller bemühen sich nicht um Änderungen. „Eine Lösung muss her“, findet Dr. Georg Eckert vom Berufs­verband der Augen­ärzte. Eigentlich sollten Augen­ärzte nur das zugelassene Lucentis verwenden. „Aber manche nutzen Avastin – aufgrund der guten Erfahrungen und um den Krankenkassen, also der Solidar­gemeinschaft, Geld zu sparen.“

Tipps

  • Arzt­gespräch. Bei feuchter alters­bedingter Makula-­Degeneration kann nach dem jetzigen Stand also beides zum Einsatz kommen: Lucentis oder Avastin. Vor der Behand­lung sollte der Arzt den Patienten ausführ­lich in einem Gespräch aufklären. Bei Avastin ist eine gute Über­wachung der Behandelten besonders wichtig, weil es derzeit noch nicht zugelassen ist.
  • Medikamente im Test. Weiterführende Informationen zum Krank­heits­bild Makula-Degeneration erhalten Sie in unserer Daten­bank Medikamente im Test.
  • Test Augen­optiker. Stiftung Warentest hat ganz aktuell Augenoptiker getestet: Nur eine ist gut.

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