Markt­breite Indexfonds Special

Mit Welt- oder Europa-ETF beteiligen sich Anleger bequem und preis­wert an interna­tionalen Konzernen.

Börsen­gehandelte Indexfonds (ETF) eignen sich auch für Anleger ohne Aktien­erfahrung – wenn die Fonds auf breite Indizes setzen. Wir sagen, welche das tun – und was Anleger bei der Auswahl beachten sollten.

Basisindizes auch für Börsenmuffel

Unter den Begriffen Dax, Dow Jones und Euro Stoxx 50 können sich selbst Börsenmuffel etwas vorstellen, so häufig tauchen sie in Nach­richtensendungen oder im Wirt­schafts­teil der Zeitung auf. Den MSCI World kennen die wenigsten. Schade, denn das ist einer von wenigen Aktienindizes, die sich auch für Einsteiger eignen.

Breite Streuung ist unver­zicht­bar

Dax und Euro Stoxx 50 haben vor allem einen Makel: Sie sind nicht breit genug. Der Dax enthält gerade mal 30 Aktien, darunter ist kein Nahrungs­mittel­hersteller, kein Internet­konzern und nur ein Unternehmen aus der Software­branche. Auch der Euro Stoxx 50, der bekann­teste Index der Eurozone, ist in einigen Branchen dünn besetzt. Internet­aktien fehlen auch hier, der Pharmasektor ist nur mit Sanofi prominent vertreten. Wohl­gemerkt: Dax und Euro Stoxx 50 sind keine schlechten Indizes. Nur eignen sie sich nicht für Basis­anlagen.

Tipp: Im Produktfinder Fonds finden Sie Bewertungen der Finanztest-Experten für rund 4 000 aktiv gemanagte Fonds und ETF aus 38 Fonds­gruppen – von Aktienfonds Welt, Europa oder Deutsch­land über Rentenfonds Euro bis hin zu Misch­fonds.

Basis-ETF – was heißt das?

Markt­breite Indexfonds Special

ETF, ausgeschrieben Exchange Traded Funds, beschränken sich darauf, Börsenindizes nach­zuzeichnen. Unter Basis-ETF versteht Finanztest nur solche Fonds, die in ihrem Anlagesegment keiner Ergän­zung bedürfen. Ein Basis-ETF auf einen Aktien­index reicht aus, um den riskanten Teil einer Vermögens­anlage abzu­decken. Anleger müssen nur noch den sicheren Teil ergänzen, zum Beispiel durch Fest­geld oder Euro-Rentenfonds. Die Aktienindizes, die unseren Basis-ETF zugrunde liegen, müssen sehr breit gestreut sein und möglichst viele Länder und Branchen abdecken. Diese Voraus­setzung erfüllen zurzeit vier Indizes, die wir in der Tabelle ausführ­lich vorstellen. Die breite Streuung beugt allzu heftigen Wert­schwankungen vor, wie ein länger­fristiger Vergleich zwischen MSCI World und Dax 30 zeigt.

Tipp: Wie Sie aus monatlichen Raten ein kleines Vermögen machen, zeigt unser Test von ETF-Sparplänen.

MSCI World – der globale Klassiker

Der MSCI World ist der bekann­teste globale Aktien­index. Berechnet wird er vom Finanz­dienst­leister MSCI, der früher zur Investment­bank Morgan Stanley gehörte. Den MSCI World gibt es bereits seit 1986. Mit einem ETF, der den MSCI World abbildet, investieren Anleger in mehr als 1 600 Aktien. Ihre Gewichtung im Index richtet sich nach dem Börsen­wert. Dieser Wert ergibt sich, indem man den aktuellen Aktienkurs mit der Anzahl aller ausgegebenen Aktien multipliziert. Für die Gewichtung im Index werden aber nur die frei an der Börse handel­baren Aktien, der sogenannte Free Float, berück­sichtigt. Die Aktien im „Fest­besitz“ von Staaten oder Institutionen fallen nicht darunter.

Dow Jones Industrial – gewichtet nur nach Aktienkurs

Auch die drei anderen Basisindizes folgen dieser plausiblen Gewichtungs­methode. Das ist keineswegs selbst­verständlich. Ausgerechnet der Dow Jones Industrial, Markenzeichen der New Yorker Wall Street, gewichtet seine Mitglieder nicht nach dem Börsen­wert, sondern nach dem Aktienkurs. Das heißt, der Unter­nehmens­wert spielt für die Gewichtung im Index keine Rolle. Diese uralte Methode wirkt heut­zutage schrul­lig. Zurzeit ist der Misch­konzern 3M – wer kennt nicht seine gelben Post-it-Zettel? – mit rund 6,5 Prozent der stärkste Dow-Jones-Titel. Der Pharmariese Pfizer kommt trotz eines rund doppelt so hohen Börsen­werts auf nur 1,3 Prozent.

Gute Risiko­streuung beim MSCI World

Einen Index wie den Dow können Anleger in geringer Dosis beimischen, als Basis fürs Depot wählen sie besser den MSCI World. Der über­zeugt vor allem durch seine gute Risiko­streuung. Selbst sein größtes Mitglied, der iPhone-Hersteller Apple, hat mit zurzeit 1,6 Prozent einen so über­schaubaren Index­anteil, dass ein Kurs­sturz der Aktie für ETF-Anleger kein Beinbruch wäre. Die zehn größten Mitglieder im MSCI World bringen es zusammen auf nicht einmal 10 Prozent. Zum Vergleich: Die Top-10-Positionen des Dax 30 machen rund 66 Prozent des Indexes aus und haben somit großen Einfluss auf seine Entwick­lung.

