Matratzen Test

Wer Matratzen prüft, der hat was zu erzählen. Diesmal haben wir 13 Taschenfederkernmatratzen traktiert. „Gute“ Urteile mischen sich mit manchen Ungereimtheiten.

Die hoch aufgestapelten Matratzen im Prüfinstitut sahen nach der Testtortur mitgenommen aus. Die Prüfer hatten jede Schlafunterlage 60 000 Mal mit einer schweren Walze gewalkt, die Bezugstoffe gewaschen und wieder aufgezogen, die Druckverteilung und Ab­stütz­eigen­schaf­ten gemessen und bewertet. Am Ende schnitten sie die Matratzen auch noch auf, um ihr Innenleben genauer zu inspizieren (siehe Produktfotos: Klick auf Produktnamen in der Tabelle).

Nach Kaltschaummatratzen (test 10/07) hatten die Fachleute diesmal 13 Taschenfederkernmatratzen in der Mangel. Typisch für diese Matratzenart: Die kleinen Stahlfedern sind einzeln in miteinander verbundenen Vliessäckchen untergebracht, die ein elastisches Gerippe ergeben. In den getesteten Matratzen befinden sich meist 300 bis 450 Taschenfedern.

Bei Tonnentaschenfederkernen ist der Federdurchmesser in der Mitte etwas größer als oben und unten, eben tonnenförmig. Sonst sind die Federn zylindrisch. Diese aufwendig gestalteten Konstruktionen haben nichts mehr zu tun mit den sperrigen Sprungfederrahmen aus Urgroßvaters Doppelbett. Die vielen kleinen Federn sorgen für eine hohe Punktelastizität. Das heißt: Die Oberfläche gibt dort punktuell nach, wo sie gerade belastet wird. So passt sie sich meistens recht gut dem auf der Matratze liegenden Körper an und stützt ihn ausreichend ab. Ausschlaggebend dafür sind die Zahl der Federwindungen und die Drahtstärke, die in den Testprodukten zwischen 1,2 und 2,2 Millimetern lag.

Die Zonenfrage

Wenn unterschiedliche Drahtstärken verwendet werden, entstehen weichere und härtere Zonen. Die Hersteller werben dann oft mit Zonenangaben. Zum Beispiel Breckle: „Punktelastischer 5-Zonen-Taschenfederkern für perfekte anatomi­sche Anpassung.“ Oder Silentnight Houben: „7-Zonen-Ausführung mit Stabilisierungsrahmen für körpergerechte Anpassung.“ Aber: Die verkündeten Vorteile der Liegezonen können allenfalls Käufer mit durchschnittlicher Körpergröße erspüren. Bei einem Mann mit Gardemaß zum Beispiel müssten die Zonen völlig anders angeordnet sein als bei einem noch her­anwachsenden Jugendlichen. Das hieße aber: Die Massenfertigung müsste einer Maßanfertigung der Matratzen weichen, die sich wohl kaum jemand leisten kann.

Im Test sind wir in der Zonenfrage auch auf Widersprüche gestoßen. Einige Anbieter scheinen mit der Einteilung ihrer Matratzen in Zonen selbst ihre Probleme zu haben. Auf dem Produktschild der Malie Smaragd medicott werden sieben Zonen versprochen. Aber ein Blick unter Bezugsstoff und Polsterung, der einem Käufer kaum möglich ist, zeigt, dass tatsächlich nur fünf Liegezonen vorhanden sind. Bei der Quelle Schlaf gut ist es umgekehrt: Der „5-Zonen-Tonnentaschenfederkern“ besteht aus sieben Zonen, die sich aus den Drahtstärken der Federn ergeben.

Sehr unterschiedlich angeordnete Federreihen in Kombination mit einer auffällig strukturierten Schaumabdeckung kennzeichnen die Liegezonen der Kaufhof / Fabiani. Beim Liegen auf der Matratze ist die Struktur über dem Federkern durch den Bezugsstoff hindurch deutlich zu spüren. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muss jeder beim Probeliegen selbst entscheiden.

Die Fabiani Grand Lux von Kaufhof ist auch die einzige nicht symmetrisch aufgebaute Matratze im Test. Sie hat eine besonders gekennzeichnete „Schulter-Comfort-Zone“ und damit Kopf- und Fußende. Dieser Hinweis steht auf einem Schildchen, das nur auf dem Bezugsstoff aufgeklebt ist. Zieht man den Bezug zum Waschen ab, müsste der Aufkleber auf den Federkern übertragen werden. Versäumt man es, erinnert die Markierung eher an einen Schildbürgerstreich: Mit einer Kerbe in ihrem Boot wollten die Schildbürger markieren, an welche Stelle sie die Glocke im See versenkt hatten.

Ebenfalls wenig hilfreich für die Käufer sind die Härteangaben für die Matratzen. „Härtegrad 2“ kann weich oder mittelhart sein. Beim Kauf im Laden sollte man unbedingt Probe liegen. Bei Bestellungen per Internet oder über Versandhäuser ist das aber nicht möglich, also ärgerlich.

Die Merkwürdigkeit

Bei der Durchsicht des Matratzenlagers fallen den Testern zu fast jedem Bettpolster Merkwürdigkeiten auf. Zum Beispiel liegt der Breckle Blue Line Vital Spring ein gelber Zettel bei. Er informiert den Käufer, dass die Matratze im Laufe der Zeit an Höhe verlieren kann, dies aber kein Verlust an Qualität oder ein Grund für Gewährleistungsansprüche an den Verkäufer sei. Als Begründung wird eine Norm, die DIN 1334, erwähnt – aber nicht korrekt. Sie beschreibt die Messung der Höhe und nennt eine Dickentoleranz im Neuzustand von 10 Millimetern, aber nicht den Höhenverlust durch die Benutzung. Sie ist ein untaugliches Mittel, den Käufer einzu­schüchtern, wenn er berechtigte Gewährleistungsansprüche hat. Die Matratze – die einzige mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ im Test – bekam für Deklaration und Werbung nur „ausreichend“.

Die Falschauslieferung

„Mangelhaft“ in der Deklaration und deshalb nur „ausreichend“ im Qualitätsurteil ist die Otto / Matraflex Pocket Med. Deklaration und Werbematerial stimmten nicht mit dem tatsächlichen Aufbau der Matratze überein. Die Firma Otto gibt uns gegenüber eine „Falschauslieferung“ zu.

Glaubt man den Otto-Versendern, sind zwei Matratzen mit demselben Namen, Pocket Med, auf dem Markt: eine abgespeckte Version aus einer zurückliegenden Verkaufsaktion, die Otto uns geliefert hat, und eine im Internet angebotene Matratze „in einer weitaus wertigeren Aufmachung“, die wir bestellt hatten.

Otto verlässt sich auf den Kundendialog, der normalerweise solche Fehler aufdecken würde. Doch wie kann sich ein Käufer sofort bei Otto beschweren, wenn die Unterschiede im Aufbau der Matratze unter dem Bezug gut verborgen sind?

Das Dankeschön

Freude statt Ärger kam dagegen bei den Käufern der 7-Zonen-Matratze von Neckermann auf. Ein Aufkleber verspricht Überra­schendes: „Unser Dankeschön an Sie befindet sich hinter dem Reißverschluss.“ Wer sich auf die Suche begibt, findet unter dem Bezugsstoff eine kleine Pappschachtel – mit einem Wecker.

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