Matratzen Test

Ob der Körper optimal gestützt wird, lässt sich an der Verformungslinie erkennen. Sie zeigt die Verformung der Matratze durch den Körper.

Wer in den Matratzenladen geht, sollte gut vorbereitet sein. Wir geben bei 16 Modellen Unterstützung. Vier Schaumstoffmatratzen liegen im Testvergleich vorn.

Was die Betten betrifft, ist unser Land auf einem guten Weg. Mit dem Aufschwung klappte es wenigstens im Matratzenhandel. Mit jährlichen Steigerungsraten von fünf bis zehn Prozent sorgte er europaweit für Umsätze, von denen andere nur träumen konnten.

Allerdings mussten wir im September der Beratungs- und Servicequalität beim Matratzenkauf in Fachgeschäften, Kaufhäusern sowie bei Discountern ein meist schlechtes Zeugnis ausstellen: „Hauptsache verkaufen“ überschrieben wir unsere Untersuchung. Nur selten wurden wir gut und umfassend beraten.

In diesem Heft stellen wir 16 Matratzen vor. Zwölf von ihnen waren uns im September angepriesen und danach auf Haltbarkeit und Liegeeigenschaften untersucht worden. Jetzt kamen sie mit vier neuen Modellen in den Volltest. Ihr Steckbrief: 0,90 mal 2 Meter groß, 99 bis 600 Euro teuer. Die wichtigsten Mitglieder der weit verzweigten Familie sind vertreten – Federkern-, Schaumstoff- und Latexmatratzen. Sechs Modelle schnitten „gut“ ab. Der größte Teil war Mittelmaß.

Der Trend zum Schaum

Matratzen Test

Wie's da drinnen aussieht: Während der Dauerprüfung für die Haltbarkeit haben sich die Stahlfedern regelrecht ins darüber liegende Polster der Matratze hineingeschnitten (Kaufhof/Galeria und Femira Novawell Flex).

Das Testergebnis bestätigt einen schon längere Zeit zu beobachtenden Trend: Die einst nicht ganz zu Unrecht verpönte, dafür aber billige Schaumstoffmatratze hat inzwischen mächtig in der Qualität aufgeholt, aber leider auch im Preis. Die vier Besten des Testfelds gehören diesem Zweig der Matratzenfamilie an: Liegeeigenschaften, Schlafklima, Haltbarkeit und Handhabung überzeugen. Nur die Latexmodelle Ruf M 8 plus und die baugleiche SLM 700 können da mithalten.

Aber auch die Federkernmatratze hat noch lange nicht ausgedient – vor allem aus preislichen Gründen. Allerdings hat das normale Federkernmodell in den Tests der letzten Jahre meist nicht besonders gut abgeschnitten. Auch diesmal kommt kein Modell auf „gut“.

Besser waren in vergangenen Tests häufig die Taschenfederkernmatratzen: Die Metallfedern unter der Polsterung sind bei ihnen Stück für Stück in kleine, miteinander verbundene Stoffsäckchen eingenäht. Damit geben sie eher punktuell als großflächig nach, was dem Schlafkomfort zugute kommt.

Allerdings konnte der einzige Vertreter dieser Gattung im Test, die Breckle Vital Plus 333, jetzt auch nicht rundum überzeugen („befriedigend“) – trotz ihrer genoppten Oberfläche. Das „Massagepolster“ (O-Ton Breckle) verspricht sozusagen Akupressur im Schlaf. Ein ähnliches Konzept verfolgt Diamona Fitness Plus mit dem „Vitalpunktpolster“ („... über 1 400 Vitalpunkte wirken angenehm Haut massierend“). Dieser Matratzentyp liegt übrigens voll im Trend. Ob es wirkt? Hier hilft nur ausprobieren.

Viskoelastischer Schaumstoff (im Test: f.a.n. Thermomed) ist ein bisschen mit Vorsicht zu genießen: Der „Memoryschaum“ reagiert auf Wärme und Druck und schmiegt sich in ganz besonderer Weise an den menschlichen Körper an. Dabei reagiert er zeitverzögert: Wenn man sich bewegt und damit den Druck verringert, dauert es einige Sekunden, bis der Matratzenkern wieder seine ursprüngli­che Form angenommen hat. Die Liegemulden sind also relativ stabil. Mehr Kontaktfläche und gleichmäßige Druckverteilung kann gut für Bettlägerige sein.

Möglicher Nachteil für Gesunde: Die Kuhlen können sie darin behindern, sich ausreichend zu bewegen. Der Mensch sinkt zu tief ein. Und je schwerer er ist, desto mehr. Sich im Schlaf zu bewegen, ist aber wichtig für die nächtliche Erholung von Wirbelsäule und Bandscheiben.

Mittelharte besser für den Rücken

So wichtig wie der Typ der Matratze ist ihre Härte. Waren früher eher harte Matratzen gefragt, liebt man es heute weich und weicher. Das ist nicht ganz verkehrt, denn dass sich Menschen mit Rückenproblemen wie die alten Spartaner am besten bretthart betten, hat sich inzwischen als Vorurteil herausgestellt. Richtig ist: Auch Männer und Frauen mit Bandscheibenproblemen sind auf einer mittelharten Unterlage besser aufgehoben.

Das Problem ist nur, dass man sich auf die Härtedeklaration nicht unbedingt verlassen kann. Es gibt keine einheitliche und verbindliche Einteilung von Matratzen in bestimmte Härteklassen. Jeder Produzent macht, was er will – mal steht da „Härtegrad 2“ oder „mittelfest“ oder „mittelhart“ oder „Härte II“ oder „medium“.

Besonders ärgerlich ist es, wenn sich die Matratzenhärte im Laufe der Zeit verändert, wie dies im Test bei Fey & Co. Belbette Ibiza geschah: Während der Dauerprüfung verwandelte sich die Belbette von hart in fast weich. Dieser unstete Charakter bekam von uns ein „Mangelhaft“. Wir haben die Matratzen nach unserer Einschätzung in die Kategorien hart, mittel, weich sowie sehr weich eingeteilt und dies im Ausstattungsteil der Tabelle vermerkt (daneben die Anbieterangaben).

Das Getue um die Zonen

Eine beliebte Verkaufstaktik der Marketingprofis aus dem Matratzenlager ist die Sache mit den Zonen: Die Matratze wird quer zur Liegerichtung in verschiedene Sektoren mit angeblich unterschiedlichen Eigenschaften aufgeteilt: Im Becken- und Schulterbereich, wo mehr Gewicht aufliegt, sind sie etwas nachgiebiger, und im Kopf- und Fußbereich so, dass Haupt und Beine nicht zu sehr einsinken. So weit jedenfalls die Theorie.

Die Praxis sieht anders aus: In unseren Prüfungen zeigten die Zoneneinteilungen wenig Einfluss auf die Liegeeigenschaften – ganz egal, ob die Matratze nun drei, fünf oder sogar sieben angeblich unterschiedlich körperstützende Zonen hatte.

Wie immer haben wir im Test auch Gesundheits- und Umweltaspekte berücksichtigt. Hier reicht die Skala von „gut“ bis „ausreichend“. Immerhin hieß es aber bei keinem Produkt „mangelhaft“ und auch die sonst häufig kritisierte starke Geruchsbelästigung über längere Zeiträume war kein Problem. Dicke Luft im Schlafzimmer dürfte also mit den diesmal getesteten Modellen jedenfalls auf Dauer nicht zu befürchten sein.

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