Medienfonds Meldung

Filmproduktion „Herr der Ringe“ des Fondsanbieters Hannover Leasing.

Bayerns Finanzverwaltung will rund 100 000 Anleger von ­geschlossenen Medienfonds zur Kasse bitten.

Forderung. Die bayerische Finanzverwaltung will die hohen Verlustzuweisungen für Medienfonds nicht anerkennen. Anleger sollen bereits geltend gemachte Verluste zurückzahlen. Von der Entscheidung betroffen sind etwa 100 000 Anleger, die sich zwischen 1999 und 2005 mit insgesamt 5,5 Milliarden Euro an Filmfonds beteiligt haben. Betroffen sind Anbieter wie Hannover Leasing, KGAL und LHI Leasing.

Praxis. Langjährige Beteiligungen an Medienfonds waren vor allem aus Steuerspargründen beliebt. Die Fonds wiesen gleich zu Anfang bis zu 90 Prozent Verlust aus, weil die Produktion der Filme teuer und sofort als Betriebsausgabe absetzbar war. Zudem gab es Bankgarantien für Lizenz- und Schlusslizenzzahlungen, die die Anlegereinlagen absicherten.

Änderung. Die Finanzverwaltung meint, dass der Anspruch auf die Schlussgarantie ein Vermögenswert ist, der bereits im Erstjahr des Fonds zu aktivieren sei. Daher seien die Anfangsverluste geringer. Für Anleger bedeutet das, dass sich ihre anfänglichen Verlustzuweisungen auf bis zu 10 Prozent reduzieren. Sie müssen – sofern sich die Finanzverwaltung durchsetzt – zu wenig gezahlte Steuern plus Zinsen nachzahlen.

Ausweg. Initiatoren wie Hannover Leasing, KGAL und LHI Leasing kritisieren die Finanzverwaltung scharf. Früher habe diese dem steuerlichen Konzept zugestimmt, erklären die Anbieter. Anleger müssten derzeit nichts tun, weil die Finanzverwaltung angeboten habe, die geänderten Steuerbescheide erst nach einer gerichtlichen Klärung zu verschicken. Anlegeranwälte wie Peter Mattil aus München weisen darauf hin, dass Anleger von Prospektherausgebern und Beratern Schadenersatz fordern könnten, wenn diese bei Vertragsschluss nicht über die unsichere Steuersituation aufgeklärt haben.

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