Matratzen Test

Manche Hersteller versprechen zu viel des Guten. Unser Test zeigt: Eine Matratze, auf der es sich gut liegen lässt, muss weder aufwendig gebaut noch teuer sein.

Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch im Bett. Um Kraft zu schöpfen für die restlichen zwei Drittel. Damit ihm das gelingt, braucht er zumindest eine gute Schlafstatt. Mit allerlei Marktneuheiten versprechen Matrat­zenhersteller, dafür zu sorgen. Einige haben neue Systeme zur Belüftung oder Härteregu­lie­rung entwickelt. Andere über­­raschen mit ganz neuartigen Materialien oder kombinieren verschiedene Materialien, zum Beispiel Schaumstoff und Federkern. Wir haben nach solchen „Inno­va­tionen“ Ausschau gehalten und wollten wissen, was diese Neuerungen bringen. Die zehn geprüften Matratzen haben eine Größe von 0,90 mal 2 Meter und kosten zwischen 99 und 800 Euro.

Um eines vorwegzunehmen: Auf fast allen Matratzen im Test lässt es sich „gut“ liegen. Einzige Ausnahme: Die Schlaraffia Vegaplus lässt den Schlafenden zu tief einsinken. Das behindert die nächtlichen Bewegungen des Körpers. Die sind aber wichtig, damit der Schlaf erholsam wird: Nur durch Bewegung nehmen die Bandscheiben Flüssigkeit und somit Nährstoffe auf – die Wirbelsäule regeneriert sich.

Matratze mit Viskoschaum jetzt „gut“

Frühere Tests zeigten: Besonders Matratzen aus viskoelastischem Schaumstoff schränken die nächtliche Bewegung ein, weil das Material für einige Zeit die Form behält, die der Schlafende „eindrückt“ – die Bewegungen werden erschwert.

Der Hersteller Bettina hat jetzt eine Matratze mit einem Kaltschaumkern auf den Markt gebracht, dem eine Viskoschaumschicht aufliegt. Sie ist jedoch so dünn, dass dieser Effekt nicht auftritt. Das Ergebnis überzeugt durch gute Liegeeigenschaften und exzellente Haltbarkeit. Aber auch die anderen Matratzen im Test sind „gut“ bis „sehr gut“ haltbar. Nur die Latexmatratze von Dunlopillo fällt etwas aus dem Rahmen. Nach der Dauerprüfung, die eine Nutzung von etwa zehn Jahren simuliert, büßte die Matratze in der Mitte fast einen Zentimeter an Höhe ein – so viel wie sonst keine andere Matratze im Test. Und das, obwohl der Hersteller für dieses Produkt „beste Dauergebrauchseigenschaften garantiert“.

Werbelyrik, die schlicht falsch ist

Ein echtes Ärgernis sind die Werbeversprechen der Branche. Mit ausschweifender Matratzenlyrik werden dem Kunden oft Vorteile vorgegaukelt, die keine sind. Beispiel Schlaraffia: Die Aussage „aktive Lendenwirbelstütze“ ist schlicht falsch, weil die Matratze das nicht leisten kann. Auch die Bezeichnung „für Hausstauballergiker geeignet“ übertreibt: Gegen Aller­gene wie Milbenkot kann diese Matratze gar nichts ausrichten. Lediglich der Bezug ist waschbar.

Viele Hersteller heben das Schlafklima besonders hervor. So hat etwa Dunlopillo seine Latexmatratze mit Kunststofffedern aufgerüstet, um die Belüftung zu verbessern. Gegenüber den anderen Matratzen zeigt sich hier aber kein Vorteil. Ohnehin wird der Einfluss der Matratze auf das Schlafklima oft überschätzt. Wichtiger ist das Raumklima – also weder ein zu warmes noch zu feuchtes Zimmer. Zudem droht in einem zu kalten und schlecht gelüfteten Schlafgemach Schimmelbefall, wie unsere Analysen zeigen.

Es geht auch einfach, gut und günstig

Dass es auch ohne Schnickschnack geht, zeigt die Schaumstoffmatratze von Ikea: Einfach gebaut und trotzdem „gute“ Liegeeigenschaften nebst hervorragender Haltbarkeit – und mit 99 Euro unschlagbar günstig. Leider fehlt dem Ikea-Modell ein abnehmbarer und waschbarer Bezug.

In puncto Schadstoffe, die aus der Matratze ausdünsten, konnten wir allen ein „Gut“ oder „Sehr gut“ bescheinigen. Nur direkt nach dem Auspacken zeigten sich mitunter recht hohe Konzentrationen flüchtiger Verbindungen, die aber nach einem Tag meist verflogen waren. Auch Schadstoffe im Matratzenmaterial sind selten ein Problem. Nur in den Modellen von Ikea, Bettina und Dunlopillo fanden wir erhöhte Mengen an Weichmachern (Phthalate). Diese stehen im Verdacht, langfristig die Gesundheit zu beeinträchtigen – und haben daher aus unserer Sicht in einer Matratze nichts zu suchen.

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