Der Lage des Lebensversicherers Mannheimer hat sich weiter zugespitzt. Das Unternehmen war wegen ungünstiger Aktiengeschäfte in finanzielle Not geraten und ist jetzt offenbar zahlungsunfähig. Ab heute werden keine Lebensversicherungsverträge mehr neu abgeschlossen. Kunden des Unternehmens drohen unmittelbar zwar keine Verluste, sie müssen sich aber mit den Garantieleistungen bescheiden. Zusätzliche Überschussbeteiligungen erhalten sie nicht mehr. Dennoch rät Finanztest: Bloß nicht übereilt kündigen. Dabei kann tatsächlich Geld und Sicherheit verloren gehen.

Branche befürchtet Imageschaden

Um einen Imageschaden für die Lebensversicherungsbranche zu vermeiden, hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) noch versucht, die übrigen Lebensversicherungen zur Rettung der Mannheimer zu bewegen. Die Unternehmen sollten dafür entsprechend ihres Marktanteils Geld zur Verfügung stellen. Diese Lösung ist jetzt gescheitert. Eine Reihe von Versicherern erteilten dem Plan eine Abfuhr.

Erster Fall für Protektor

Jetzt bereiten die Manager der Mannheimer unter der Aufsicht des Bundesamtes für Finanzdienstleistungsaufsicht die Übertragung der Verträge auf die Auffangsgesellschaft Protektor AG vor. Diese war unter Federführung des GDV eigens gegründet worden, um im Falle einer Versicherungspleite einzuspringen und zumindest die Garantieleistungen für bestehende Verträge zu übernehmen. Die Mannheimer ist der erste Fall für den mit fünf Milliarden Euro Kapital ausgestatteten Notnagel der Versicherungsbranche.

Mindestverzinsung bleibt

Kunden, die bei der Mannheimer Versicherung eine Kapital bildende Lebensversicherung haben, erhalten schon in diesem Jahr nur noch die je nach Vertragsbeginn unterschiedlich hohe Garantieverzinsung. Die Sätze bewegen sich zwischen 3,0 bis 4,0 Prozent. Verzinst werden nicht die gesamten Beiträge, sondern nur der nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten verbleibende Sparanteil. Eine darüber hinausgehende Überschussbeteiligung ist nicht mehr drin. Für Inhaber von Berufsunfähigkeitsversicherungen sind die Überschussbeteiligungen ebenfalls zum Jahresbeginn 2003 entfallen. Die Berufsunfähigkeitsrente kann dadurch geringer ausfallen als erwartet oder bei gleichbleibender Berufsunfähigkeitsrente mehr Beitrag zu zahlen sein.

Bei Kündigung droht Verlust

Finanztest rät betroffenen Kunden der Mannheimer, ihre Kapital bildende Lebensversicherung auf keinen Fall zu kündigen. Dies führt unweigerlich zu einem finanziellen Verlust. Die vertraglich zugesicherten garantierten Leistungen (garantierte Rente, garantierte Versicherungssumme) werden auch nach der Übertragung auf die Protektor AG planmäßig ausgezahlt. Kunden sollten ihre Versicherungsbeiträge deshalb weiterzahlen. Wer eine Kapitallebens- oder private Rentenversicherung hat, sollte ermitteln, mit welchen Einbußen gegenüber den prognostizierten Leistungen er zu rechnen hat. Wenn durch den Ausfall der erhofften Überschussbeteiligungen Lücken in der Altersversorgung entstehen, ist zusätzliche Vorsorge nötig.

Suche nach Alternativen

Ausnahmsweise kann es sinnvoll sein, eine Kapital bildende Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen. Das bringt zwar Renditeeinbußen. Wird der eingesparte Beitrag künftig aber deutlich lukrativer angelegt, lässt sich dieser Verlust ausgleichen. Achtung: Für Berufsunfähigkeitspolicen gilt dieser Rat nicht. Eine solche sollte unbedingt in vollem Umfang beibehalten werden. Einen neuen Vertrag bei einem anderen Anbieter zu bekommen, ist schwierig. Mit zunehmendem Alter steigt der Beitrag. Wenn inzwischen ernsthafte Gesundheitsrisiken oder Vorerkrankungen aufgetreten sind, ist alternativer Versicherungsschutz völlig unerreichbar. Mannheimer-Kunden sollten jedoch überprüfen, ob der Schutz gegen Berufsunfähigkeit auch ohne die erhofften Überschussbeteiligungen noch ausreicht.

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