Mediation Meldung

Umpf! Wenn der Scheidungskrieg tobt, fällt vernünftiges Verhandeln schwer. Mediatoren helfen, miteinander zu reden.

Vor Gericht bleibt meist einer der Streitenden auf der Strecke. Der Mediator kann dagegen zu einer Lösung verhelfen, mit der beide Seiten gut leben.

Werner und Ulrike Vogt* wollen sich scheiden lassen. Die Frau sorgt sich nun um ihren Lebensunterhalt. Die 32-Jährige ist nicht berufstätig und fürchtet, dass ihr Mann ihr nichts zahlen will.

Das Paar hat ein gemeinsames Kind. Der Mann hat Angst, dass seine Frau ihm den Umgang mit dem sechsjährigen Sohn Jan verbietet. Klären können sie das nicht, da jeder Versuch eines Gesprächs in einen Streit ausartet.

In ihrer Angst droht Frau Vogt ihrem Mann tatsächlich, ihm den Umgang mit Jan zu verbieten. Der rennt sofort zum Familiengericht und beantragt das alleinige Sorgerecht – obwohl er sich mit seinem Fulltimejob nie wirklich um das Kind kümmern könnte.

„In solchen Fällen reagieren die Parteien oft über“, sagt Angelika Teichert, Mediatorin und Fachanwältin für Fami­lienrecht in Berlin. Sie berichtet diesen Fall aus ihrer Praxis.

Bevor der Streit noch weiter eskaliert, schlägt Werner Vogt eine Mediation vor. Seine Frau ist skeptisch, macht aber mit. In der Mediation gelingt es ihnen, endlich offen miteinander zu reden.

So kommt heraus, dass Ulrike Vogt ihrem Mann gar nicht das Kind vorenthalten will, sondern nur einen angemessenen Unterhalt möchte. Und Werner Vogt hat nie daran gedacht, seine Frau ohne einen Cent sitzen zu lassen. Nur fair soll der Unterhalt sein.

Auf dieser Basis hatten die beiden kein Problem mehr, sich zu einigen. Hätte das Paar den Streit vor Gericht ausgefochten, hätten sie kaum so eine einvernehmliche Einigung erzielt. In erster Linie wären Schmerz, Wut und Frustration zurückgeblieben.

Auch später in die Augen schauen

Spielen in einen Streit persönliche Beziehungen hinein, führt die rechtliche Lösung oft nicht zu einem befriedigenden Ergebnis für beide. Auch Erbstreitigkeiten und Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber können durch ein Urteil nur schlecht gelöst werden.

Egal, wie der Richter entscheidet, das Verhältnis zwischen den Streitenden bleibt meist auf Dauer vergiftet. Eine Lösung des Dilemmas verspricht die Mediation. Sie ist ein außergerichtliches Verfahren, bei dem ein neutraler Dritter – der Mediator – den Streitenden hilft, ihr Problem gemeinschaftlich und zum Nutzen beider zu lösen.

Anders als der Richter hat der Mediator keine Entscheidungsmacht. Er wirkt mehr als Moderator. „Ein Streit ist Ausdruck einer ins Stocken geratenen Kommunikation“, sagt Anwalt und Mediator Michael Stein aus Lehrte. „Ein Mediator hilft den Gegnern, diese Sprachlosigkeit zu beenden und gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten.“

Das Ziel ist, als unparteiischer Dritter Offenheit, Vertrauen und Toleranz bei den Streitenden zu fördern und am Ende einen verbindlichen Vergleich zu schließen. Daran müssen sich dann die Parteien halten.

