Medikamente Viele beliebte Arznei­mittel wenig geeignet

Medikamente - Viele beliebte Arznei­mittel wenig geeignet
© Stiftung Warentest / Daniel Coenen

Rund 500 von 2 000 rezept­freien Arznei­mitteln aus unserer Daten­bank Medikamente im Test sind keine gute Wahl – darunter auch bekannte Mittel wie Wick MediNait, Aspirin Complex oder Thomapyrin. Hier erklären wir, warum unsere Arznei­mittel­experten sie für wenig geeignet halten.

Inhalt

Zulassungs­behörden prüfen anders als die Stiftung Warentest

Mehr als 100 000 Medikamente sind derzeit in Deutsch­land zugelassen. Etwa die Hälfte gibt es nur auf ärzt­liche Verordnung, der Rest ist ohne Rezept erhältlich. Dass sich mit diesen Mitteln ein spür­barer Nutzen verbindet und dass Patienten sie bedenkenlos einnehmen können, ist damit nicht gesagt. Im Gegen­teil. Laut Einschät­zung unserer Arznei­mittel­experten sind viele nicht zu empfehlen. Ein Viertel der 2 000 rezept­freien Medikamente in der Daten­bank der Stiftung Warentest bekommt die schlechteste Bewertung: „wenig geeignet“. Auch bekannte Namen wie Aspirin Complex, Thomapyrin oder Gaviscon Advance fallen in diese Kategorie (Tabelle: Wenig geeignete Mittel). Der Grund: Die Zulassungs­behörden prüfen anders als die Stiftung Warentest.

Geld sparen und gesund werden

Schnell, aktuell und über­sicht­lich: Wir haben unsere Daten­bank Medikamente im Test neu gestaltet.

Nie mehr unvorbereitet in die Apotheke: Unsere Daten­bank enthält Arzneien, die laut Markt­analysen oft verkauft oder laut Arznei­ver­ordnungs-Report oft verschrieben werden.

Einfache Suche.
Recherchieren Sie zu Krank­heits­bildern, Medikamenten und möglichen Neben­wirkungen. Vergleichs­tabellen mit Preisen erleichtern Ihnen kostenbewusste Entscheidungen. Spezielle Infos gibt es etwa zur Behand­lung von Kindern und Älteren.
Durch­blick für 3,50 Euro.
Was kann Schmerzen verursachen? Was hilft bei Schnupfen? Wann sollten Sie wegen Ihres Sodbrennens zum Arzt? Allgemeine Infos können Sie gratis abrufen, ebenso den Über­blick über alle geprüften Medikamente und Wirk­stoffe. Die Frei­schaltung der kompletten Medikamenten-Daten­bank mit allen Bewertungen kostet 3,50 Euro. Wer eine test.de/Flatrate hat, kann natürlich kostenlos in der Daten­bank stöbern.

Behörden prüfen Zulassungs­anträge

In Deutsch­land entscheidet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm), ob ein Medikament zugelassen wird; soll es europaweit auf den Markt, ist die europäische Arzneimittelagentur Ema zuständig. Die Pharma­hersteller müssen gegen­über den Behörden nach­weisen, dass ihr Medikament wirk­sam, von guter pharmazeutischer Qualität und für den Nutzer unbe­denk­lich ist. Um das zu belegen, führen die Unternehmen Studien durch, oft mit Tausenden Probanden. Die Erhebungen sollen belegen, dass das Medikament bestimmte Erkrankungen oder Symptome lindert, und dass die positiven Effekte größer sind als die Risiken.

Der Anspruch der Stiftung Warentest

Das ist auch unseren Gutachtern wichtig; zusätzlich wollen sie aber wissen, wie ein Mittel lang­fristig wirkt, und ob es von hohem Nutzen für die Patienten ist. Für die Stiftung Warentest bewertet ein Team aus unabhängigen Fachleuten unter Leitung des Pharmazeuten Gerd Glaeske Arznei­mittel, die in Deutsch­land am meisten verordnet oder ohne Rezept verkauft werden. Glaeske forscht als Professor an der Universität Bremen zu Arznei­mittel­versorgung, die Experten sind Pharmazeuten und Mediziner aus verschiedenen Fach­richtungen.

Gutachter legen strengere Maßstäbe an

Medikamente - Viele beliebte Arznei­mittel wenig geeignet
„Nur weil ein Arznei­mittel in Deutsch­land zugelassen ist, muss es nicht empfehlens­wert sein.“ Gerd Glaeske, Pharmazeut und unabhängiger Experte der Stiftung Warentest © photothek / Raphael Huenerfauth

Viele Wirk­samkeits­studien der Hersteller genügen den Ansprüchen unseres Fach­gremiums nicht. „Die Studien laufen oft zu kurz“, sagt Glaeske. „Neben­wirkungen, die häufig erst nach längerer Einnahme entstehen, lassen sich so nicht erkennen.“ Auch die Kriterien dafür, welche Studien in die Bewertung einfließen, sind bei unseren Gutachtern strenger als bei den Zulassungs­behörden: Glaeskes Team sichtet zunächst alle veröffent­lichten Unter­suchungen zu einem Medikament – auch solche, die nicht der Hersteller durch­geführt hat, sondern die beispiels­weise aus der üblichen Patienten­versorgung stammen. Außerdem sollten die Studien einem hohen qualitativen Stan­dard genügen und in einer renommierten Fach­zeit­schrift erschienen sein. Denn dort werden die Daten vor der Veröffent­lichung von einem Gutachtergremium geprüft.

