Masern-Partys Meldung

Impfen oder anstecken? Bei Masern ist der Nutzen der Impfung eindeutig belegt.

Eltern wollen die Immunabwehr ihrer Kinder „auf natürliche Weise“ stärken. Doch die Risiken sind unkalkulierbar – bis hin zur Todesgefahr.

Im Zusammenhang mit einer Masernwelle in Südbayern ist es dort im Juni zu „Masern-Partys“ gekommen. Bei solchen Veranstaltungen werden gesunde Kinder mit masern­infizierten zusammengebracht, um sich anzustecken. Das geht auf die Theorie zurück, Kinder durch eine Maserninfektion auf natürliche Weise zu immunisieren. Die Methode hat keinen wissenschaftlichen Hintergrund. Von Impfgegnern wird sie aber immer wieder als Alternative zum Impfschutz angeführt. Mediziner und Gesundheitspolitiker haben die Masern-Partys scharf kritisiert. Masern sind eine gefährliche Kinderkrankheit. Sie führen zu einer etwa sechswöchigen Immunschwäche, die Zweitinfektionen, am häufigsten Lungenentzündungen, Mittelohrentzün­d­ungen und Durchfall, begünstigt (einer von 20 Erkrankten). Bei einem von 100 Erkrankten kommt es zu Hirnhautentzündungen, die zu Hirnschäden und zum Tode führen können. Eins von 10 000 kranken Kindern stirbt. Den besten Schutz bietet eine Masernimpfung und eine zweite Impfung vor dem Eintritt in die Schule. Die Zweit-impfung wird allerdings immer noch nicht hinreichend wahrgenommen. „Impfmüdigkeit“ ist sogar ein Problem von Informierten: Obwohl Medizinstudenten Kontakt zu Patienten oder Blutproben haben, sind nicht alle ausreichend geimpft, so eine Studie in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (DMW).

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