Matratzen Test

Die Kaltschaummatratzen im Test kosten 150 bis 500 Euro. Auf allen liegt es sich „gut“. Einige schwächeln aber in der Haltbarkeit oder riechen anfangs schlecht.

Allenfalls brauchbar zur Herstellung von Emmentaler-Käse-Imitationen“, urteilten die Kollegen, als der deutsche Chemiker Otto Bayer vor etwa 70 Jahren seine neueste Entwicklung präsentierte. Heute ist das „Käse-Imitat“ ein Klassiker der Branche: Polyurethanschaum steckt nicht nur millionenfach in Polstermöbeln, er dämmt auch Kühlschränke und Hausdächer, dient als Montageschaum und Verpackungsmaterial und hat als Spülschwamm in jeder Küche einen Stammplatz. Vor allem aber ist Polyurethan (PU) der Stoff, auf dem sich die halbe Republik zur Ruhe bettet. Von den rund sechseinhalb Millionen Matratzen, die hierzulande jedes Jahr verkauft werden, sind etwa 60 Prozent aus PU-Weichschaum gefertigt – zwei Drittel davon aus Kaltschaum, so genannt, weil das Material ohne Erhitzen aufgeschäumt wird.

Die wachsende Beliebtheit hat ihre Gründe: Matratzen aus Kaltschaum – auch als HR-Schaum (high resilient, hoch elastisch) bezeichnet – sind meist strapazierfähig. Sie sind relativ leicht und damit beim Drehen und Wenden auch leicht zu handhaben. Vor allem aber sind Kaltschaummatratzen in den vergangenen Jahren immer besser geworden. Ihr Marktanteil ist heute ähnlich groß wie der von Federkernmatratzen, die wir ebenfalls regelmäßig testen. Andere Materialien, wie etwa Latex oder Kokos, spielen nur noch eine geringe Rolle.

Acht von elf sind insgesamt „gut“

Matratzen Test

Senkrechte „Röhren“ im Innern der Metzeler Singular Tube sollen die Matratze „atmen“ lassen. Das Schlafklima ist allerdings nicht besser als bei Matratzen mit homogenem Kern. Nur in der Haltbarkeit übertrifft sie alle anderen.

Das war nicht immer so. Lange hatten Schaumstoffmatratzen einen schlechten Ruf, sie galten als Billigheimer, die schnell durchgelegen waren. Außerdem wurde der Kunststoff früher mit dem Ozonkiller FCKW aufgeschäumt. Heute werden die Matratzen nicht nur FCKW-frei hergestellt, die verwendeten Schaumstoffe aus Polyurethan können bei entsprechender Fertigung auch allen Anforderungen gerecht werden, die an eine moderne Matratze gestellt werden. Der Test bestätigt das: Von elf Modellen sind acht insgesamt „gut“, die restlichen drei immerhin „befriedigend“. In puncto Liegeeigenschaften und Schlafklima sind sogar alle „gut“ und unterscheiden sich kaum voneinander.

Sieben Zonen sind wenig sinnvoll

Die Anbieter geben sich indes alle Mühe, ihre Modelle voneinander abzuheben. Kaum eine Matratze, die heute nicht mit allerhand „Zonen“ und Lagen aus unterschiedlich hartem Schaumstoff oder mit verschiedenen Oberflächenstrukturen wie Noppen, Wellen und Rillen ausgestattet ist. Härtere und weichere Zonen sollen dem Körper optimalen Halt geben, ihn zum Beispiel in Seitenlage im Schulterbereich etwas tiefer einsinken lassen, im Lendenbereich dagegen mehr stützen.

Oft sind die Unterschiede der Zonen allerdings kaum messbar, geschweige denn spürbar. In vergangenen Tests kam es sogar schon vor, dass nur der Bezug anders gesteppt war. Experten halten einen Aufbau von mehr als drei Zonen quer zur Körperachse ohnehin für wenig sinnvoll, weil Menschen unterschiedlich groß sind und daher bei fünf oder gar sieben Zonen unmöglich alle immer auf der richtigen Stelle liegen können.