So ein Weg hat gegenüber einem Gerichtsverfahren Vorteile. Die gemeinsa­me Lösung hilft, dass die Streitenden sich in Zukunft noch in die Augen sehen können. „Außerdem ist die Mediation zukunftsorientiert, anders als das Gerichtsverfahren“, erklärt die Münchner Rechtsanwältin Marietta Birner. „Die Vergleichsvereinbarung löst nicht nur das aktuelle Problem, sondern soll auch die gemeinsame Zukunft der Streitenden gestalten.“

Recht haben ist nicht alles

Die Mediation geht auch weiter als ein Spruch des Richters. „Oft beschränkt sich das Problem nicht nur auf die rein rechtliche Ebene“, weiß Stein. „Die gerichtliche Lösung geht dann daran vorbei, denn das Recht ist schließlich nur ein Teil der Realität.“

Deswegen versucht der Mediator, durch die Gespräche mit den Streitenden deren wahre Ziele herauszufinden. Das macht der Richter nicht.

Weitere Vorteile der Mediation sind Zeit- und Kostenersparnis. „Ein kompliziertes Scheidungsverfahren etwa kann bis zu drei Jahren dauern“, berichtet Teichert. Eine Mediation kann, je nach Fall, binnen Tagen, Wochen oder wenigen Monaten abgeschlossen sein. Sie kann auch günstiger sein als ein Gerichtsverfahren (siehe Tipps).

Nicht nur scheidungswillige Ehepaare gehen zum Mediator. Wirtschaftmediator Stein berichtet von einem 65-jährigen Mittelständler, der seine Firma an seinen Sohn übergeben wollte. Während der einjährigen „Testzeit“ kam es zu starken Differenzen zwischen den beiden, da ihre Vorstellungen von der Firmenführung zu unterschiedlich waren. Sie sprachen nicht mehr miteinander, die Übergabe drohte zu scheitern.

Mediator Stein verhalf ihnen zu einer Lösung. Die drei trafen sich „zu einem letzten Versuch“ in einem Hotel in Hannover – auf neutralem Boden. Beide erklärten dem Mediator ihre Sicht des Streits. Der andere hörte zu.

Danach half Stein die Motive, die letztlich hinter dem Streit steckten, herauszuarbeiten. Der Vater wollte sein Lebenswerk erfolgreich fortgesetzt sehen und den guten Familienzusammenhalt sichern. Der Junior wollte neue und eigene Ideen verwirklichen.

Durch das Aufdecken der Motive kam eine Vereinbarung zustande, die beiden nützte. Der Sohn bekam 50 Prozent des Geschäfts und hatte dort auch weitgehend freie Hand. Der Vater behielt die andere Hälfte, mit seinem langjährigen Prokuristen als Geschäftsführer. Ein Beirat aus dem Steuerberater und einem Banker achtete drei Jahre lang darauf, dass beide Interessen gewahrt blieben.

Inzwischen hat der Vater die Firma erfolgreich ganz an den Sohn übergeben. Die Mediation hat 11 Stunden gedauert und rund 2 600 Euro gekostet.

Beide müssen wollen

Meist finden Mediationen an einem neutralen Ort statt. Der Ablauf der Verhandlung kann unterschiedlich sein, je nach Ausbildung des Mediators.

Manche wollen, dass bei allen Gesprächen immer alle Beteiligten anwesend sind, um volle Offenheit zu erreichen und die Gefahr zu vermeiden, parteiisch zu wirken. Andere führen auch Gespräche unter vier Augen, da nach ihrer Ansicht so am besten die wahren Wünsche der Streitenden zutage treten.

Grundsätzlich können alle Streitenden eine Mediation versuchen. Eine Garantie für eine erfolgreiche Lösung gibt es aber nicht. Beide müssen die Einigung wollen. Sie kann nicht funktionieren, wenn einer der Streitenden letztlich nicht gesprächs- oder kompromissbereit ist.

Scheidungsmediationen können scheitern, wenn einer der Partner sich noch nicht trennen will oder die Trennung noch zu frisch ist. „Leidet ein Partner noch zu sehr unter der Kränkung des anderen, dann genügt ein falsches Wort und der Betroffene explodiert“, warnt Mediatorin Teichert. Und dann fliegen wieder die Fetzen.

*Namen von der Redaktion geändert.

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