Medikamente bei Krebs Meldung

Etliche Krebsarten können gut behandelt werden. Auch mit Medikamenten. Ein Ratgeber der Stiftung Warentest gibt Auskunft.

Größere Bedeutung von Medikamenten

Medikamente bei Krebs Meldung

Krebsneuerkrankungen in Deutschland im Jahr 2004 laut Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland und dem Robert-Koch-Institut.

Krebsneuerkrankungen in Deutschland im Jahr 2004 laut Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland und dem Robert-Koch-Institut.

Mehr als 430 000 Menschen erkranken jedes Jahr neu an Krebs. Und die Zahl der Neuerkrankungen wird noch zunehmen, denn die Menschen leben länger, und das Krebsrisiko steigt mit höherem Alter. Das gilt zum Beispiel auch für BrustJetzt soll ein „Nationaler Krebsplan“ helfen, die Früherkennung und Therapie von Krebs zu verbessern (siehe Meldung Nationaler Krebsplan aus test 08/2008).

Die drei wichtigsten Säulen der konventionellen Krebstherapie heißen „Stahl“, „Strahl“ und „Chemie“, sie stehen für Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Bei einigen Tumorarten wird heute zusätzlich geraten, abzuwarten und den Verlauf regelmäßig zu untersuchen.

Medikamente bekommen in der Krebsbehandlung eine immer größere Bedeutung. Hormontherapien sind heute ebenso medizinischer Standard wie monoklonale Antikörper, die gestern noch im Labor erforscht wurden, oder Medikamente, die die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor hemmen. Arzneimittel gegen Krebs stammen aus vielen Wirkstoffgruppen und werden für Patienten immer individueller und zielgerichteter eingesetzt.

Die Stiftung Warentest hat jetzt einen Ratgeber zu Krebsmedikamenten auf den Markt gebracht. Solche verständlich gefassten Informationen sind bisher rar. Dabei zeigen viele Beobachtungen, dass bei Patienten, die sich gut und umfassend informiert fühlen, die Häufigkeit von Nebenwirkungen infolge einer Chemotherapie sinkt, auch einer aggressiven, und dass die Therapie besser vertragen wird. Das Buch bietet auch Informationen, für die beim Gespräch mit dem Arzt nicht immer Zeit bleibt, oder die oft „überhört“ werden, für Betroffene oder Angehörige aber wichtig sind.

Wachstum stoppen oder hemmen

Medikamente bei Krebs Meldung

Chemotherapeutika werden auch gegeben, um nach einer OP noch vorhandene Krebszellen abzutöten, Metastasen zu verhindern. Das ist nicht immer zu erreichen. Viele Medikamente wirken gut bei seltenen Tumorarten wie Lymphdrüsen-, Knochen- und Hodenkrebs sowie bei Leukämie.

Das Grundprinzip jeder medikamentösen Therapie gegen Krebs besteht darin, das Wachstum der Krebszellen mit Medikamenten möglichst dauerhaft oder wenigstens vorübergehend zu stoppen, die durch den Tumor verursachten Beschwerden zu lindern und zu verhindern, dass die Geschwulst ihre Zellen über das Blut oder die Lymphbahnen in andere Organe und Gewebe streut (Metastasen absiedelt).

Chemotherapeutika werden auch gegeben, um nach einer Operation noch vorhandene Krebszellen abzutöten und auf diese Weise zu verhindern, dass sich Metastasen bilden. Diese Ziele lassen sich zwar nicht immer erreichen, viele Krebsmedikamente wirken aber gut bei Tumorarten wie Lymphdrüsen-, Knochen- und Hodenkrebs sowie bei Leukämie.

Bei den weitaus häufigeren Organkrebsen (Darm-, Brust-, Lungen-, Blasen-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs) können Chemotherapeutika in bestimmten Situationen zur Heilung beitragen, zum Beispiel nach der Operation bei Brust- und Darmkrebs. Bei fortgeschrittenen Stadien können sie zwar keine Heilung mehr bewirken, aber häufig die Lebenszeit verlängern und krebsbedingte Beschwerden lindern. Es gilt also, gut abzuwägen, ob der Nutzen der Behandlung tatsächlich größer ist als die damit verbundenen Leiden, zum Beispiel auf Grund unerwünschter Wirkungen der Medikamente.