Metzeler „sehr gut“ haltbar

Auch die Matratzen in diesem Test können den Körper allesamt ungefähr gleich gut stützen, egal, wie deutlich ihre Zonen und Lagen ausgeprägt sind. Ebenso zeigte sich, dass zusätzliche Kanäle im Innern der Matratzen nicht für ein besseres Schlafklima sorgen. Selbst die Metzeler, die vorgibt, mit ihren neuartigen „Singular Tubes“ – einem inneren Kern aus senkrecht stehenden Röhren – „atmen“ zu können , zeigte hier keine besonderen Vorteile. Allenfalls in der Haltbarkeit konnte die Metzeler beeindrucken, da für den Röhrenkern ein Schaumstoff mit sehr hohem Raumgewicht verwendet wurde. Die 60 000 Walzgänge mit einer 140-Kilo-Walze, die eine Nutzung von acht bis zehn Jahren simulieren sollen, konnten der Metzeler so gut wie gar nichts anhaben.

Nach der Dauerprüfung weicher

Bei anderen hinterließ die Walze da deutlich mehr Eindruck. Die Modelle von Breckle, Karstadt, Matraflex und Schlaraffia waren nach der Dauerprüfung um mehr als 20 Prozent weicher als vorher. Allerdings ist keine Matratze unter den Strapazen kaputtgegangen. Daher gab es auch hier am Ende noch ein knappes „Befriedigend“ für die Haltbarkeit, zumal sich der Härteverlust nicht negativ auf die Liegeeigenschaften auswirkte.

Obwohl die Liegeigenschaften bei allen im Test „gut“ sind und sich kaum voneinander unterscheiden, fallen zwei Matratzen doch etwas aus dem Rahmen. Die f.a.n. Vital KS und die Breckle Air Basic werden beim Liegen im Bereich des Beckens auf weniger als die Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe zusammengedrückt. Das hat zwar keine direkten Auswirkungen auf die Liegeeigenschaften – solange man ruhig im Bett liegt, ist davon nichts zu merken. Wenn sich aber eine schwere Person auf der Matratze umdreht, dann stößt sie auf den Lattenrost auf. Und auch beim Sitzen im Bett, etwa wenn das Kopfteil zum Lesen hochgestellt wurde, ist die Unterkonstruktion deutlich spürbar.

Fast alle Matratzen rochen am ersten Tag nach dem Auspacken mehr oder weniger unangenehm – mal süßlich, mal muffig, mitunter auch stechend. Meistens verflog der Geruch schnell, doch bei den Modellen von Breckle, Dunlopillo, f.a.n. und Matraflex war die Luft auch nach einem Monat noch nicht wieder rein. Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr geht von den Gerüchen zwar nicht aus, doch eine Belästigung sind sie allemal.

Keine Schadstoffe gefunden

Erfreulich dagegen die Ergebnisse der Schadstoffmessungen: Kein einziges Modell enthält in Feinpolster, Bezug oder Kern schwerflüchtige Problemstoffe wie zum Beispiel Flammschutzmittel. Auch leicht flüchtige organische Verbindungen entweichen bei keiner Matratze in kritischen Konzentrationen. In früheren Tests hatten wir an dieser Stelle oft anderes zu berichten. Sogar beim Test von Kinderbettmatratzen Anfang des Jahres fand unser Labor direkt nach dem Auspacken krebserzeugende flüchtige Substanzen in der Luft (siehe test 3/07). Der Anbieter Easy Baby hat uns nun mitgeteilt, er werde in Zukunft seine Matratzen im Werk auslüften lassen, bevor er sie verpackt (siehe Kurzmeldung). Offenbar haben auch andere Anbieter reagiert.

Werbung weniger übertrieben

Auf dem richtigen Weg ist die Branche auch, was die Deklaration ihrer Matratzen angeht: Bilder mit Matratzenquerschnitten und detaillierte Angaben zum Material sind häufiger zu finden, mitunter gibt es sogar ausführliche Pflegehinweise und Angaben zum optimalen Schlafklima.

Auch die Werbung ist diesmal weniger übertrieben als in der Vergangenheit. Nur die in ihrer Allgemeinheit in die Irre führende Angabe „für Allergiker geeignet“ ist immer noch häufig zu finden, etwa bei Dunlopillo, MFO und Schlaraffia. MFO teilte mit, in Zukunft auf diese Aussage zu verzichten. Keine Frage: Es kommt auch Hausstauballergikern zugute, dass die Matratzenbezüge allesamt waschbar sind, und das sogar „sehr gut“. Doch einen effektiven Schutz gegen Milbenallergene bieten nur Spezialbezüge, sogenannte Encasings (siehe Tipps). Und auch bei den Härteangaben bleibt alles beim Alten: Sie sind nutzlos, da hier jeder Anbieter seine eigene Klassifizierung hat. Am Probeliegen führt beim Matratzenkauf ja aber ohnehin kein Weg vorbei.

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