Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Vorstände der Protektor AG wegen des Verdachts auf Untreue. Der Bund der Versicherten hatte Strafanzeige gegen die Auffanggesellschaft gestellt. Er vermutet, dass Lebensversicherungskunden durch ein Finanzmanöver zur Rettung der Mannheimer Holding geschädigt wurden. Protektor verzichtete Ende 2003 weitgehend auf die Rückzahlung von Darlehen in Höhe von rund 170 Millionen Euro. Das Geld erhielt die Mannheimer Holding, um eine Insolvenz abzuwenden. Dabei hatte die Protektor AG die durch die Mannheimer-Pleite gefährdeten Lebensversicherungsverträge bereits übernommen.

Lebensversicherer legten zusammen

Die Protektor AG haben alle Lebensversicherungsunternehmen gemeinsam gegründet, um bei einer Pleite in der Branche zu verhindern, dass Kunden zu Schaden kommen. Auch das Geld für Protektor stammt von den deutschen Lebensversicherungsgesellschaften. Kunden dieser Unternehmen könnten durch die Protektor-Rettungsaktion Nachteile entstehen, befürchtet Frank Braun, Geschäftsführer des Bundes der Versicherten. Ihre Überschussbeteiligungen könnten geringer ausfallen, wenn die Versicherungsgesellschaften zusätzliches Geld an Protektor zahlen müssen. Vor allem seien aber die jetzt bei der Protektor versicherten Ex-Mannheimer-Kunden betroffen. Sie haben Anspruch auf Überschussbeteiligung. Eine solche wird aber nur fällig, wenn die Protektor AG gute Geschäfte macht. Der Darlehensverzicht zugunsten der Mannheimer Holding kann den Versicherten daher Verluste bringen.

Großzügiger Verzicht

Hintergrund: Die Auffanggesellschaft Protektor übernahm zum 1. Oktober 2003 den Kundenbestand der gescheiterten Mannheimer Lebensversicherung. Damit erwarb Protektor Ansprüche gegenüber der Muttergesellschaft, der Mannheimer Holding AG, in Höhe von 193 Millionen Euro. Zugleich gewährte Protektor der Mannheimer Holding ein Darlehen in dieser Höhe. Um die Mannheimer Holding zu sanieren, verzichtete Protektor nun auf den größten Teil dieser Summe. Lediglich 25 Millionen Euro soll die Auffanggesellschaft erhalten. Wieso die Protektor AG so großzügig auf Forderungen gegen die Mannheimer Holding verzichtet, ist unklar.

Staatsanwaltschaft noch unschlüssig

Ob der Darlehensverzicht tatsächlich strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen wird, ist noch ungewiss. Die Staatsanwaltschaft prüft zunächst, ob die zuständige Aufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) in Bonn, sowie alle Protektor-Gesellschafter mit dem Darlehensverzicht einverstanden waren. Zudem stehe noch gar nicht fest, ob überhaupt wirtschaftlicher Schaden entstanden sei, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber Finanztest. Die Mehrheit an der Mannheimer Holding soll an die österreichische Uniqa-Versicherungsgruppe gehen. Der Verzicht auf das Darlehen könnte durch günstigere Erlöse bei der Übertragung der Mannheimer-Mehrheit an Uniqa kompensiert werden. Erst nach Abschluss der Ermittlungen lasse sich beurteilen, ob die Protektor-Vorstände strafbare Handlungen begangen hätten oder nicht.

Dieser Artikel ist hilfreich. 525 Nutzer finden das hilfreich.