Für viele Tumorarten liegen standardisierte Empfehlungen vor, welche Medikamente einzeln oder kombiniert eingesetzt werden sollten und wie lange. Ob und wie oft die Therapie wiederholt werden muss, hängt auch von der Tumorgröße ab. Die Befindlichkeit und Konstitution der Krebskranken machen es jedoch oft erforderlich, von diesem Schema abzuweichen. Neuerdings wird eine Chemotherapie nicht mehr nur nach einer Operation oder Bestrahlung eingesetzt, sondern oft bereits vorher (neoadjuvante Therapie). Ziel dabei ist es, den Tumor zu verkleinern, sodass die Operation schonender ausfallen kann.

Stationär oder ambulant behandeln

Früher erfolgte eine Chemotherapie ausschließlich stationär, heute ist es vielfach möglich und üblich, sie ambulant zu verabreichen – ebenso auch andere Arzneimittel im Rahmen der Krebstherapie. Nur wenn die Medikamente sehr hoch dosiert werden müssen oder wenn schwerwiegende unerwünschte Wirkungen zu erwarten sind, die eine kontinuierliche ärztliche Überwachung erfordern, erfolgt die Chemotherapie stationär im Krankenhaus.

Die ambulante Therapie hat den Vorteil, dass die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und – je nachdem, wie sie sich fühlen – auch ihrer Arbeit nachgehen können. Für Infusionen oder Spritzen gehen sie meist in die Praxis, Chemotherapeutika in Tablettenform können sie zuhause einnehmen. Sind Infusionen häufig oder über einen längeren Zeitraum hinweg erforderlich, kann der Arzt unter örtlicher Betäubung oder kurzer Vollnarkose auch einen Venenkatheter mit einem Medikamenten-Reservoir unter die Haut legen, Port genannt. Der Vorratsbehälter aus Metall, Titan, ist mit einer Membran aus Silikon abgedeckt und mündet in einem dünnen Schlauch, der in die Schlüsselbeinvene eingelegt wird. Für die Arzneimittelgabe muss der Arzt mit einer speziellen „Portnadel“ die Haut und die darunterliegende Silikonabdeckung durchstechen. Auch eine Infusion kann auf diese Weise angelegt werden.

Einen Spezialisten finden

Für eine ambulante Chemotherapie sollte sich der Patient einen Spezialisten suchen, der sich mit diesen Medikamenten gut auskennt. Bei diesen Spezialisten handelt es sich meist um Internisten mit dem Schwerpunkt Hämatologie und internistische Onkologie (Blut- und Krebserkrankungen), auch Onkologen genannt, die in onkolo­gi­schen Schwerpunktpraxen tätig sind. Häufig sind auch andere Fachärzte erfahren in der Behandlung von Krebserkrankungen, die ihr spezielles Fachgebiet betreffen, etwa Gynäkologen bei Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs, Urologen bei Blasen-, Hoden- und Prostatakrebs.

Tipp: Erkundigen Sie sich in der Klinik, in der Sie behandelt wurden, welche niedergelassenen Ärzte schwerpunktmäßig Krebskranke behandeln und mit den Schemata der Chemotherapie vertraut sind.

Keine Angst vor Studien

Alle neuen Wirkstoffe oder auch bewährte Wirkstoffe für neue Krebsarten werden vor ihrer Zulassung in klinischen Studien geprüft. Ärzte sind darauf angewiesen, dass sich genügend Patienten an Studien beteiligen. Grundsätzlich bietet das für Patienten eher Vorteile. Körper- und Organfunktionen, Blutwerte, Allgemeinbefinden werden gründlich überwacht. Unerwünschte Wirkungen lassen sich zwar noch nicht so gut einschätzen, aber die Patienten könnten Medikamente erhalten, die allgemein noch nicht zugänglich sind, aber bereits vielversprechende Effekte gezeigt haben.

Andere Anwendung

Krebsmedikamente werden oft außerhalb der zugelassenen Indikation eingesetzt (Off-label-use). Informationen darüber stehen nicht in Packungsbeilagen für Patienten oder den offiziellen Fachinformationen für Ärzte – das Buch „Medikamente bei Krebs“ gibt auch dazu Hinweise. Ärzte dürfen Arzneimittel überall dort einsetzen, wo sie es mit ihrem Gewissen und medizinischem Sachverstand vereinbaren können – unter der Voraussetzung, dem Patienten nicht zu schaden. Der Arzneimittelhersteller haftet dann aber nicht mehr unbedingt für durch ein Medikament eventuell ausgelöste Schäden. Patienten sind aber weiter über die ärztliche Haftung versi­chert (siehe auch unser Online-Portal Medikamente im Test).

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