Matratzen Test

Wo liegen Sie denn lieber? Auf Latex, Schaumstoff, Federkern oder gar einem Luftbett? Aus unserer Sicht lässt sich auf all diesen Typen akzeptabel ruhen – nicht aber auf der getesteten Wassermatratze. Und manche hat ein Problem mit gesundheitsbedenklichen Stoffen.

Napoleon, so wird gesagt, soll mit ganzen vier Stunden Schlaf die Nacht zurechtgekommen sein. Die meisten Menschen brauchen mehr. Viele müssen sich dennoch mit dem napoleonischen Maß zufrieden geben. Grund: Sie leiden aus den verschiedensten Gründen unter Schlafstörungen. Und manchmal ist es auch die Unterlage, die dem gesunden Schlaf im Wege liegt. Nicht von ungefähr ist deshalb die Wahl der „richtigen“ Matratze so wichtig.

Wir haben 17 Matratzen unterschiedlicher Bau- und Materialart geprüft. Als Stellvertreter ihrer Produktfamilie waren darunter erstmals auch ein Modell mit Luft- und eins mit Wasserfüllung.

Gebettet auf Luft und Wasser

Matratzen Test

Dicke Luft? Erste Schnüffelprobe beim Auspacken der Matratzen aus der Folie.

Stolze 800 Euro kostete die Wasserliege von Aquality, noch stolzere 1 480 Euro der Luftikus von Airlux. Die Hersteller versprechen wahre Wunderdinge: „Jede Nacht ein kleiner Urlaub“, texten beispielsweise die Matratzenlyriker der Firma Aquality und besingen ihr Modell Traum Zauber in den höchsten Tönen. Jedenfalls sollen beide Systeme konventionellen Matratzen weit überlegen sein. Unsere Tester konnten in die Lobgesänge allerdings nicht einstimmen. Dafür waren die Ergebnisse zu durchwachsen.

Die getestete Luftmatratze Airlux Classic besteht in ihrem Inneren aus mehreren Kammern, die sich – immer gemeinsam – unterschiedlich stark aufpumpen lassen, um dem Benutzer einen „optimalen Schlaf- und Liegekomfort“ zu bieten. Die Festigkeit der Unterlage ist je nach Vorliebe einstellbar. Über einen Luftdruckregler und ein Reservoir mit Luftvorrat wird der eingestellte Druck bei Lageveränderungen oder wenn man beispielsweise zu zweit auf der Matratze ruht automatisch konstant gehalten. Das funktioniert zwar, aber äußerst träge – immerhin jedoch ohne Stromanschluss.

Die Wasserkammermatratze muss dagegen ans Netz. Hier gilt es, das Wasser mit elektronisch regelbaren Heizelementen auf ein bis zwei Grad über Zimmertemperatur zu halten. Mit dem einmaligen Aufbau ist es aber nicht getan. In regelmäßigen Abständen muss Wasser und zusätzlich noch ein Entkeimungsmittel nachgefüllt werden. Auch sollte die Wassermatratze hin und wieder entlüftet und die Ventile gereinigt werden.

Unsere Begeisterung für die Luft- und Wassermatratze hält sich in Grenzen. Bezüglich der Wassermatratze ist auch das noch übertrieben. Die (auf eine mittlere Härte eingestellte) Traum Zauber hatte die bei weitem schlechtesten Liegeeigenschaften des gesamten Testfelds. Der Körper sinkt in der Mitte zu tief ein und wird nicht richtig abgestützt. Der Bezug zeigte sich nässeempfindlich, und die Ausdünstungen waren wie beim Luftmodell Airlux Classic gerade noch erträglich.

Das Testergebnis

Lässt man die Ergebnisse unseres Tests bei den übrigen, eher konventionellen Modellen Revue passieren, bestätigt sich einmal mehr die in vielen Matratzentests gewonnene Erkenntnis, dass es im Prinzip egal ist, auf welchem speziellen Matratzentyp man sich bettet. Ob Latex, Schaumstoff oder Federkern – eindeutige Vorzüge des einen Materials und Aufbaus gegenüber anderen lassen sich nicht ausmachen. Das heißt nicht, dass es keine Vorlieben geben kann. Nur lassen sie sich eben nicht verallgemeinern.

