Matratzen Test

Eine teure Unterlage ist keine Garantie für guten Schlaf. Die Soft­sleep-Wasserkernmatratze für 875 Euro ist in puncto Liegen die schlechteste im Test.

Ein echtes Möbelstück ist die Soft­sleep-Matratze von Premium Wasserbetten. Befüllt wiegt sie rund hundert Kilogramm. Die Schaumstoffmatratze mit Wasserkern wirbt mit „sanftschwebendem Liegegefühl“. Doch die unsafte Landung folgt spätestens dann, wenn das teure Stück – 875 Euro bei 90 mal 200 Zentimetern – bewegt wird. Ohne das Wasser abzulassen, geht das kaum. Wer dabei den kleinen Hinweis in der Anleitung übersieht und nicht extra ein „Umzugs-Set“ beim Händler anfordert, riskiert, dass die Matratze danach unrettbar beschädigt und reif für den Sperrmüll ist. Der Wasserkern enthält zur Dämpfung ein „selbst-stabilisierendes Schaumstoff-Inlet“. Im Test rutschte der nasse Schaumstoff nach der ersten Ortsveränderung in eine Ecke – ohne Aufschneiden des Wasserkerns war nichts mehr zu machen. Die Matratze war unbrauchbar. „Ein glatter Konstruktionsfehler“, urteilen unsere Experten. Für die Handhabung heißt das: „Mangelhaft“. Und auch sonst sind wir von der Matratze nicht beeindruckt. Das typische Wasserbettgefühl fehlt, und an den Liegekomfort einer guten Schaumstoffmatratze kommt sie nicht heran.

Strapazierfähig

Matratzen Test

Darauf kommts an: Wohlfühlen beim Probeliegen

Trotzdem: Im Härtetest machte keins der sieben Modelle schlapp. Zehn Jahre langes, nächtliches Hin- und Herwälzen im Bett haben wir dabei simuliert, nach Norm mit einer Holzwalze von 140 Kilogramm Gewicht und 30 000 Zyklen quer zur Liegerichtung. Wer sich nachts ohne Mühe auf der Matratze hin- und herbewegen kann, entlastet seine Bandscheiben. Umgibt die Matratze den Körper jedoch zu stark oder bildet sich gar eine Kuhle, ist der gesunde Schlaf in Gefahr. Wir haben vor und nach dem Walztest geprüft, ob die Matratze unter dem Körperschwerpunkt zu stark nachgibt.

Zudem untersuchten wir, ob sich die Matratze so verformt, dass sie den Körper ergonomisch richtig abstützt und eine entspannte Haltung zulässt. Ein weniger günstiges Ergebnis bei diesen biomechanischen Prüfungen gab es für die Binninger Schlafcomfort Silverstar für 630 Euro. Sie ist sehr weich und weist die größte Kontaktfläche zum Schlafenden auf – das behindert die Beweglichkeit des Körpers.

Nächste Prüfpunkte: Ist der Druck auf einzelne Körperstellen nicht zu hoch, und stimmt beim Schlaf das Mikroklima? Alle Matratzen schneiden hier erfreulich gut ab. Druckstellen sind bei gesunden Nutzern nicht zu befürchten, allerdings sind die Anforderungen nicht so streng wie bei Matratzen für bettlägerige Patienten. Die Feuchtigkeit wird gut abtransportiert, die Temperatur ist beim Liegen angenehm, auch bei der Breckle Wellness Star, der mit 149 Euro billigsten Matratze im Test.

Oberflächlich

Die Vorteile der vielfach ausgelobten fünf oder gar sieben Zonen konnten wir nicht feststellen. Obwohl Zonen mit unterschiedlichen Liegeeigenschaften rein theoretisch sinnvoll sind, sieht die Praxis anders aus. Abhängig von der Körpergröße müssten die Zonen für kleine Menschen ganz woanders angeordnet sein als für große. Doch wer kann sich schon eine maßgefertigte Matratze leisten?

Wie sehr die Zonen-Lyrik oftmals ein Marketingtrick ist, zeigt der Fall Malie Bio Fema. Die ausgelobten fünf Zonen sind nur in der Steppung des Bezugs angedeutet. Der Latex darunter ist aber in allen Zonen gleich. Nach unserer Mitteilung an den Hersteller wird die Werbung nun überarbeitet.

Auch die Schnittbilder der Matratzen sind mit Vorsicht zu genießen. Verschiedene Schichten können aus Materialien mit ganz ähnlichen Eigenschaften bestehen. „Nicht auszuschließen“, sagt unser Prüfer im Labor, „dass das Innenleben einiger Matratzen entwickelt wird, um hübsche Schnittbilder für das Bettenstudio abzugeben.“

In einem unserer Vortests verfehlte eine Ikea-Matratze für 100 Euro nur knapp ein „Gut“ (siehe „Noch zu haben“) – wesentlicher Nachteil war nur ein nicht waschbarer Bezug. Bei solch starker Konkurrenz müssen die Anbieter teurer Matratzen mit echten oder scheinbaren Innovationen locken. So enthält die Sembella Belair Kokolux für 530 Euro einen Kokoskern, für alle, die sich gern auf Naturmaterialien betten. Die Matratze schneidet passabel ab, ist aber wegen der dünnen Latexschicht über dem Kokos recht hart.

Die Binninger Schlafcomfort Silverstar wirbt mit „Silverness“-Bezug in „Anti-Allergie-Ausführung“. Und gleich zwei Matratzen im Test sind mit einer speziell gereinigten Baumwolle („Medicott“) bezogen, die „die Allergiegefahr auf natürliche Weise“ bekämpft, so zumindest weiß es die Werbung bei der f.a.n. ProVita Thermomed II für 350 Euro. Das Einnisten „des gefährlichen Schimmelpilzes“ in die Matratze würde auch bei längerer Feuchtigkeit verhindert. Dies ist kaum zu überprüfen – zudem ist der beste Schutz für Allergiker immer noch ein staubdichter Allergikerbezug (siehe test 3/2003).

Messen konnten wir dagegen chemische Ausrüstungsstoffe, die einige Anbieter verwenden, ganz ohne sie auszuweisen. So fanden wir bei der Breckle Wellness Star Spuren des Bakterienkillers Triclosan sowie des Insektizids Perme­thrin. Unserer Ansicht nach haben sie in einer Matratze nichts verloren. Das gilt auch für den Flammhemmer TDCPP, den wir im Material der f.a.n. ProVita Thermomed II feststellten.

Fischig

Eine starke Geruchsbelästigung nach dem Auspacken bemerkten wir bei drei Matratzen: Den Geruch der Malie Bio Fema fanden unsere Prüfpersonen „fischig“, bei der Binninger Schlafcomfort Silverstar urteilten sie: „Riecht nach Teppich“. Bei der Softsleep von Premium Wasserbetten registrierten wir anfangs starken PVC-Geruch. Immerhin, bei fast allen Matratzen war der Geruch nach einem Monat verschwunden. Nur die Malie Bio Fema roch noch immer leicht nach Gummi.

Resümee des Tests: Die Werbung wird schriller, die Matratzen nicht unbedingt besser. Ein wichtiges Auswahlkriterium bleibt immer noch, ob man sich beim Probeliegen wohlfühlt und der Preis stimmt. Schaumstoff, Latex oder Federkern ist eine Frage des Geschmacks. Und ob auch die Biomechanik stimmt, erfahren Sie aus unserer Testtabelle. Zur Übersicht haben wir rechts auch alle noch erhältlichen Modelle aus den Tests der letzten Jahre aufgeführt.

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