Manko: Schwellenländer fehlen

So über­zeugend das Konzept des MSCI World auch ist, eins suchen Anleger in ihm vergeblich: sogenannte Schwellenländer (Emerging Markets) wie China, Indien und Staaten aus Afrika oder Latein­amerika. Selbst das weit entwickelte Südkorea fällt nach wie vor in diese Kategorie. Damit bleibt zum Beispiel auch Samsung, immerhin welt­weit größter Hersteller von Smartphones, draußen.

MSCI All Country World – mit China und Südkorea

In einem anderen Welt­index, dem Dow Jones Global Titans, ist Samsung sogar unter den globalen Top 50 vertreten. Anleger, die auf Schwellenländer nicht verzichten wollen, können in den Index MSCI All Country World investieren. Er enthält neben den Aktien aus dem MSCI World die wichtigsten Unternehmen aus asiatischen, latein­amerikanischen, afrikanischen und osteuropäischen Schwellenländern. Finanztest konnte das Chance-Risiko-Verhältnis der auf diesen Index angebotenen ETF (Tabelle) nicht bewerten, da sie das Mindest­alter von fünf Jahren für unseren Dauer­test noch nicht erreicht haben. Empfehlens­wert sind sie aber allemal.

Auch für vorsichtige Anleger eine Über­legung wert

Die Beimischung der Schwellenländer hat zwar in der Vergangenheit das Risiko etwas erhöht, aber dafür bieten die jungen Aktienmärkte eine größere Dynamik und höhere Rendite­chancen als die etablierten Börsen. In den vergangenen fünf Jahren lief der Index zwar schlechter als der MSCI World. Mit nur 10 Prozent ist der Anteil von Schwellenländern im MSCI All Country World aber über­schaubar und der Index daher auch für vorsichtige Anleger eine Über­legung wert.

Mehr Deutsch­land in Europa-ETF

Warum sollten Anleger über­haupt einen anderen Index nehmen, wenn die MSCI-World-Indizes bereits eine kaum zu über­treffende Risiko­streuung bieten? Ein Grund könnte der äußerst geringe Deutsch­land­anteil im Welt­index sein. Da die deutsche Wirt­schaft vom Mittel­stand geprägt ist, hinkt Deutsch­land beim Börsen­wert seiner Unternehmen weit hinter den angelsächsischen Ländern hinterher. Gerade einmal 3,4 Prozent des MSCI World entfallen auf deutsche Unternehmen wie Siemens, SAP, BASF oder Daimler.

MSCI Europe und Stoxx Europe 600 – mit höherem deutschen Anteil

In den europäischen Indizes, die Finanztest als Basis­anlage empfiehlt, beträgt der Deutsch­land­anteil immerhin rund 14 Prozent. Zwei Indizes stehen zur Wahl: der MSCI Europe und der Stoxx Europe 600. Der Stoxx Europe 600 ist mit 600 Aktien breiter gefächert als der MSCI Europe, der gut 440 Unternehmen enthält. In den vergangenen fünf Jahren ist der Stoxx 600 auch etwas besser gelaufen, aber das muss für die Zukunft nichts heißen. Branchen und Länder sind in beiden Indizes gleichermaßen gut gestreut.

Europaindizes ohne Internetriesen

Ein Sektor ist allerdings im Vergleich zum Welt­index schwach besetzt: das Internet­geschäft. Zu Konzernen wie Amazon, Facebook oder Alphabet (früher Google) gibt es keine europäischen Alternativen. Wer den Internetriesen auch weiterhin die besten Börsen­chancen beimisst, sollte lieber beim MSCI World bleiben. Anleger, die die Internetbranche für überbewertet halten, haben dagegen mit den Europaindizes eine elegante Möglich­keit, weit­gehend auf Dotcoms zu verzichten, ohne die Streuung zu vernach­lässigen.

Ohne Wechselkurs-Risiko

Auch Anleger, die ein mulmiges Gefühl bezüglich Fremdwährungen haben, sind bei den Europaindizes besser aufgehoben als bei den Welt­indizes. Knapp 90 Prozent ihrer Anlagen notieren nicht in Euro, sondern in anderen Währungen. Vor allem das Wechsel­spiel von Euro und US-Dollar hat erheblichen Einfluss auf die Wert­entwick­lung von MSCI World-ETF. Lang­fristig spielt das keine große Rolle, da sich Währungs­schwankungen im Laufe der Jahre stets ausgeglichen haben. Wer dennoch stärker auf Anlagen in Euro setzen möchte, sollte einen ETF auf einen der beiden Europa-Indizes nehmen. Knapp zur Hälfte investieren sie in Aktien aus dem Euro-Raum.

Was ist, wenn Groß­britannien die EU verlässt?

Falls die britischen Wähler Ende Juni für den Brexit stimmen, sind bei den Europaindizes kurz­fristig Währungs­turbulenzen möglich. Lang­fristig orientierte Anleger können aber auch dieser Unwäg­barkeit gelassen entgegen­sehen. Mehr zum Thema in unserer Meldung Brexit: Was passiert, wenn die Briten „Bye“ sagen?

Dieser Artikel ist hilfreich. 27 Nutzer finden das hilfreich.