Allenfalls lässt sich eine gewisse Häufung guter Urteile in den Liegeeigenschaften bei den Schaumstoffmatratzen erkennen. Als Produktgruppe haben die Schaumstoffmodelle den größten Qualitätssprung nach vorn gemacht. Dafür ist eine gute Schaumstoffmatratze heute auch nicht mehr ganz so leicht für kleines Geld zu haben. Die Testmodelle kosteten immerhin zwischen 256 und 530 Euro. Zwei preiswerte Ausnahmen gibt es aber doch: Die Ikea-Matratze Sultan Universum aus einer Schaumstoff-Latex-Kombination für 199 Euro und die von Aldi Nord zeitweise vertriebene Memopur für nur 169 Euro, den Tiefpreis der Untersu­chung. Im Vergleich untereinander fällt die als Aktionsware von Aldi vertriebene Memopur mit viskoelastischer Schaumstoffauflage aber mit den schlechteren Liegeeigenschaften und einigen weite­ren Schwachpunkten zurück.

Viskoelastischer Schaumstoff, auch Me­­mo­ryschaum genannt, kann vor allem für schwerere Personen nicht ganz unproblematisch sein. Bei diesem Material bildet sich eine relativ große Kontaktfläche zwischen Körper und Unterlage. Das macht für Bettlägerige einen Sinn, weil durch die gleichmäßige Verteilung des Körpergewichts Druckgeschwüren vorgebeugt wird. Bei Gesunden kann diese Materialeigenschaft aber die für einen gesunden Schlaf wichtige Bewegungsfreiheit im Bett einschränken.

Dass Werbung und Wahrheit nur selten brüderlich verbunden sind, fällt besonders bei Matratzen immer wieder negativ auf. Auch diesmal vergaben wir wegen übertriebener oder schlicht irreführender Werbung viele schlechte Noten. Bedenklich sind vor allem gesundheitsbezogene Werbeaussagen.

Die betroffenen Modelle erwecken in Prospekten oder direkt am Produkt den Anschein, als seien sie milben- und allergendicht. Die angeblichen „Allergikerbezüge“ entpuppen sich aber bei näherem Hinsehen als durchlässig für allergieauslösenden Milbenkot. Wenn sich die Bezüge waschen lassen, hilft das dem Allergiker zwar auch schon weiter, reicht aber nicht aus. Wir haben zwölf Allergikerbezüge für Matratzen geprüft. Längst nicht alle halten so dicht, wie sie müssten. Welche helfen, steht im Test Allergikerbezüge.

Risiken und Nebenwirkungen

Einmal mehr fahndeten wir nach Schadstoffen direkt in den Matratzen sowie Bezügen und wurden im Interbett Thermatec TT2 fündig. Wir entdeckten deutliche Gehalte des Flammschutzmittels Tris-Dichlorpropylphosphat, geringe Mengen von Phenol sowie Spuren des Insektizids Permethrin. Auch wenn eine unmittelbare und direkte Gesundheitsgefahr eher unwahrscheinlich ist, gehören solche Stoffe nicht in eine Matratze.

Problematisch ist es auch, wenn die Raumluft eine Zeit lang von bedenklichen flüchtigen organischen Verbindungen belastet wird. Dies war bei Dunlopillo, der Memopur von Aldi, der Airlux Classic Luftmatratze und dem Wasserkammermodell von Aquality der Fall.

Immer wieder ärgerlich: Viele Matratzen stinken nach dem Auspacken aus der Folie, aber auch noch einige Tage danach vor sich hin und belasten die Luft im Schlafgemach. Besser wäre es allemal, sie würden das gleich nach der Fabrikation in der Lüftungshalle des Herstellers tun – natürlich vor dem Eintüten.

Unseren fünf Testern verging oft genug der Appetit bei der Schnüffelprobe: Fischmehl, Toilette, Krankenhaus und viele andere Geruchsrichtungen. Auch Öko Control Divana Rosso war dabei – die Ökomatratze roch nach Kuhstall.

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