Matjesfilets nordische Art Test

Ein Matjes zu werden ist das Beste, was einem Hering passieren kann. Sagen die Holländer. Bleibt dem Fisch zu wünschen, dass er nicht als fertig abgepacktes Matjesfilet in Öl endet. Die kommen nämlich oft tranig, musig oder gelblich verfärbt aus der Packung. 17 Produkte hat die Stiftung Warentest untersucht. Nur zwei sind gut. test.de zeigt die besten Matjesfilets nordische Art für Ihr Silvesterbuffet.

Einkauf als Lotteriespiel

Silvester ohne Hering ist wie Ostern ohne Eier. Besonders beliebt sind Matjesfilets nordische Art. Das Heringsfilet in Öl ist der Verkaufsrenner in deutschen Supermärkten. Nicht nur zum Jahreswechsel. In Folie eingeschweißt, halten sich die Matjesfilets ein oder zwei Monate lang. Ein Gaumenschmaus sollte man meinen, doch die Realität sieht anders aus. Gelblich verfärbt, musig oder zerfranst kommen die Fischfilets aus der Packung. Oft zumindest. 17 Produkte hat die Stiftung Warentest untersucht. Nur zwei sind gut. Schlimmer noch: Die Qualität schwankt – selbst innerhalb einer Packung. Oft liegen gute und schlechte Filets nebeneinander. So wird der Einkauf zum Lotteriespiel.

Nur zwei sind gut

Gleichmäßig und im wesentlichen fehlerfrei schmeckten nur die Matjesfilets von Woldemar, Friesenkrone und Larsen. Woldemar und Friesenkrone sind Testsieger. Geschmacklich meist ohne Tadel und praktisch frei von Schadstoffen. Qualitätsurteil: gut, Note 2,0 beziehungsweise 2,1. Der Tipp fürs Silvesterbuffet. Billig sind die Testsieger allerdings nicht. Eine Packung Friesenkrone kostet 3,30 Euro. Fischeinwaage: 250 Gramm. Macht etwa 13,20 Euro pro Kilogramm. Die Matjesfilets von Woldemar aus Schweden sind noch teurer. Kilopreis: 17,60 Euro – und damit Spitzenreiter im Test. Das fällt nicht sofort auf, denn eine Packung Woldemar kostet nur 2,20 Euro, enthält aber auch nur 125 Gramm Fisch.

Weichmacher im Öl

Auch die geschmacklich weitgehend fehlerfreien Matjesfilets von Larsen sind nicht billig. Kilopreis: 16 Euro. Keine schlechte Wahl. Die gute Note blieb ihnen allerdings verwehrt. Der wichtigste Grund: Weichmacher im Öl. Die Lebensmittelchemiker der Stiftung Warentest fanden die Substanz Diethylhexyladipat (DEHA) im Pflanzenöl der Fischkonserve. Wie der Name schon vermuten lässt, gehören Weichmacher nicht in Lebensmittel. Sie sollen vielmehr Kunststoffe geschmeidig machen. Aus der Verpackung von Lebensmitteln können die Weichmacher womöglich auf den Inhalt übergehen.

Sechs Produkte betroffen

Beim Produkt von Larsen steckte der Weichmacher im Öl, nicht im Fisch. Und es waren nur Spuren. Keine direkte Gefahr also, aber vermeidbar. Weichmacher können Leber und Nieren schädigen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Ebenfalls mit DEHA belastet war die Fischkonserve von Lidl. Noch kritischer ist ein zweiter Weichmacher: DEHP. Er steckte in den getesteten Produkten von Marktkauf, Edeka, Nadler und Lisner. Wohlgemerkt, immer im Öl, nicht im Fisch. Sonst wären die Produkte noch deutlicher getadelt worden. Die nachgewiesenen Weichmacher stammen übrigens nicht aus der eigenen Verpackung. Woher sie kommen, bleibt unklar.

Die Jungfrau unter den Fischen

Mit dem klassischen Matjes haben Matjesfilets nordische Art übrigens wenig gemein. Beide stammen zwar vom Hering, doch das ist auch schon die ganze Gemeinsamkeit. Nun die Unterschiede: Der klassische Matjes reift mit Gräte und Schwanz in Eichenfässern mit Salz. Das Enzym für die Reifung liefert die Bauchspeicheldrüse des jungfräulichen Fisches. Die bleibt beim klassischen Matjes drin. Matjesfilets nordische Art reifen dagegen als Filet. Ohne Gräte. Meist auch ohne Bauchspeicheldrüse. Stattdessen mit Zucker, Salz, Gewürzen und Säuerungsmitteln. Die Folge: Matjesfilets nordische Art sind säuerlicher, salziger und meist weniger zart als der klassische Matjes. Dazu kommt bei der nordischen Fischkonserve Pflanzenöl: Das konserviert den Geschmack. Mehr zum Thema Matjes für Matjeskenner lesen Sie in den Tipps.

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