Unser Rat

Alternativen finden.
Viele Beschwerden lassen sich erst einmal ohne Arzt lindern – mit rezept­freien Mitteln. Doch nicht alles im Regal ist auch eine gute Wahl. In unserer Daten­bank Medikamente im Test finden Sie gute und güns­tige Alternativen zu wenig geeigneten Mitteln. Für 3,50 Euro erhalten Sie die Bewertungen unserer unabhängigen Experten zu rund 2 000 rezept­freien und 7 000 verschreibungs­pflichtigen Medikamenten.
Geld sparen.
Unsere Daten­bank Medikamente im Test zeigt zu vielen Wirk­stoffen bekannte Marken und preisgüns­tige Generika (Nach­ahmerpräparate) – jeweils mit Kosten­angabe. Die Daten werden alle 14 Tage aktualisiert.

Neben­wirkungen im Blick

Die schlechteste Bewertung bekommt ein Medikament, wenn seine therapeutische Wirk­samkeit nicht ausreichend belegt oder im Vergleich zu seinen Neben­wirkungen gering ist – wie bei einigen Mitteln gegen Magen-Darm-Leiden, etwa Abtei-Abführ­kapseln mit Rizinusöl oder Kräuterlax mit Aloe bei Verstopfung. Sie wirken drastisch abführend, reizen dadurch den Darm stark. Es gibt bessere Alternativen (Tabelle: Wenig geeignete Mittel).

Video: Kombimittel oft nicht sinn­voll und auch teurer

Unter den Medikamenten, von denen die Stiftung Warentest abrät, sind außerdem viele Kombinations­präparate mit mehreren Inhalts­stoffen. Bekannte Beispiele: Schmerz­mittel wie Doppel Spalt Compact, Neuralgin, Thomapyrin oder Erkältungs­mittel wie Aspirin Complex, Grip­postad C, Wick MediNait. Oft ergänzen sich die Wirk­stoffe nicht sinn­voll. Zudem steigt das Risiko von Neben­wirkungen bei mehreren Inhalts­stoffen. Hinzu kommt, dass einige Mittel Koffein oder Alkohol enthalten: Koffein aber kann zu Gewöhnung und erhöhtem Verbrauch führen, Alkohol die Wirkung verstärken.

Einzel­wirk­stoffe lieber separat einnehmen

Kombimittel mit bekannten Namen sind zudem oft teuer. Einzel­wirk­stoffe separat einzunehmen ist bei Schmerzen und Erkältung besser – und güns­tiger.

Nutzer­kommentare, die vor dem 24.06.2019 gepostet wurden, beziehen sich auf eine ältere Fassung dieses Artikels.

Mehr zum Thema

  • DocMorris unterliegt vor Gericht Video-Apotheke bleibt verboten

    - Der Bundes­gerichts­hof hat DocMorris endgültig den Betrieb von video­unterstützten Abgabe­terminals für Medikamente verboten und damit die Urteile beider Vorinstanzen...

  • Online-Apotheken im Vergleich Fachlich selten über­zeugend

    - Der Vergleich von Versand­apotheken offen­bart fachliche Mängel, nur eine Online­apotheke ist gut. Wir sagen, was Sie beachten müssen und wie Sie sparen können.

  • Medikamente im Test Über 9000 Medikamente für 132 Krankheiten

    - Bei Medikamente im Test erfahren Sie, welches Medikament sich am besten für Sie eignet. Ein herstel­ler­unabhängiges Experten­team hat die Mittel über­prüft und bewertet.

9 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

030507 am 09.07.2019 um 13:02 Uhr
Test irgendwie einseitig, alsBeispielHalstabletten

Antiseptika sind gegen Viren nur lückenhaft oder gar nicht wirk­sam,
dafür Ambroxol und zuckerfreie Bonbons, vor allem die Emser Pastillen sind da besonders wirksam.
Benzocain kann leicht Allergien hervorrufen, Lidocain aber nicht.
Was sind das für Aussagen?

halsbandschnaepper am 27.06.2019 um 06:18 Uhr
Eine Lanze gegen MediNait

Wie Stiftung Warentest schreibt ist das Medidament ein Mix aus verschiedenen Wirkstoffen.Das zu nehmen ist wie mit Kannonen auf Spatzen zu schießen. Meines Erachtens spricht nichts für dieses Medikament außer Faulheit, da man sich nur ein Medikament einehmen muss. Besser ist es sich geziehlt ein Mittel zu nehmen. Das wichtigste ist ein Schmerzmittel wenn man Fieber/Kopfschmerzen hat. Dann kann man ggf. geziehlt noch etwas gegen Schnupfen, Halschmerzen etc nehmen wenn das braucht. Fast nie hat man alle Erkältunssymptome gleichzeitig. Jeder Wirkstoff hat auch seine Nebenwirklungen, daher lieber nur gezielt das nehmen was man wirklich braucht.
PS:
Die Marke heißt "MediNait" und nicht "MediNight" wie mein Vorschreiber meint.

halsbandschnaepper am 26.06.2019 um 06:46 Uhr
@Kreuter Parazetamol

Jedes Medikament hat bei Überdosierung Nebenwirkungen auch andere Schmerzmittel wie ASS oder Imbuprofen. Gerade von ASS aka Aspirin ist abzuraten, da es auch bei normaler Dosierung schon stark blutverdünntent wirkt und damit Hirnblutungen etc fördert.

temri am 24.06.2019 um 19:09 Uhr
Fast alles ist in Überdosis gefährlich

@Kreuter: Warum Überdosis? Die meisten Menschen können lesen. Und gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 05.02.2018 um 10:13 Uhr
PDF-Fassung

@Flight: Es handelt sich um keinen Artikel, der auch im test-Heft erschienen ist. Es gibt Artikel, die nur online erscheinen. Bitte nutzen Sie die Druckfunktion Ihres Browsers oder ein Zusatzprogramm zur Erstellung einer PDF aus dem Browserfenster heraus. (maa)