Matratzenkauf: Unter Schaum­schlägern

Matratzenkauf und Lattenroste Test

Hoch gestapelt. Extradicke Matratzen sind oft teuer – und meist nicht nötig.

Viele Händler und Hersteller in der Bettenbranche erzählen Unsinn, dass sich die Lattenroste biegen. Unsere Prüfungen enttarnen haltlose Werbe­versprechen. Häufig geht es zielsicher zur teuersten Matratze – auch wenn die für den Kunden gar nicht die beste Matratze ist.

Inkognito unterwegs im Bettenwunder­land

„Die Prinzessin auf der Erbse ist kein Märchen“, sagt der Verkäufer in einem der größten Bettenhäuser Berlins, als wir es uns auf dicken, flauschigen Matratzen bequem machen. Selbst durch eine gute Matratze sei alles spür­bar; alles darauf und darunter beein­flusse die Liegeeigenschaften. Ein hoch­wertiger Lattenrost sei deshalb wichtig. Das ist nicht das einzige falsche, aber verkaufs­fördernde Argument, das uns Händler auftischen. Als Pärchen getarnt lassen sich Redak­teure inkognito in mehreren Fach­geschäften beraten. Gleich­zeitig unter­suchen unsere Experten im Labor 14 Matratzen und 10 Lattenroste und werten die Ergeb­nisse der mehr als 200 seit 2009 geprüften Matratzen aus. Werden die Verkäufer Modelle empfehlen, die auch im Test gut abschneiden?

Tipp: Neun Verkaufs­argumente und deren Einordnung durch die Matratzen-Experten finden Sie im Unter­artikel Neun Verkäufersprüche im Check.

Zielsicher zur teuersten Matratze

Unsere Matratze sei zehn Jahre alt, sagen wir, der Lattenrost auch. Geht es nach dem Verkäufer, tauschen wir gleich beides aus: „Niemand kauft ein neues Auto und lässt die Stoß­dämpfer des alten einbauen.“ Dass selbst ein güns­tiger Rost 20 Jahre und länger halten kann, erwähnt er nicht. Die Kalt­schaum­matratze, auf der wir liegen, thront auf einer Hightech-Unterfe­derung mit einzeln verstell­baren Tellern. Der Verkäufer sieht nach, ob unsere Wirbelsäulen gerade liegen, stellt bei dem einen Rost die Schulterzone etwas weicher ein, beim anderen hebt er den Bein­bereich an. Wir rollen hin und her, um die Matratze auszupro­bieren. Der Verkäufer deutet das als unbe­quemes Liegen. Das sei nicht das perfekte Modell für uns. Das nächste ist noch weicher, wir sinken tief ein – obwohl wir eine mittel­feste Matratze suchen. Nach Aussage des Verkäufers liegen Schultern und Becken nun aber auf einer perfekten Linie, die Hüfte werde optimal abge­stützt. In der Schlafkuhle bleiben wir still liegen. Für den Verkäufer beweist das: Es ist die richtige Matratze.

Tipp: Die Test­ergeb­nisse aller seit 2008 untersuchten Matratzen stehen im Produktfinder Matratzen auf test.de. Der Vergleich zeigt: Die zuletzt geprüften teuren Kalt­schaum­matratzen zu Preisen zwischen 600 und 1 390 Euro sind nicht besser als andere, die die Hälfte kosten – ja nicht einmal besser als Roll­matratzen von Aldi oder Lidl.

Dickes Versprechen auf dünner Grund­lage

Die Technogel Piacere besteht laut Hersteller aus Kalt­schaum aus Italien und einer ein Zenti­meter dicken Gelauflage. Auf ihr, sagt der Berater, müssten wir uns nachts nicht mehr umherwälzen, um eine bequeme Lieg­epos­ition zu suchen. Unsere Tief­schlafphase verlängere sich so um bis zu 45 Prozent. Ein dickes Versprechen auf dürrer wissenschaftlicher Basis: An der Studie, die er anführt, waren nur zwölf Personen beteiligt. Oben­drein trans­portiere das Gel Körperwärme ab und sorge für eine angenehme Temperatur. Das italienische Wunder hat seinen Preis: 1 890 Euro pro Person samt passendem Lattenrost. In anderen Bettenläden machen wir ähnliche Erfahrungen. Früher oder später landen wir fast über­all auf teuren Matratzen und Federungen. Am Ende sind wir in so viele Schaum­stoffe einge­sunken, dass wir fast an die Werbe­versprechen glauben.

Versprochene Vorzüge nicht mess­bar

Matratzenkauf und Lattenroste Test

Zurück im Büro, holen uns die Test­ergeb­nisse zurück in die Realität. Die Technogel Piacere ist eine mittel­mäßige Matratze. Nur kleine Personen liegen auf ihr bequem, große und schwere liegen nicht optimal. Die angepriesene Temperatur­regulierung sorgt keineswegs für heraus­ragende Wärme- und Feuchte­regulierung. Der Vergleich aller Testergebnisse seit 2009 zeigt: Viele der verkaufs­fördernden Argumente im Handel sind Bluffs, die für Kunden teuer werden können. Die aktuell geprüften hoch­preisigen Modelle etwa sind nicht besser als andere, die die Hälfte kosten, ja nicht einmal besser als Roll­matratzen von Aldi oder Lidl. Gute Matratzen gibt es als Aktions­ware ab 70 Euro, die beste jemals getestete kostet 199 Euro. Teure Lattenroste können sich Käufer sparen, ebenso wie Schoner und Auflagen.

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