Matratzen Test

Preisgünstige Modelle aus Schaumstoff und Latex: Wir sagen Ihnen, was Sie davon erwarten dürfen.

Arabisch sind die Wurzeln der Matratze – zumindest etymologisch. Mit dem Islam kam im frühen Mittelalter „al matrah“ – das Kissen oder Lager – auf die Iberische Halbinsel. Dort prägte sie die katalanische „almatrach“, machte jenseits der Pyrenäen als provenzalische „almatrac“ von sich reden und fand schließlich im Wortschatz vieler abendländischer Sprachen einen festen Platz – als englische „mattress“ genauso wie als „materasso“ in Italien.

Wie auch immer sie genannt wird, wir testen jede Matratze gleich gründlich – rund einhundert Modelle allein in den vergangenen fünf Jahren. Wir prüfen Liegeeigenschaften und Haltbarkeit, suchen nach Schadstoffen und Verarbeitungsmängeln und probieren auch, ob sich die Matratze gut drehen und wenden lässt. Wer ein „gutes“ test-Qualitätsurteil bekam, nutzt es zum Teil viele Jahre für seine Werbung. Das ist auch in Ordnung. Allerdings nur, so lange die Matratze nicht verändert wird. Wir überprüfen das von Zeit zu Zeit und entdecken dabei immer wieder Etikettenschwindler – so auch diesmal (siehe „Nachprüfungen“).

Viele gravierende Mängel

Für den aktuellen Test wählten wir sechs Schaumstoff- und vier Latexmatratzen aus, die wir im Internet, bei Versandhäusern und auch im Laden um die Ecke kauften. Dabei haben wir diesmal ausschließlich bei niedrigen Preisen von 59 Euro bis 279 Euro zugegriffen.

Wenngleich es sich auf jeder zweiten der getesteten Matratzen „gut“ liegen lässt und alle für ein „gutes“ Schlafklima sorgen, kann nur eine richtig überzeugen. Die Malie Kaltschaummatratze ist die einzige im Test, die nicht wegen eines Mangels abgewertet wurde. Alle anderen zeigen entweder Schwächen in der Haltbarkeit, enthalten Schadstoffe, lassen einen waschbaren Bezug vermissen oder fallen in puncto Deklaration und Werbung durch (siehe Tabelle „Matratzen“).

Schadstoffe im Matratzenmaterial

Drei Matratzen enthalten problematische Substanzen: In der Fey & Co. Royal Collection fanden wir die Flammschutzmittel Tris-Dichlorpropylphosphat (TDCPP) und Tris-(Butoxyethyl)phosphat (TBEP). Die beiden Matratzen von Breckle sind zur antibakteriellen Ausrüstung mit Permethrin behandelt, einem Insektengift, das in höherer Dosis auch für den Menschen schädlich ist. Über Abrieb können die Stoffe in den Hausstaub gelangen und eingeatmet werden. In allen drei Fällen besteht zwar keine akute Gesundheitsgefahr, allerdings haben solche Substanzen aus Vorsorgegründen nichts in einer Matratze verloren. Als irreführend bewerten wir, dass Fey & Co. die Matratze mit dem Hinweis „Baumwoll Verbundstoff nach Öko-Tex Standard 100“ versieht. Das könnte vom Käufer so verstanden werden, als sei die Matratze schadstofffrei.

Irreführende Werbeaussagen

Fey & Co. setzt noch eins drauf: Mit dem Zusatz „Biomed plus“ im Matratzennamen zielt die Firma besonders auf den Aspekt Gesundheit. Aber auch bei Breckle betrifft die Schadstoffbelastung ausge­rechnet zwei Matratzen, die „Latex-Med“ und „Volks Matratze“ heißen.

Auch sonst weckt die Werbung Erwartungen, die nicht erfüllt werden. So wirbt Matraflex bei seiner Latexma­tratze damit, dass der Bezug Aloe Vera enthält, das „hautberuhigend wirken und Hautirritationen vorbeugen“ könne. In der Regel hat der Bezug aber gar keinen direkten Kontakt mit der Haut und kann daher auch nichts bewirken. Breckle verspricht bei der Latex-Med, mit einem „ACS (Air-Condition-System)“ für ein „gesundes Microklima“ zu sorgen: „Automatische Klimaregulierung durch bewegungssynchrone Belüftung mit integrierter Vertikalbelüftung“. Was auch immer das bedeuten soll – es bleibt unklar. Tatsächlich unterscheidet sich der Matratzenkern nicht wesentlich von dem der Konkurrenz.

Immer wieder gern wird behauptet, die Matratze eigne sich besonders für Allergiker. Diesmal gehen Matratzen Factory Outlet und Matratzen & Liegen mit dieser Behauptung auf Kundenfang. Immerhin besitzen beide einen abnehmbaren und waschbaren Bezug. Das ist zumindest für Menschen mit einer Hausstauballergie ein wichtiges Kaufkriterium. Wirklich helfen können ihnen aber nur spezielle milbendichte Matratzenbezüge, so genannte Encasings.

Während die Anbieter in der Werbung gern dick auftragen, ist so manche Deklaration überaus spärlich. Bei der Möbel-Boss Bonamed zum Beispiel finden sich außer dem Hinweis, dass es sich um eine 7-Zonen-Latexmatratze handelt, kaum weitere Angaben – nichts zum Aufbau, nichts zum Härtegrad, nichts zu Reinigung, Pflege oder Schadstoffprüfungen.

Nichts sagende Härteangaben

Einmal mehr fiel bei der Prüfung der Deklaration auf, dass die Härteangaben vieler Matratzen für den Käufer wenig aussagekräftig sind: Eine Matratze mit „Härtegrad 2“ oder „H2“ kann weich oder hart sein, wie der Test zeigt. Das ist insbesondere bei Bestellungen per Internet oder über Versandhäuser ärgerlich, da hier Probeliegen nicht möglich ist. Zwar erlaubt das Fernabsatzgesetz die Rückgabe der Ware innerhalb von 14 Tagen, die Kosten dafür muss der Kunde aber zum Teil selbst tragen. Besser ist es allemal, wenn er im Laden ausgiebig Probe liegen kann.

Dass Werbeaussagen durchaus im Rahmen bleiben können, zeigt Olympia bei seiner Latexmatratze: Der Anbieter erfüllt das Informationsbedürfnis der Kunden mit einem aussagekräftigen Bild des Matratzenquerschnitts, erläutert die einzelnen Matratzenschichten, gibt sinnvol­­le Hinweise zu Pflege, Nutzungsdauer, Schlafklima und Garantie, macht Angaben zur Herstellung und garantiert mit dem Siegel „Textiles Vertrauen“ eine bestandene Schadstoffprüfung gemäß Öko-Tex Standard 100 – „gut“ so.

Übrigens: Die meisten Matratzen im Test lassen sich gut drehen und wenden. Nur bei den relativ schweren Latexmatratzen gibt es hin und wieder einige Schwierigkeiten. Größere Probleme bereiten aber auch sie nicht – auch nicht beim Umzug durchs Treppenhaus.

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